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Freitag, 21. September 2018

De Croes, Henri Joseph - Klarinettenkonzert

Massiv in Klang und Gestus


Label/Verlag: Aliud
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese Aufnahme, die sich dem Schaffen des Komponisten und Violinisten Henri Jeseph de Croes widmet, präsentiert zwei Welturaufführungen.

Diese Aufnahme, die sich dem Schaffen des Komponisten und Violinisten Henri Jeseph de Croes(Brüssel 1758 – Regensburg 1842) widmet, präsentiert zwei Welturaufführungen. Der aus den südlichen Niederlanden stammende Komponist war ein Zeitgenosse Haydns, Mozarts und Beethovens. De Croes‘ Klarinettenkonzert und diverse hier eingespielte Quintettstücke lassen schnell erkennen, dass der Flame zu Mozarts Zeit lebte.

Geballte Energie, hohe Ausdruckskraft und eine starke Basslinie kennzeichnet das Spiel des Orchesters. Dazu die frische, zupackende Musizierweise sowie der Drang, nach vorne zu spielen – das ist charakteristisch für das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim. Die drei Sätze 'Allegro', 'Andante' und 'Rondo' sind im Tempo ähnlich und lassen sich dementsprechend schwer im Gestus und in der Klangfarbe voneinander unterscheiden. Beim Einsetzen des Solisten reagiert das Orchester unverzüglich auf den Klarinettisten und erklingt differenzierter. Der massive und dichte Klangcharakter wird ausgedünnt sowie die Artikulation und Dynamik angepasst. Den Musikern gelingt es hervorragend, einen transparenten, spritzig leichten Klang zu schaffen und die filigranen Girlanden dieser Musik, welche deren besonderen Charme ausmachen, zu entfalten.

Dem Klarinettisten Vlad Weverbergh gelingt eine solide, technisch einwandfreie Interpretation des Konzertes. In den Kadenzen dominiert seine Virtuosität. Sein auffallend schöner Klarinettenton ist sehr dunkel und dicht. Getragen vom kernigen Klang, erklingen die Legato-Passagen sehr rund und weich. Diese Vorzüge sind in den Staccato-Passagen leider nicht feststellbar. Die spitz angestossenen Läufe im hohen Register wirken schwerfällig und verlieren die Leichtigkeit, wodurch die Süße der Musik weniger gut zur Geltung kommt.

Der zweite Satz 'Andante' kommt so flüssig daher, dass mir ein zweiter Blick auf das Booklet bestätigen musste: Das ist in der Tat ein 'Andante'. Trotzdem nimmt sich Vlad Weverbergh die Zeit, Details auszuspielen. Im direkten Übergang vom 'Andante' ins Rondo muss das Tempo nur wenig gesteigert werden. In Moll, Dur oder Modulationsabschnitten wird stets die gleiche Klangfarbe gehalten. Diese Konstanz gepaart mit den stets raschen Tempi macht es schwer, die Sätze voneinander zu unterscheiden. Es dominieren jedoch Vitalität und Spielfreude. Die Fülle und der Schwung des Orchesters scheinen den Klarinettisten durchaus anzuregen.

Eine Freude ist es, die 20 kurzen Stücke des Quintetts zu hören. Die Spielfreude der zwei Klarinetten, zwei Violen und des Kontrabasses wirkt ansteckend. Die Musik lebt vor allem durch die Agilität des Kontrabassisten, der den Motor stets am Laufen hält. Allerdings dominiert das Bassinstrument den Ensembleklang zu stark. Ansonsten kommen die Gegenstimmen gut zum Vorschein, die erste Klarinette übernimmt deutlich die musikalische Führung. Das Quintett erklingt in allen Partias homogen und überzeugt mit einer sehr organischen Interpretation. Spannung und Entspannung funktionieren in bester Abstimmung und hauchen insbesondere im 'Andante' 8 Nr. 2 und 'Allegro' 8 Nr. 1 der Musik Leben ein. Letzteres wirkt sehr anregend, da die verschiedenen Gesichter der Komposition mit der passenden Klangfarbe sowie Agogik unterstrichen werden. Die die Musiker der Quintettformation reagieren so sensibel aufeinander wie ein feinabgestimmtes Schweizer Uhrwerk.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Marina Brunner Kritik von Marina Brunner ,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    De Croes, Henri Joseph: Klarinettenkonzert

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Aliud
1
01.09.2011
EAN:

8717775550549


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Aliud

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