> > > Tanguisimo - Argentinische Gitarrenmusik: Werke von Piazzolla, Calvo, Pujol u. a.
Sonntag, 26. Juni 2022

Tanguisimo - Argentinische Gitarrenmusik - Werke von Piazzolla, Calvo, Pujol u. a.

Tango zum Träumen


Label/Verlag: Musicaphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Maximilian Mangold interpretiert Raritäten argentinischer Gitarrenmusik auf virtuose Weise.

Astor Piazzolla gilt nach wie vor als berühmtester Vertreter des Tango Argentino. Mit der Entwicklung des Tango nuevo öffnete er die traditionelle argentinische Musik gegenüber Einflüssen der europäischen Kunstmusik und des Jazz. In seinen Fußstapfen bewegen sich seit damals etliche talentierte Komponisten, die jedoch nie wirklich aus seinem Schatten traten. Auf dieser CD präsentiert der deutsche Gitarrist Maximilian Mangold neben einigen ‚Klassikern‘ aus dem Schaffen Piazzollas (1921–1992) eine Auswahl weitestgehend unbekannter Werke vier argentinischer Musiker. Virtuos und gefühlvoll interpretiert erklingen neue Facetten der Tangomusik. Einflüsse von Folk, Jazz und Fingerstyle-Techniken machen dieses Album zu einem bunten Porträt der klassischen Gitarre in Argentinien.

Dem titelgebenden Stück 'Tanguisimo' folgen zwei weitere Werke Astor Piazzollas – als erster Höhepunkt zuletzt 'La Muerte del Angel', ein berühmter Tango, der von einem Engel erzählt, welcher bei einem Messerkampf in Buenos Aires stirbt. Ursprünglich für Piazzollas Quintett konzipiert, beruft sich der Interpret auf Bearbeitungen namhafter Gitarristen. Roberto Calvos (* 1962), ein umtriebiger Komponist, Gitarrist und Dozent aus Buenos Aires, ist mit vier kleinen Werken auf dieser Aufnahme vertreten. Seine Musik lässt sich am besten als eine Fusion aus Tango und Easy-Listening-Jazz beschreiben. Nach drei nachdenklichen, verträumten Stücken freut man sich über das energiegeladene 'Encuentro'; nur die zahlreichen Wiederholungen in Calvos' Musik erscheinen überflüssig.

Máximo Diego Pujol (* 1957 in Buenos Aires) ist Liebhabern klassischer Gitarrenmusik ein Begriff, ist er als Gitarrenprofessor und Komponist doch weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. In 'Láminas del invierno' (Winterfarben) und 'Tres Piezas Rioplatenses' lässt Pujol die Gitarre in ihrem ganzen Farbenreichtum schimmern. Vor allem in den langsamen, zweiten Sätzen singt das Instrument in den Händen Maximilian Mangolds herzerweichend. In all seinen Werken ist Pujols profunde Kenntnis des Instrumentes hörbar, an einzelnen Stellen fehlt es seiner Musik jedoch an musikalischer Tiefe.

Überraschend sind die Harfenklänge in 'Como Agua' von Narciso Saul (*1957). Mangold spielt dieses Stück zusammen mit seiner langjährigen Duo-Partnerin Mirjam Schröder. Faszinierende Klangwelten entstehen in der Kombination der beiden Instrumente. Die Werke von Walter Enrique Heinze (1943–2005) weisen Einflüsse argentinischer Folklore auf, sind aber, außer dass sie nett anzuhören sind, musikalisch nicht weiter interessant. Die melancholisch-sehnsüchtige Grundstimmung des Programms wird an den richtigen Stellen gekonnt durch rhythmisch-lebendige Abschnitte durchbrochen – ganz in der Art eines typischen Piazzolla-Tangos, der vom Dualismus konträrer Stimmungen geprägt ist.

Maximilian Mangold wird mit seiner mittlerweile sechzehnten CD bei musicaphon seinem Ruf als vielseitiger Gitarrenvirtuose gerecht. Sein technisch makelloses Spiel ist reich an Klangfarben. Der klare, warme Ton wird durch die technisch lupenreine Aufnahme gut eingefangen. Trotzdem fehlt beim Zuhören der argentinischen Musik nach einer Zeit der Klangreichtum eines typischen Tango-Ensembles. Mangold interpretiert die Musik mit großem Verständnis für ihren expressiven Gehalt, manchmal fehlt jedoch das letzte bisschen Pathos, um restlos zu überzeugen.

Das optisch nicht sehr ansprechende Booklet ist mit Biographien und Werkbeschreibungen sehr informativ gestaltet – eine interessante Lektüre für den, der die porträtierten Komponisten entdecken möchte. Dass Mangold wiederholt Wikipedia als primäre Quelle angibt, steigert in keinem Fall die Seriosität seiner Informationen.

Schon aufgrund der ungewöhnlichen und interessanten Repertoirewahl und nicht zuletzt wegen der ausgezeichneten Interpretation Maximilian Mangolds ist 'Tanguisimo' eine wertvolle Ergänzung der erhältlichen Tango- sowie Gitarren-Aufnahmen. Etwas unglücklich ist der Zufall, dass bei Harmonia mundi fast zeitgleich ein Piazzolla-CD-Boxset unter dem gleichen Namen erschienen ist.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Tanguisimo - Argentinische Gitarrenmusik: Werke von Piazzolla, Calvo, Pujol u. a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Musicaphon
1
24.04.2013
Medium:
EAN:

CD
4012476569499


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Musicaphon

Ende der 50er Jahre gründete Karl Merseburger, Inhaber des Tonkunstverlages in Darmstadt, das Label CANTATE. Etwa zur gleichen Zeit rief Karl Vötterle (Bärenreiter-Verlag) in Kassel MUSICAPHON ins Leben. In beiden Fällen sollte vorrangig das jeweilige Verlagsprogramm auf Tonträgern dokumentiert werden. Nachdem Merseburger den Tonkunstverlag 1963 aufgeben mußte, übernahm Bärenreiter das Label CANTATE und führte beide gemeinsam unter dem Dach der 1965 gegründeten Vertriebsfirma "Vereinigte Schallplattenvertriebsgesellschaft Disco-Center" fort. Auf beiden Labels erschienen in den 60er und 70er Jahren bedeutende Aufnahmen. Besondere Schwerpunkte setzte Wilhelm Ehmann, Leiter der Westfälischen Kantorei in Herford, mit seinen historischer Aufführungspraxis verpflichteten Interpretationen der Werke von Heinrich Schütz. Bach-Kantaten wurden von Helmuth Rilling mit der Gächinger Kantorei und dem Figuralchor der Gedächtniskirche Stuttgart eingespielt. MUSICAPHON gewann daneben Profil mit der Veröffentlichung musikethnologischer Aufnahmen, herausgegeben von der UNESCO (Musik des Orients und Musik Afrikas) bzw. vom musikwissenschaftlichen Institut der Universität Basel (Musik Ozeaniens und Musik Südostasiens). 1994 erwarb der Musikwissenschaftler Dr. Rainer Kahleyss (Kassel) die Label, 1996 auch die Vertriebsfirma von Bärenreiter, die jetzt als "Klassik Center Kassel" firmiert. Seitdem werden auf CANTATE geistliche Musik, auf MUSICAPHON weltliche Musik vom Frühbarock bis zur Gegenwart veröffentlicht. Auch für die Rezeptionsgeschichte bedeutsame Aufnahmen der Altkataloge werden sukzessive auf CD umgestellt.


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