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Sonntag, 20. Oktober 2019

Daniel-Francois-Esprit Auber - La Muette de Portici

Fußnote der Musikgeschichte


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Hervorragender Mitschnitt der ersten Grand Opera aus Dessau.

Historisch betrachtet ist Aubers 'Muette' eine sehr wichtige Oper, und zwar nicht allein wegen der sattsam bekannten Tatsache, dass eine Aufführung des Werks in Brüssel 1830 wesentlich zum Ausbruch der belgischen Revolution beitrug – ein in der Operngeschichte singuläres Ereignis. Wesentlicher ist ein gattungsgeschichtlicher Aspekt: Die 1828 uraufgeführte 'La Muette die Portici' war die erste Grand Opera, ein Musiktheatergenre, das nach 1830 von Giacomo Meyerbeer zur Blüte geführt wurde. Hier geht es um so intensiven wie freien Umgang mit historischen Ereignissen, kombiniert mit großen Bildern und spektakulären Theatereffekten.

Nun darf allein die Idee, eine Oper zu komponieren, deren Titelgestalt stumm ist, als paradox bezeichnet werden, ein akustischer Mitschnitt einer derartigen Kreation als geradezu skurril. Man hört relativ lange Passagen undramatischer Musik, während derer man sich vorzustellen hat, wie die Titelgestalt sich mit Zeichensprache verständlich macht.

Dennoch ist die Veröffentlichung einer Produktion des Anhaltischen Theaters sehr verdienstvoll. Sie schließt eine diskographische Lücke (die Studioproduktion von 1987 mit Alfredo Kraus ist zurzeit nicht auf dem Markt) und zeigt – wieder einmal – die staunenswerte Leistungsfähigkeit der deutschen Stadttheater. Was der Chor des Theaters und die Anhaltische Philharmonie hier leisten, ist kaum hoch genug einzuschätzen. Es wird leidenschaftlich gesungen und gespielt, dabei sehr diszipliniert, hochmusikalisch und vor allem sehr idiomatisch. GMD Anthony Hermus bringt einen schlanken, flexiblen Klang zustande, der – mit möglichst wenig Vibrato – Aubers trockene Eleganz hervorragend abbildet.

Allerdings kann auch die beste Wiedergabe die Schwächen des Werkes nicht verdecken. Auber ist von Meyerbeers raffinierter, effektgesättigter Klangfarben- und Stimmungsdramaturgie unendlich weit entfernt. Auf Dauer klingt vieles gleichförmig, die Steigerungen in den Finali ereignen sich arg brav, selbst der Ausbruch des Vesuvs klingt nicht einmal wie ein anständiges Tischfeuerwerk. Nur das berühmte Revolutionsduett, die melancholisch strömende Cavatine des Masaniello und die große Arie der Elvire hinterlassen einen wirklich bleibenden Eindruck.

Und auch das nur, weil Dessau hervorragende Sänger aufbietet. Die Koloraturprimadonna des Hauses, Angelina Ruzzafante, hat eine für ihr Rollenfach angenehm sinnlich getönte Stimme und weiß ihren Höhenraketen dramatischen Ausdruck zu geben, ohne die Schönheit des Tons zu gefährden. Ihren prinzlichen Galan Alphonse gibt Oscar de la Torre mit hellem, sehr feinem Tenor, der es allerdings mit der französischen Aussprache nicht immer ganz genau nimmt. Komplett entgegengesetzt der Eindruck bei Diego Torre. Bei seinem ersten Auftritt wirkt er fast überbesetzt als Fischer-Rebell Masaniello, scheint die Stimme zu groß, nicht biegsam genug, zu dunkel. Im weiteren Verlauf weist Torre aber seine sängerischen Qualitäten deutlich nach, singt idiomatisch und geschmackvoll, beherrscht den dramatischen Ausbruch und betört in der Cavantine mit melancholisch verschattetem Legato. Wiard Witholt als Co- und Gegenverschwörer Pietro kann mit attraktivem Bariton das sängerische Niveau nicht ganz halten. In den kleinen Rollen wird hervorragend gesungen.

Dem ausführlichen, gut gestalteten Booklet fehlt zur Perfektion eine deutsche Übersetzung des abgedruckten Originallibrettos.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Daniel-Francois-Esprit Auber: La Muette de Portici

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
cpo
1
20.05.2013
135:09
2011
Medium:
EAN:

CD
761203769421


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Auber, Daniel Francois
 - La Muette de Portici - Ouverture
 - La Muette de Portici, Acte I - No. 1 Introduction et Air: Du prince objet de notre amour (Choeur, Alphonse)
 - La Muette de Portici, Acte I - Récitatif: Lorenzo, je te vois (Alphonse, Lorenzo)
 - La Muette de Portici, Acte I - No. 2 Choeur: Mais du cortège qui s'avance (Alphonse, Choeur)
 - La Muette de Portici, Acte I - No. 3 Récitatif: Plaisir du rang suprême (Elvire)
 - La Muette de Portici, Acte I - No. 3 Air: O moment enchanteur! (Elvire)
 - La Muette de Portici, Acte I - No. 4 Scène: Dans ces jardins (Elvire, Dame d'honneur, Selva, Lorenzo)
 - La Muette de Portici, Acte I - No. 4 Choeur de la Chapelle: O Dieu puissant! (Choeur, Selva)
 - La Muette de Portici, Acte I - No. 5 Finale: Ils sont unis! (Choeur, Elvire, Alphonse, Lorenzo, Selva)
 - La Muette de Portici, Acte I - No. 5 Finale (Fortsetzung): Rendez le calme (Elvire, Alphonse, Lorenzo, Selva, Choeur)
 - La Muette de Portici, Acte II - No. 6 Choeur: Amis, le soleil va paraître (Choeur, Borella, Masaniello)
 - La Muette de Portici, Acte II - No. 7 Barcarolle: Amis, le matinée est belle (Masaniello, Borella, Choeur)


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Dirigent(en):Hermus, Antony
Orchester/Ensemble:Anhaltische Philharmonie Dessau
Interpret(en):Arguirov, Kostadin
Witholt, Wiard
Torre, Diego
Weinkauf, Anne
Paulsen, Ulf
Wood, Angus
Ruzzafante, Angelina
Torre, Oscar de la
Biener, Stephan


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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