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Mittwoch, 29. März 2017

How pleasant 'tis to love! - Purcell, Henry

Elegante Kleinode


Label/Verlag: Alpha Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Einige feine Sätze des Orpheus Britannicus: sensibel gesungen und gespielt von Scherzi Musicali, getragen von der inspirierten Leitung Nicolas Achtens.

Das Programm der aktuellen Produktion des vom jungen belgischen Bariton, Harfenisten und Cembalisten Nicolas Achten geleiteten Ensembles Scherzi Musicali widmet sich einigen Facetten des Schaffens Henry Purcells. Es verschränkt schlüssig dessen instrumentales und vokales Schaffen, versammelt etliche Kleinode, darunter bestens Bekanntes wie 'O Solitude', 'Musick for a While' oder die ganz am Ende sinnfällig die Affekte sammelnde 'Evening Hymn'. Purcell ist in jedem der von ihm bedienten Genres außerordentlich inspiriert, das unterstreichen Achten und sein feines Ensemble mit diesem Programm ganz deutlich. Der englische Barockheros gehört damit – inzwischen wird das auch in Kontinentaleuropa mehr und mehr anerkannt – zu jener exklusiven Kaste musikalischer Genies, deren schöpferische Individualität jede zeitgenössische Form, jede Ästhetik mühelos zu durchdringen und dem eigenen Zugriff anzuverwandeln wusste.

Sensible Interpreten

Nicolas Achten ist dabei, sich als Instrumentalist ebenso einen Namen in der Alten Musik zu machen wie als Sänger und Dirigent. Vokal nähert er sich Purcells Miniaturen mit seiner feinen Stimme stilistisch gekonnt, bringt vor allem seine überaus leicht ansprechende Höhe überzeugend ein. Tiefere Register sind maßvoll präsent, insgesamt erinnert sein technisch solide basiertes, in manch bewegterer Passage auch noch kleine Reserven offenbarendes Organ an eine mittellagige Naturstimme in der Ausprägung des heute kaum mehr diskutierten Fachs des Tenorbaritons. Achten ist in seinem differenzierten Vortrag ein sensibler Deuter der eingeschriebenen Affekte, mit feinem Sinn für das Potenzial der Miniaturen Purcells.

Instrumental erweist er sich sehr versiert, vor allem als technisch bemerkenswerter Harfenist und Tastenspieler, hier am Virginal zu erleben. In diesen Fächern tritt er solistisch bemerkenswert hervor, glänzt aber auch als sensibler Begleiter seines eigenen und des Vortrags seines Tenorkollegen Reinoud Van Mechelen: Der verfügt über eine wunderbar lyrische Stimme, mit einem fast schon fließenden Übergang in das höhere Altusregister, im Klang sehr leicht, beweglich, in mancher Koloratur technisch ansprechend, dazu mit feiner Dramatik.

Getragen werden die vokalen Beiträge von einem mit Harfe, Theorbe, Gitarre, Viola da gamba und verschiedenen Blockflöten dezent und zart, gelegentlich fast durchscheinend besetzten Ensemble. Viele schöne Reize und artikulatorische Impulse kommen aus der üppigen Kleinteiligkeit der sehr präsenten Zupfinstrumente. Elegante Linearität setzen neben den beiden Vokalisten auch die Flöten als gelungenen Kontrast dagegen. Das Klangbild ist klar und plastisch, wunderbar gestaffelt und bringt alle klingenden Sphären sehr angemessen und in feiner Balance zur Geltung.

Nicolas Achten ist aktuell eine der interessantesten Mehrfachbegabungen in der Alten Musik. Vokal mit eigenem Charme, instrumental mit evidenter Klasse, aber auch gedanklich-konzeptionell ist er auf einem bemerkenswerten Weg – auch wenn er im letzten Punkt ausweislich seiner interessanten und gut informierten, aber doch noch an individuellen Pointen armen, eher korrekten als wagemutigen Texte des überaus ansprechenden Booklets noch ein gewisses Entwicklungspotenzial offenbart.

In der Summe eine programmatisch abwechslungsreiche, fein gesungene und gespielte Purcell-Platte, deren interpretatorischer Ertrag sich diskografisch nicht zu verstecken braucht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    How pleasant 'tis to love!: Purcell, Henry

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Alpha Classics
1
01.06.2013
EAN:

3760014191923


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Alpha Classics

"Haute-Couture-Label", "Orchidee im Brachland der Klassikbranche" oder schlicht "Wunder", das sind die Titel mit denen das französische Label ALPHA von der Fachpresse hierzulande bedacht wird. In der Tat ist die Erfolgsgeschichte des Labels ein kleines Wunder. Honoriert wurde hiermit die Pionierlust und Entdeckerfreude des Gründers Jean-Paul Combet und die außerordentliche Qualität seiner Künstler und Ensembles (z.B. Vincent Dumestre, Marco Beasley, Christina Pluhar u.v.a.), aber auch die auffallend schöne, geschmackvolle Präsentation der Serie "ut pictura musica" mit ihren inzwischen mehr als 200 Titeln. Das schwarze Front-Layout und die Grundierung mit venezianischem Papier im Innern sind mittlerweile genauso zum Markenzeichen geworden wie die ausgesprochen stimmungsvollen Fotografien der Aufnahmesitzungen durch den Fotografen Robin Davies. Das Programm umfasst die Zeitspanne von der mittelalterlichen Notre Dame-Schule bis hin zur klassischen Moderne, doch ist nach wie vor ein deutlicher Schwerpunkt auf Alte Musik zu erkennen. Innerhalb des Labels möchte die zweite, auch "Weiße Reihe" genannte, Serie "Les Chants de la terre" die ältesten Quellen musikalischen Ausdrucks erkunden. Mit Virtuosität und Spielfreude widmet man sich hier dem Beziehungsfeld von schriftlich überlieferten und mündlich weitergegebenen Musiktraditionen, um alte Melodien zu neuem Leben zu erwecken. Trotz akribischer musikwissenschaftlicher Recherche geht es hier nicht um eindimensionale, akademisch trockene Werktreue, sondern um lebendigen Umgang mit altem Material.


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