> > > Portrait: Werke von J. S. Bach, Berlin, Crespo u. a.
Mittwoch, 14. November 2018

Portrait - Werke von J. S. Bach, Berlin, Crespo u. a.

Ohne Wanst


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das junge Blechbläserensemble 10forBrass nimmt bei seinem Debüt mit einem hellen und vergleichsweise schlanken Klang für sich ein.

Das einzige, was man bei dieser Aufnahme bemängeln kann, ist die Tatsache, dass die Spielzeit bereits nach gut einer Dreiviertelstunde vorbei ist. Schade, denn diesem jungen Ensemble hätte ich gerne noch eine Weile zugehört. Sein ‚Portrait‘ betiteltes Debüt bei Genuin bestreitet das Blechbläserensemble 10forBrass mit einem gemischten Programm, wie es für solche Formationen typisch ist. Die Spannbreite ist groß; sie reicht von Giovanni Gabrieli, über Bach und Händel, Mahler und Debussy, Dukas und Schostakowitsch bis zu Duke Ellington und Irving Berlin und beinhaltet neben Arrangements auch Originalkompositionen für Blechbläser. Der Tante-Emma-Laden des bunt zusammengesetzten Programms bietet dem Ensemble die Gelegenheit, seine Trittfestigkeit in mehreren Stilen unter Beweis zu stellen. Darüber hinaus ist die Zusammenstellung abwechslungsreich und unterhaltsam geraten – und beschreitet neben den Arrangements der Blechbläser-‚Klassiker‘ (Bachs 'Jesu bleibet meine Freude' in der Bearbeitung von Enrique Crespo oder Händels 'Ankunft der Königin von Saba' arrangiert von Paul Archibald) auch interessante Nebenwege der Repertoires. Dazu gehört etwa Mahlers Rückert-Lied 'Ich bin der Welt abhanden gekommen' in der Bearbeitung von Ian Maxwell oder auch Debussys 'La fille aux cheveux de lin' (Arrangement: Christopher Mowat).

Erfrischender noch als das gebotene Programm ist seine musikalische Umsetzung. Hier hat 10forBrass einige Überraschungen zu bieten – und sämtliche sind positiv. Am auffallendsten ist der erstaunlich helle Klang, den das (auch in Bezug auf das Alter der Mitglieder) junge Ensemble pflegt. Paul Dukas‘ einleitende Fanfare zu 'La Peri' setzt gleich zu Beginn das Maß des strahlenden Klangs, der im weiteren Verlauf zwar je nach Atomsphäre modifiziert wird, aber doch als Grundtönung präsent bleibt. Zahlreiche Blechbläserensembles legen sich einen Klangwanst zu, um möglichst große Klanghomogenität zu erzielen, und einen mollig-runden bis fetten Sound; da klingt dann fast jede Musik, als hätte sie viel ‚Bauch‘. 10forBrass dagegen setzt auf einen für polyphone Schichtung durchlässigen, hell timbrierten, manchmal beinahe luftigen Klangcharakter, bei dem ein vergleichbar hohes Maß an ‚brassiger‘ Messingschärfe mitschwingt. Ein solches Klangideal kommt freilich Gabrielis 'Canzone XIV', aber auch den Bach- und Händel-Bearbeitungen sehr entgegen.

Allerdings vermögen die Musikerinnen und Musiker den Ensembleklang auch wunderbar rund zu machen, wo dies nötig ist, etwa in Enrique Crespos 'Bruckner Etüde' für tiefes Blech. Da werden die spätromantisch glühenden Akkordprogressionen in ein ganz weiches, fein abgestuftes Klanggewand gehüllt – und doch blitzt immer wieder eine anregende Leichtigkeit auf, etwa bei dem Abwärtsgang der Tuba im Vorlauf zur zweiten, großen Steigerung. Auch die Bearbeitung von Debussys 'Mädchen mit dem Flachshaar' gelingt dem Ensemble überzeugend, selbst wenn man der (durchaus heiklen) Blechbläserbearbeitung eines Klavierstücks von Debussy skeptisch gegenüberstehen mag. Die Farben und Stimmungen sind hier sehr schön eingefangen. Etwas problematischer ist hingegen das Arrangement von Mahlers überirdisch schönem Lied 'Ich bin der Welt abhanden gekommen', das die Ruhe und innige Verlorenheit des Originals nicht in gleichem Maß auf das Blechbläserensemble übertragen kann oder vielleicht von 10forBrass nicht mit dem notwendigen großen Bogen versehen wird. Auch die mit Dämpfer gespielten Anteile wirken in diesem Jenseitiges berührenden Lied als Fremdkörper.

