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Dienstag, 7. Juli 2020

Parsifal - Wagner, Richard

Bereicherung fürs Wagner-Jahr


Label/Verlag: Gramola
Detailinformationen zum besprochenen Titel


In einer Weltersteinspielung präsentiert das Klavierduo Ana-Marija Markovina und Cord Garben ein echtes Highlight zum Jubiläumsjahr.

Viele namhafte Musikerkollegen haben den Lebensweg Richard Wagners gekreuzt – bekanntlich nicht alle in bedingungsloser Verehrung. Zur Fraktion seiner glühenden Anhänger gehörte Engelbert Humperdinck, der Wagner zwischenzeitlich in Bayreuth assistieren durfte. In diesen Zeitraum fielen auch die Vorbereitungen zur Premiere des 'Parsifal', anlässlich derer Humperdinck eine vierhändige, der Familie Wagner gewidmete Klaviertranskription anfertigte. Diese haben vorliegend für das Label Gramola in Koproduktion mit BR Klassik Anna-Marija Markovina und Cord Garben in einer Weltersteinspielung aufgenommen.

Kompetentes Arrangement

Unterteilt ist die Bearbeitung in zwölf thematische ‚Tonsätze‘, angefangen vom Vorspiel bis hin zur finalen Erlösung. Der Aufgabe zeigt sich Humperdinck sehr kompetent gewachsen. Schon die Schwierigkeit, die orchestrale Vielfarbigkeit des Vorspiels als ‚eines der schönsten Klangdenkmäler zum Ruhm der Musik‘ (O-Ton Claude Debussy) auf die Klaviertastatur zu übertragen, löst er glänzend. Die einzelnen Stimmen gehen in ihren klangfarblichen Dimensionen instrumenten- und raumgreifend ineinander auf und über. Auch in der Folge filtert Humperdinck in programmatisch Abschnitten mit Titeln wie 'Amfortas' oder 'Das Heiligthum' gekonnt die klangliche Essenz aus der Originalpartitur heraus und bildet in seinen Exzerpten die orchestralen Farben exzellent ab.

Farbintensives Flimmern

Optimal zur Geltung bringt die Arrangements auf dem Flügel der Bayreuther Steingraeber-Manufaktur das Duo Markovina/Garben. Vollgriffige Passagen entfalten prächtige Klangfülle, Crescendi plastische dramaturgische Wirkung. Dank hoher Intonationspräzision bleiben die übereinander geschichteten Stimmen stets bis ins Detail transparent. Untermalende Tremoli als häufiges satztechnisches Darstellungsmittel erzeugen ein farbintensives Flimmern im Diskant und eine satte Grundierung in den Bassregionen. In filigraneren Abschnitten wie 'Der Schwan', 'Die Blumenmädchen' oder 'Herzeleide' zeigen die Interpreten, zu welch sensiblen dynamischen Abstufungen in Sphären sogar zwischen Piano und Mezzopiano sie in der Lage sind. Freilich: Nicht jedes Legato lässt sich hier im Vergleich zum Original eins zu eins übertragen. Das kann und will aber – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der eigentlichen gesellschaftlichen Rolle des Klavierauszugs in der damaligen Zeit – von vornherein erst gar nicht der erklärte Anspruch einer solchen Transkription sein.

Nicht nur, weil es sich um eine Weltersteinspielung handelt, sondern weil Klaviersatz und Interpretation vom feinsten sind: Unter der Flut von Veröffentlichungen zum Wagner-Jahr mit durchaus den einen oder anderen vernachlässigbaren und nebensächlichen Beiträgen gehört diese Veröffentlichung zu denjenigen, die wirklich etwas zu sagen haben.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Parsifal: Wagner, Richard

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Gramola
1
22.04.2013
Medium:
EAN:

CD
9003643989870


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Gramola

Gramola wurde im Jahr 1924 als Detailgeschäft und Vertrieb der beiden englischen Plattenlabels „Gramola“ und „His Master’s Voice“ gegründet. Durch den damaligen Vertrieb dieser Labels ist eines der ganz wenigen, weltweit noch existierenden Originalbilder des legendären, der Stimme seines Herrn lauschenden Hundes „Nipper“ noch heute im Geschäft zu besichtigen. Das Unternehmen ist heute das älteste Tonträgergeschäft Österreichs und arbeitet inzwischen als Familienbetrieb in der fünften Generation. In internationalen Rankings um das beste Klassikfachgeschäft der Welt nahm Gramola mehrmals Spitzenränge ein. Das denkmalgeschützte Geschäftslokal in Wien am Graben wurde nach einem Jugendstilentwurf von Dagobert Peche in den frühen Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts erbaut.

Vor etwa 10 Jahren wurde bei Gramola die Produktion von Klassik-CDs wieder aufgenommen und konnte seither durch seine international vielfach ausgezeichneten Produktionen den allerhöchsten Qualitätsstandard österreichischer Musikschaffender nachdrücklich unter Beweis stellen. Gramola-CDs sind inzwischen in allen klassikinteressierten Ländern zwischen Tokyo und New York zu haben. Ergänzt wird das Gramola-Angebot durch ein Webshop, das rund um den Kalender bereitsteht, Kundenwünsche auch außerhalb regulärer Ladenöffnungszeiten zu erfüllen.


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