> > > Georg Friedrich Händel: L' Allegro, il Penseroso ed il Moderato: Oratorium in drei Teilen
Freitag, 24. März 2017

Georg Friedrich Händel: L' Allegro, il Penseroso ed il Moderato - Oratorium in drei Teilen

Heiter und gedankenvoll


Label/Verlag: Carus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Von ausgelassener Heiterkeit bis hin zu nachdenklicher Melancholie - die Einspielung von Händels 'L'Allegro, il Penseroso ed il Moderato' unter der Leitung von Peter Neumann zeigt alle Gefühlsfacetten.

Dem musikalischen Ausdruck der gegensätzlichen Temperamente und menschlichen Gefühlswelten widmete sich Georg Friedrich Händel in seiner dreiteiligen ‚Pastoral Ode‘ HWV 55. Im Winter 1740 vertonte er innerhalb weniger Tage den Text von Charles Jennens, der das ‚Allegro‘ und das ‚Penseroso‘ von zwei Gedichten John Miltons ausgehend entwarf und auf Händels Wunsch noch das Mittelmaß zwischen den beiden, das ‚Moderato‘, hinzufügte. Diese Gegenüberstellung der Gemütsverfassungen übersetzte Händel in Musik und schuf ein vielseitiges und musikalisch differenziertes Vokalwerk, das zu Unrecht bald nach dem anfänglichen Erfolg in den 1740er und 1750er Jahren in Vergessenheit geriet.

Das Werk nun wieder einem breiteren Publikum näherzubringen, ist ein Anliegen der vorliegenden Einspielung, aufgenommen in der Trinitatiskirche Köln 2012 und in diesem Jahr bei Carus erschienen. Für den Anspruch, eine hochwertige Interpretation zu liefern, steht auch der künstlerische Leiter, der auf Händels Schaffen spezialisierte Peter Neumann. Dem Ruf eines Händel-Spezialisten wird Neumann durch die äußerst differenzierte und stilistisch überzeugende Einstudierung von 'L’Allegro, il Pensoroso ed il Moderato' vollauf gerecht. Sowohl der Kölner Kammerchor als auch das Collegium Cartusianum präsentieren eine ausgefeilte Darbietung des Werks auf einem sehr hohen technischen sowie interpretatorischen Niveau. In beeindruckender Weise gestalten die Mitwirkenden dynamische Abstufungen und subtile, affektbetonende Agogik. Dabei bleibt das Zusammenspiel aller Beteiligten durchweg perfekt. Als homogenes Gesamtensemble meistern die Musiker es, die kontrastreiche musikalische Gestaltung Händels beispielsweise durch betonte Klangfarbenwechsel und starke Ausdrucksänderungen deutlich werden zu lassen, ohne dabei unnatürliche Brüche innerhalb der einzelnen Nummern zu erzeugen.

In das homogene Ensemble aus Chor und Orchester reihen sich auch die ausgewählten Gesangssolisten wunderbar ein und leiten in gekonnter und fließender Weise in nachfolgende Chor- oder Instrumentalpassagen über. Besonders Tenor und Bass mit Benjamin Hulett und Andreas Wolf sind positiv hervorzuheben. Der Brite Benjamin Hulett beeindruckt vor allem mit seinem gleichmäßigen Klang in allen Registern, wobei er selbst in der hohen Lage nicht zu nasal und folglich zu spitz wird. So bildet beispielsweise seine Interpretation der Arie 'Haste thee, nymph' einen wahren Höhepunkt der Aufnahme. Selbst die schnelleren Koloraturläufe und die Nachahmung des Lachens sind durchgehend von der Luft getragen und werden nicht gestoßen, da Hulett auch bei schnelleren Passagen ein weitgespanntes Legato erreicht. Dennoch ist sowohl musikalische Ausführung als auch textliche Aussprache präzise und deutlich, was auch ein Charakteristikum von Andreas Wolfs Gesang ist. Trotz seines vollen und durchschlagkräftigen Basses zeigt Wolf eine große Stimmflexibilität, die er ohne Verlust an Klangfarbe oder Textverständlichkeit einsetzt. Genauso passend für den Gesamtklang wie die beiden männlichen Solisten zeigen sich die beiden Sopranistinnen Maria Keohane und Julia Doyle, die sich sowohl in ihrer Stimmfarbe als auch in ihrem musikalischen Zugang sehr ähneln und folglich hervorragend zueinander passen.

