> > > Beethoven, Ludwig van: Fidelio
Montag, 26. September 2022

Beethoven, Ludwig van - Fidelio

Immer noch ein Geniestreich


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Man wird in unseren Tagen wohl nur selten eine in gleicher Weise überzeugende 'Fidelio'-Aufführung finden wie jene 1979 in Glyndebourne über die Bühne gegangene. Sänger und Orchester sind fantastisch.

Beethovens einziger Oper, die 1805 im Theater an der Wien uraufgeführt wurde, war nicht sofort der Durchbruch beschert. Erst mit der dritten Fassung im Mai 1814 im Wiener Kärntnerthortheater etablierte sich das Werk in den Spielplänen der Opernhäuser. Die Sopranistin Wilhelmine Schröder-Devrient übernahm 1822 die Rolle der Leonore und begeisterte damit auch Richard Wagner, der die Oper fortan als ein Meisterwerk bezeichnete.

Wenngleich 'Fidelio' oft als Nummernoper eingeordnet wird, ist dies durchaus kein Makel, denn Beethoven arbeitet hier äußerst geschickt mit Wort und Ton, sodass die Spannung durchweg erhalten bleibt, wenngleich heute die Dialoge zumeist gekürzt oder komplett umgeschrieben werden. Der erste Akt beginnt heiter; die Arien und Duette von Rocco, Marzelline und Jacquino spiegeln eine heile Welt wieder, die mit dem Auftritt von Leonore und dem bekannten Quartett doch schnell ins Tragische umgekehrt wird. Der Gefangenenchor am Schluss des ersten Akts ist sicherlich einer der eindrucksvollsten Chorszenen der Operngeschichte, von der sich womöglich auch Verdi für seinen 'Nabucco' gerne hat inspirieren lassen. Die weitere Handlung hat Beethoven musikalisch sowie dramatisch mit großer Spannung aufgebaut; der Komponist zeigt hier eindrucksvoll sein Gespür für das Bühnendrama.

Komponiert hat Beethoven vielschichtig, mit differenziertem Kolorit, doch auch mit vielen leisen, fast liedhaften Passagen. Inhaltlich wird alles mit seinen Humanitätsvisionen verbunden, die Richard Wagners Schaffen auch maßgeblich beeinflusst haben. Für die Stimmen wurde nicht immer ‚angenehm‘ komponiert, dennoch liegt die Gestaltung durchaus im Bereich des Möglichen, wie es der vorliegende Mitschnitt aus Glyndebourne (1979) belegt.

Diese legendäre Inszenierung von Sir Peter Hall zeigt, wie man Beethoven singen muss, und auch das Orchester setzt Maßstäbe. Am Pult des London Philharmonic Orchestras agiert ein junger Bernard Haitink kraftvoll und mit perfektem Zeitmaß. Immer dynamisch vorwärtsdrängend gibt er doch den Sängern genug Raum zum Gestalten. Ob die Oper aktuell irgendwo musikalisch so packend und stimmlich so überzeugend zu erleben ist, muss man bezweifeln, denn überreizte Stimmen, die allzu oft im heutigen Jetset-Opernbetrieb agieren, können diese Partien leider nicht mehr auf diese Weise meistern.

In Glyndebourne brilliert eine grandiose Elisabeth Söderström als überzeugende Leonore, die selbst als Fidelio authentisch bleiben kann. Man entdeckt bei ihr den heute zur Seltenheit gewordenen ‚Kuppelklang‘; die Klangkraft der rückwärtigen Kopfräume scheint schier endlos zu sein, zudem schafft sie jede Höhenlage mit schwingender Schönheit ohne einen einzigen schrillen Ton. Anton de Ridder als Florestan ist ihr ein ebenbürtiger Partner. Seine edle Stimme besitzt ein warmes Timbre sowie eine klare Höhe. Curt Appelgren (Rocco) ist ein Bassbariton mit einer großer Stimme sowie kluger Gestaltungkraft, auch er eine Idealbesetzung für diese Partie, das gilt zudem für Robert Allman als Don Pizarro. Ian Caley (Jaquino) bewährt sich glänzend in dieser grandiosen Sängerriege und natürlich auch Elizabeth Gale, die eine bezaubernde Marzelline darstellt und deren Stimme mit glockenreinen Tönen besticht. Alle singen zudem äußerst wortverständlich und besitzen große darstellerische Fähigkeiten, die von Sir Peter Hall überzeugend ins rechte Licht gesetzt werden. Diese Inszenierung bewegt auch heute noch. Beethovens 'Fidelio' ist heute selten so überzeugend auf den Bühnen zu erleben.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:






Midou Grossmann Kritik von Midou Grossmann,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Beethoven, Ludwig van: Fidelio

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arthaus Musik
1
03.06.2013
Medium:
EAN:

DVD
807280230796


Cover vergössern

Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Arthaus Musik:

blättern

Alle Kritiken von Arthaus Musik...

Weitere CD-Besprechungen von Midou Grossmann:

  • Zur Kritik... Cinderella aus den Südstaaten: Jessye Normans Autobiographie ist eine interessante Ergänzung zu ihren Aufnahmen. Ihre Lebensschilderung bleibt aber doch eher an der Oberfläche. Weiter...
    (Midou Grossmann, )
  • Zur Kritik... Oper für Blockflöte: Das Ensemble L'Ornamento verlegt barocke Arien auf die Blockflöte. Das instrumentale Singen ist verspielt, aber ohne den Schattierungsreichtum, der einer Singstimme zur Verfügung steht. Weiter...
    (Midou Grossmann, )
  • Zur Kritik... Düstere Geschichten in neuem Gewand: Aribert Reimanns 'Lear' kam 2012 in Hamburg neu auf die Bühne. Dieser Mitschnitt aus dem Jahr 2014 lässt keine Wünsche offen, sonfern man sich darauf einlässt, einer Aufführung ohne Momente des Lichts und der Hoffnung beizuwohnen. Weiter...
    (Midou Grossmann, )
blättern

Alle Kritiken von Midou Grossmann...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (9/2022) herunterladen (3000 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich