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Dienstag, 20. Oktober 2020

Weingartner, Felix - Lieder

Felix Weingartners Lieder


Label/Verlag: Querstand
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Keine lohnende Entdeckung sind Felix Weingartners Lieder, die stilistisch mehr reagieren als innovativ zu sein. Die Interpretationen junger Sänger können darüber nicht hinweghelfen.

Eine schwierige CD. Einerseits ist diese beim sächsischen Label Querstand erschienene Zusammenstellung mit dreißig Liedern des Komponisten und Dirigenten Felix Weingartner (1863-1942) eine verdienstvolle Ergänzung zur Reihe der Weingartner-Veröffentlichungen beim Label cpo. Andererseits zeigt sie den Komponisten als durchschnittlichen Liederschreiber und lässt Interpreten mit Persönlichkeit vermissen, die das kompensieren könnten. Es fällt nicht leicht, dies einem so ambitionierten und verdienstvollen Entdeckerunterfangen zu attestieren, doch im Grunde sind die vier ausgewählten jungen Sänger keine erfahrenen Liedinterpreten. Ihre Stimmen sind unausgeglichen und die Interpretationen sicherlich engagiert, aber nicht stark genug, um Weingartners stets an Vorbildern von Brahms, Liszt, Wolf, Marx, Strauss und anderen Zeitgenossen orientierte Lieder so sehr aus der Masse der Liedvertonungen der Entstehungszeiten herauszuheben, dass sie Bedeutung bekommen würden oder interessante Aspekte hätten.

Der Begleittext zur Veröffentlichung kündigt an: ‚30 Lieder, chronologisch geordnet, ermöglichen das Nachvollziehen der kompositorischen Entwicklung und erweisen sich als reizvolle Wiederentdeckungen. Fast alle von ihnen erleben auf dieser CD ihre Ersteinspielung.‘ Das mag zunächst richtig sein, doch leider ist von einer Entwicklung Weingartners dabei wenig zu merken, reagiert er in diesem Genre doch merklich auf seine komponierenden Zeitgenossen. Von eigenen Ansätzen hingegen ist wenig auszumachen. Die Texte stammen von den damals üblichen Verdächtigen wie Lenau, Uhland, Keller, aber auch aus dem seinerzeit beliebten Münchner Dichterkreis. Es geht um Natur und Küsse, um die Geliebte und Japanmode. Harmlose Konventionen der Zeit, die Weingartner in über 200 Liedern festhielt, ohne die Qualität seiner instrumentalen Kammermusik oder Sinfonik zu erreichen.

Andreas Fischers jugendlich lyrischer, unschuldiger, in der Höhe schnell auch dünner und etwas unstabiler Tenor, macht das gleich zu Beginn mit einer Uhland-Vertonung klar. Das ist Dutzendware. Felix Plock, der mit seiner Natürlichkeit überzeugendste Sänger, hat unter anderem vier Lieder aus op. 16 nach Lenau-Texten zu interpretieren, die kompositorisch deutlich einem Schubert-Zyklus abgelauscht sind. Ulrike Fuldes charakteristischer, nicht immer reiner Sopran hat etwa in den 'Japanischen Liedern' op. 45 Vertonungen zu singen, die stilistisch irgendwo zwischen Zemlinsky und Schönberg stecken. Wenig später verweist eine Morgenstern-Vertonung (Track 24) ungeniert eindeutig auf Richard Strauss’ 'Morgen'. Manja Raschkas jung timbrierter und leicht nachgedrückter Mezzosopran hat mit den sechs Liedern des Zyklus 'Mädchenlieder' op. 32 mit deutlichen Schumann- und Brahms-Anklängen zu tun. Es ließe sich wohl für jedes der ausgewählten Lieder Entsprechendes zeigen. Das ist alles leider wenig spannend, weil man stets die Assoziation zu den stets besseren Vorbildern Weingartners mithört.

Stefan Burkhardts trockene Klavierbegleitung tut ein Übriges; sie ist zwar stets präsent und versucht, aus den zumeist gebrochenen Akkorden der Begleitstimme möglichst viele Farben herauszuholen, übernimmt aber selten die Initiative. In der klaren Studioakustik des MDR Leipzig ist das alles nahe am Mikrofon eingefangen. Das illustrierte Booklet enthält die Liedtexte und einen Essay zu Felix Weingartner, der grundlegende Informationen ausbreitet.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Frank Fechter,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Weingartner, Felix: Lieder

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Querstand
1
01.09.2013
Medium:
EAN:

CD
4025796013054


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Querstand

Mit viel Liebe zum Detail bringt das querstand-Label dem interessierten Hörer die Vielfalt und Schönheit der klassischen Musik auf wenig ausgetretenen Pfaden näher. Das Label hat sich seit 1994 durch die Produktion hochwertiger klassischer CDs einen ausgezeichneten Ruf erworben. Über 500 Produktionen werden weltweit vertrieben, wobei ein Augenmerk auf Orgelmusik liegt. Die Gesamteinspielung der Orgelwerke von Johann Ludwig Krebs (bisher 11 CDs) und des Kantaten- und Orchesterwerkes des berühmten Bachschülers bilden ein Glanzlicht des Labels, dem mit der Serie ?Die Orgeln von Gottfried Silbermann? (8 CDs) ein weiteres zur Seite gestellt wurde (Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik 2003). Auch im kammermusikalischen und sinfonischen Bereich wurden zahlreiche CDs veröffentlicht, etwa mit dem Gewandhausorchester Leipzig. Mit der Aufnahme des Passionsoratoriums ?Der Tod Jesu? von Carl Heinrich Graun mit dem MDR Rundfunkchor und dem MDR Sinfonieorchester unter Howard Arman gewann das Label 2005 einen ECHO Klassik-Award. Im Jahre 2013 erhielt die 9-CD-Box mit allen Sinfonien Anton Bruckners, eingespielt von Herbert Blomstedt mit dem Gewandhausorchester Leipzig, den ICMA (International Classical Music Award). Mit Verlagssitz im Thüringischen Altenburg kann querstand von der einzigartigen Vielfalt der mitteldeutschen Musiklandschaft profitieren, die sich auch im Verlagsprogramm niederschlägt. Neben den vielseitigen Einflüssen der fantastischen Orgellandschaft der Region, ist es auch die Nähe zur Musikstadt Leipzig mit ihrer wunderbaren Tradition und facettenreichen Szene, auf die das Label besonderes Augenmerk richtet.


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