So ist es dann aber nicht immer einfach, die beiden Sängerinnen beim Hören zu unterscheiden. Auch gibt das Booklet keine schnell zu findende Hilfe, da bei der Nummernaufstellung auf der ersten Seite nur angezeigt wird, ob es sich um ein Sopran, Bass- oder Tenorsolo handelt. Die explizite Nennung der Solistennamen fehlt hier leider; erst auf hinteren Seiten des Booklets findet sich bei der Auflistung der Mitglieder von Chor und Orchester ein Zusatz, welche Soprannummern von welcher Sängerin übernommen wurden. Insgesamt ist das Booklet zwar sehr informativ angelegt mit einem interessanten und klar formulierten Begleittext von Markus Schwering, doch werden in dem 31-seitigen Beiheft die zahlreichen informativen Texte und der Libretto-Abdruck derart gedrängt dargestellt, dass es an Übersichtlichkeit fehlt. Doch trägt diese Ausführlichkeit vor allem dazu bei, den Hörer ausgiebig zu informieren und ihm das Werk auch über das Hören hinaus näherzubringen.

Insgesamt wird so mit der vorliegenden Aufnahme das Ziel, 'L’Allegro, il Pensoroso ed il Moderato' einem breiteren Publikum bekannt zu machen und es der Vergessenheit ein Stück weit zu entreißen, mit Erfolg erreicht. Es handelt sich um eine musikalisch hochwertige Interpretation mit einem hervorragenden Chor und Orchester sowie erstklassigen Solisten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Georg Friedrich Händel: L' Allegro, il Penseroso ed il Moderato: Oratorium in drei Teilen

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Carus
2
01.06.2013
118:49
2012
EAN:
BestellNr.:

4009350833951
8339500


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"Obwohl äußerst selten aufgeführt und auch vergleichsweise wenig eingespielt, muss „L‘Allegro, Il Penseroso ed il Moderato“ zu den schönsten und musikalisch wertvollsten englischen Oratorien Händels gezählt werden. Die mangelnde Popularität hängt wohl einzig mit dem Aufführungsaufwand und dem wenig dramatischen Sujet zusammen. Dabei hat Händel dem von Charles Jennens bearbeiteten Text von John Milton einiges von seiner besten Musik geschenkt. Peter Neumann setzt sich in seiner Einspielung mit Kölner Kammerchor und dem Collegium Cartusianum nachdrücklich für diesen Geheimtipp unter den Oratorien Händels ein."


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Carus

Der Name Carus steht weltweit als ein Synonym für höchsten Anspruch und Qualität auf dem Gebiet geistlicher Chormusik. Dies betrifft nicht nur unsere zuverlässigen Noteneditionen vieler zu Unrecht in Vergessenheit geratener Werke. Es ist uns ein besonderes Anliegen, gerade diese Werke - oft als Weltersteinspielungen - auch in exemplarischen Interpretationen durch hochrangige Interpreten und Ensembles auf CD vorzulegen. Der weltweite Erfolg unseres Labels führte zur Erweiterung unseres Katalogs: Neben der Chormusik, die weiterhin den Schwerpunkt des Labels bildet, haben gerade in den letzten Jahren einige Aufnahmen barocker Instrumentalwerke internationale Beachtung gefunden. Unsere Zusammenarbeit mit erstklassigen Interpreten führte zu einer hohen Klangkultur, die mit der Verleihung vieler internationaler Preise honoriert wurde (Diapason d'Or, Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Gramophone - Editor's choice).


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