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Donnerstag, 28. Oktober 2021

Janacek, Leos - The Cunning Little Vixen

Endstation Ostrau


Label/Verlag: Opus Arte
Detailinformationen zum besprochenen Titel


'Das schlaue Füchslein', von Briten, aber mit Herz musiziert.

Leoš Janáčeks melodischer und rhythmischer Stil lebt aus der tschechischen Prosodie. 'Příhody lišky bystroušky', Das schlaue Füchslein, in englischer (oder deutscher) Sprache aufzuführen, war demnach verwegen – und alltägliche Praxis im Operngeschäft. Glyndebourne hat sich im Sommer 2012 auf die tschechische Originalfassung verlegt. Vladimir Jurowski (Dirigat) und Melly Still (Regie) ist eine teils überzeugende Aufführung gelungen.

Melly Stills Regie fehlt Fokus. Die Bühne ähnelt einem Taubenschlag voll hektischen Getümmels und überflüssiger Requisiten. Auch Stills Personenführung krankt an mangelnder Dichte und Ökonomie. 'Das schlaue Füchslein' hat Zirkus und Spektakel nicht nötig.

Der Einsatz mehrerer Darsteller macht solche Schwächen in Teilen vergessen. Der Spagat zwischen menschlichen und tierischen Bewegungsmustern wird achtbar gemeistert. Allein die Fremdheit des tschechischen Texts mag manche Akteure zum Outrieren verführen. Überzeichnung der Gestik scheint Verständlichkeit zu verbürgen, wo Worte unverstanden bleiben. Grobe Verzerrung und krampfhafter Furor der Deutung finden gleichwohl nicht statt.

London Philharmonic gilt nicht als Experte slawischen Repertoires. Umso emsiger, scheint es, hat man geprobt. Vladimir Jurowski entlockt den Briten süffige Töne, ohne dick aufzutragen. Dichte Akkorde werden säuberlich zerlegt, ubiquitäre Sekunden prägnant, doch en passant, wie selbstverständlich, vorgetragen. Jurowskis Tempi sind sängerfreundlich, pragmatisch, musikalisch überzeugend. Lautstärkegrade werden fein unterschieden, Extreme vermieden. Dies ist von besonderer Bedeutung, denn Sentiment und Hysterie sind wenig angebracht. ‚Das schlaue Füchslein’ zeigt Leben und Tod des Einzelnen, ob Mensch oder Tier, als Durchgangsstadium des immergleichen Kreislaufs der Natur. Ins Unvermeidliche ergeben sich, letztendlich, alle.

Die phonetische Leistung der meistenteils britischen Sänger mögen tschechische Muttersprachler bewerten. Lucy Crowe (Füchslein) scheint Janáčeks quecksilbriger Melodieführung gewachsen. Sergei Leiferkus (Förster) hat mit fast siebzig Jahren seinen stimmlichen Zenit überschritten, bringt aber gestische Sparsamkeit, Bühnenerfahrung und Gelassenheit ein. Auch gehen dem Russen tschechische Laute leichter über die Lippen als anderen.

Ein zwanzigminütiger Bonus lässt die Beteiligten über Janáčeks und des ‚Füchsleins’ Eigenart sinnieren. Man meint es ernst. Seriöses künstlerisches Bemühen prägt das Ganze dieser ehrenvollen Produktion, wenngleich nicht das Beiheft. Es bietet (wenige) Produktionsdaten, eine knappe Inhaltsangabe und Gavin Plumleys biographischen Essay, dessen englisches Original, möglicherweise, untadelig ist: ‚Am 12. August 1928 starb ein ansonsten rüstiger weißhaariger Mann in Ostrava (Ostrau). Er war 74. Die verrauchte Industriestadt, wo er seinen letzten Atem zog war kaum eine angemessene Endstation‘ – so wenig wie dieses Beiheft für eine einst glorreiche Musikindustrie.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Regie:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Janacek, Leos: The Cunning Little Vixen

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Opus Arte
1
06.05.2013
Medium:
EAN:

DVD
809478011019


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