Das junge Ensemble verfügt noch nicht über die Klangkultur wie etwa wes10brass, aber es ist auf einem sehr vielversprechenden Weg. Davon legt diese Debütaufnahme Zeugnis ab. Die ansteckende Spiellust, die saubere Technik, vor allem der Mut, eine ganz eigene Klangkultur zu pflegen, verdienen Hochachtung. Und an ansteckender Musikalität fehlt es den Musikerinnen und Musikern ohnehin nicht. Man wird von 10forBrass (hoffentlich) noch mehr hören.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Bisherige Kommentare zu diesem Artikel

  1. Porträt 10forBrass - meine Meinung
    Blechbläser sind beliebt, schon zu fünft, mehr noch in Großbesetzung. Das wußte auch Philip Jones 1951 und gründete mit illustren britischen Kollegen sein erstes Quintett mit zwei Trompeten und drei Posaunen. Bald wurden es mehr: vier Trompeten, ein Horn, vier Posaunen, eine Tuba. Ich lernte das PHILIP JONES BRASS ENSEMBLE (PJBE wurde sein Logo) 1979 mit einem Arrangement von Mussorgskys ?Bilder einer Ausstellung? kennen ? da bliesen dreißig Bläser dem überwältigten Zuhörer die Ohren ab und die LP wurde zur Testplatte für HiFi-Stereo-Anlagen! Kein Wunder, daß nach dem PJBE immer neue Ensembles allenthalben ihre goldblitzenden Instrumente schwangen und bliesen: bei uns etwa GERMAN BRASS oder BLECHSCHADEN, in Österreich PRO BRASS oder MNOZIL BRASS, das im Januar 2013 in Bayreuth des Wagner-Jahr mit seinem witzig-originellen ?Hojotoho? eröffnete.

    Nun fanden sich 2010 blutjunge Blechbläser ? sechs Trompeten, zwei Hörner, drei Posaunen, eine Tuba ? zu einem neuen Ernsemble zusammen, von denen zehn regelmäßig gemeinsam auftreten, was den Namen erklärt: 10FORBRASS. Je nach Repertoire stoßen weitere andere dazu. Die Bläser, etliche noch im Studium, einige schon mit Orchestererfahrung ? die Homepage nennt Opern- und andere Orchester etwa in Krefeld, Mönchengladbach, Dresden, Leipzig, Schwerin, Bremen, Berlin, Frankfurt, München, Hannover und mehr. Die Liste der Trompeten-, Horn- und Posaunenlehrer ist ein ?Who?s Who? der deutschen Professoren-Elite.

    Das Label GENUIN hat zu seiner Zehn-Jahres-Geburtstagsfeier dem Ensemble eine Vorstellungs-CD gewidmet, die als klingendes Porträt die Bandbreite seines heute schon perfekten Könnens präsentiert: das reicht von Gabrieli über Händel (wo die Königin von Saba einzieht), Bach (wo die Schafe sicher weiden), Mahler (welcher der Welt abhandenkam), Dukas und Schostakowitsch (die mit Fanfaren und Festouvertüren ordentlich Bläserzoff machen) bis zu Pop und Jazz (wenn Victor Young ?Stella by Starlight? feiert, Duke Ellington seine Karawane ziehen lässt oder Irving Berlin das die Reize des Ritz preist).

    Das alles kommt engagiert, jugendfrisch und hochpräzise über die Lautsprecher, auch wenn nach meinem Geschmack die Saba-Königin vielleicht ein wenig mehr Pep vertrüge. Kein Wunder, dass die junge Mannschaft ? eine Trompeterin und eine Hornistin unter den Frackmännern sorgen bestimmt für aufmerksames Hingucken ? immer mehr Konzerteinladungen erhält, dass es auch mit Chören oder mit Orgel spielt, beim Deutschen Musikwettbewerb das Finale erreicht und ein Stipendium erringt oder im Januar 2013 beim Felix Mendelssohn Bartholdy Hochschulwettbewerb den 2. Preis gewinnt. Man darf mit Spannung auf mehr von 10FORBRASS in alle Musikrichtungen Geblasenes hoffen!

    DiStep, 26.11.2013, 14:17 Uhr
    Registriert seit: 03.10.2010

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    Portrait: Werke von J. S. Bach, Berlin, Crespo u. a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
01.06.2013
EAN:

4260036252941


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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