> > > Haas, Joseph: Marianische Kantate
Sonntag, 24. Oktober 2021

Haas, Joseph - Marianische Kantate

Devotional


Label/Verlag: Ambiente Audio
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese Aufnahme von geistlichen Werken aus der Feder von Joseph Haas kann musikalisch überzeugen - in Bezug auf die Qualität der Werke wie auch ihrer Wiedergabe.

Joseph Haas‘ (1879-1960) tiefer katholischer Glaube war während des Dritten Reiches einer der zwei Gründe, warum er von den Nationalsozialisten abgelehnt wurde. Der andere war sein Einsatz für die Neue Musik mit den Donaueschinger internationalen Kammermusikfeste für Neue Musik, die er zusammen mit Paul Hindemith und Heinrich Burkard 1927 gegründet hatte. Der Schüler Max Regers, der vor dem Krieg an den Konservatorien in Stuttgart und München tätig gewesen war, übernahm nach dem Krieg den Wiederaufbau der Münchner Musikhochschule. Erst nachdem er 1950 in den Ruhestand versetzt worden war, konnte er sich wieder größeren Kompositionen widmen, darunter als einem seiner letzten Werke der Marianischen Kantate op. 112 für Frauenchor und Orgel (1960). Die unprätentiöse, insgesamt eher schlichte Harmonik der Komposition ist für den Chorgesang bestens geeignet, wir haben hier Gebrauchsmusik hoher Grade, die hier mit der gebotenen Differenzierung wiedergegeben wird. Der Münchner Frauenchor und die Solistinnen Monika Lichtenegger (Sopran) und Martina Koppelstetter (Alt) sowie der Organist Norbert Düchtel unter der Leitung von Katrin Wende-Ehmer vermitteln die zutiefst religiöse Haltung Haas‘, seine bewusst dem religiösen Erlebnis zugeordnete musikalische Haltung, die sich äußerlichen Prunkes gänzlich enthalten kann und so den Konzeptionen seiner protestantischen Zeitgenossen gar nicht so fremd steht. Koppelstetter singt gelegentlich etwas unter dem Ton, gleichzeitig mit etwas zu viel Überdruck, alle anderen Leistungen bieten eine ausgesprochen homogene, in sich runde Interpretation.

Die 'Vier Elisabeth-Hymnen' op. 84b entnahm Haas seinem 1931 uraufgeführten Volksoratorium 'Die heilige Elisabeth', das mit mehr als 500 Aufführungen zu den erfolgreichsten Oratorien des 20. Jahrhunderts gehört. Haas hat mehrere Volksoratorien komponiert, die, wäre dies möglich gewesen, von den Nationalsozialisten vereinnahmt worden wären – die für die Machthaber ungünstige Sujetwahl stand dem jedoch zumeist entgegen. Die Elisabeth-Hymnen werden hier in Haas‘ Einrichtung für Solostimme (oder Volksgesang) und Orgel dargeboten, mit der er der Komposition zu größerer Bekanntheit verhelfen wollte. Die Sopranistin Monika Lichtenegger (Schülerin u.a. von Claes H. Ahnsjö und Frieder Lang) bietet einen angemessen warmen, gleichsam ‚keuschen‘ Tonfall auf, der durch ein schnelles Vibrato dennoch gut emotionale Erregung transportieren kann. Norbert Düchtel an der Eule-Orgel der Evangelischen Himmelfahrtskirche in München-Sendling bietet wo möglich auch eigene Farben, ordnet sich aber weitenteils der Singstimme unter.

1909, kurz nach Beendigung seines Studiums bei Reger, entstanden die 'Drei geistlichen Lieder' op. 13 für Singstimme und Orgel. Als Vorbild für diese Komposition kann man Regers geistliche Lieder nur bedingt bezeichnen – Haas‘ Selbstständigkeit überwiegt, wenn auch einige harmonische Wendungen einigen von Regers Liedern nicht fernstehen. Lichtenegger und Düchtel gelingt eine farbenreiche, innige Wiedergabe, die Aufnahmetechnik ist hier wie auch auf der restlichen CD vorbildlich klar und gleichzeitig die Weite des Aufnahmeraumes nicht reduzierend.

Die sechs 'Gesänge an Gott' op. 68a für hohe Singstimme und Orgel entstanden 1926; im Vergleich zu den Elisabeth-Hymnen ist hier harmonisches Konzept weitaus komplexer, der Orgelpart auch reicher ausgestaltet. Auch hier ist Monika Lichtenegger weitgehend lobenswert textverständlich, ihr schnelles Vibrato scheint hier im Vergleich zu den Elisabeth-Hymnen etwas zurückgenommen, die Stimme vielmehr noch instrumentaler geführt. Wolfgang Haas hat die Lieder zu den besten Liedkompositionen seines Großvaters gezählt, und dies möglicherweise zu Recht; eine Gesamteinspielung hier unterblieben, da solche bereits anderswo vorgelegt wurde.

Das Booklet (u.a. mit Beiträgen von Haas‘ Enkel Wolfgang, der treibenden Kraft der Joseph-Haas-Gesellschaft), zeugt nicht zuletzt in seinem Umfang von der Expertise und der Zuneigung zu seinem Objekt – nur einige Wertungen sind fast naturgemäß subjektiv gefärbt und dadurch für den Leser nur bedingt hilfreich. Die Solistennennung bei den geistlichen Liedern fehlt, dafür gibt es aber die Gesangstexte nebst Informationen zu den Textdichtern (mit unnötigen Verweisen auf Wikipedia).

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Haas, Joseph: Marianische Kantate

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Ambiente Audio
1
10.06.2013
Medium:
EAN:

CD
4029897030231


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