> > > Strauss, Richard: Don Quixote Op. 35
Mittwoch, 23. Oktober 2019

Strauss, Richard - Don Quixote Op. 35

Scheiternde Helden


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Strauss mal zwei (Teil eins): Das Gürzenisch-Orchester Köln spielt 'Till Eulenspiegel' und 'Don Quixote'. Die Interpretation überzeugt mit Detailreichtum und Tiefenschärfe.

Frech und fesch kommt dieser 'Till Eulenspiegel' daher. Das Gürzenich-Orchester Köln musiziert mit großer Leichtigkeit und offenbart, wie bei der ‚Szene‘ auf dem Markt, eine Theaterhaltung, die dem Stück bestens ansteht; Richard Strauss hatte sich lange mit dem Stoff beschäftigt und dabei auch an eine Oper gedacht. Das Orchester verrät die musikalischen Vorgänge jedoch nicht an das Programm, sondern zeigt vielmehr deren Kohärenz. Plastisch erscheint die motivische Kombinatorik. Die Ausgelassenheit ist souverän gezügelt unter dem Dirigat von Markus Stenz, Strauss erscheint hier als ein ‚Meister des kalkulierten Risikos‘ (Mathias Hansen). Strauss im Kölner Gürzenich hat Tradition: Im November 1895 besorgte das Städtische Orchester hier die Uraufführung der Sinfonischen Dichtung.

Ein Trumpf der Interpretation ist ihr Detailreichtum. Der weich phrasierte Beginn lässt an ein Augenzwinkern denken. Die Solovioline konturiert das Staccato-Glissando, als wäre nichts einfacher als das. Das Blech tönt famos, vor allem die Hörner, die Klarinette ist guter Dinge. Die Tiefenschärfe des Klangs, die Farbigkeit des Spiels bestechen ebenso wie das quicke Umschalten: Da folgen schwindelerregende Abstürze auf rasendes Aufbäumen.

Seinen 'Don Quixote' bezeichnete Strauss als ‚Satyrspiel‘. Der Kritiker Romain Rolland sah die Tondichtung an als ‚einen Fortschritt für die Technik des Komponisten, aber einen Rückschritt für seinen Geist.‘ Der Komponist wählt die Variation als Negativform. Das klangliche Umfeld verändert sich, kaum die Themen. Die Musiker binden das Illustrative geschickt ein. Die Zirkusnummer der Hammelherde in der zweiten Variation ist mit ihren Clustern bestens durchhörbar. Beim Kampf gegen die Windmühlen lässt das Orchester die vom Cello verkörperte Titelfigur auflaufen. Ein ausdrucksvolle Klage schließt sich an, zagend, doch schnell Mut fassend – Alban Gerhardt spielt das wunderbar geschmeidig, agiert sehnsüchtig im zarten Klangzauber der fünften Variation, wie überhaupt die beiden Solisten überzeugen: Denn eine genaue Artikulation und ein sprechendes Spiel beherrscht auch Lawrence Power an der Bratsche.

Luzide werden das Närrisch-Gewordene und Uneigentliche der Einleitung musiziert, die ‚Gespräche‘ der dritten Variation. Stenz stimmt die Register sensibel aufeinander ab; nur in der vierten Variation sind die Streicher zu laut, könnten die Bläser markanter sein. Bei der Büßerprozession verblüfft das Pianissimo der Bläser. Mit weichem Streicherklang gelingen die kammermusikalischen Passagen besonders gut.

Manche Episode wirkt oberflächlich (was nicht an den Interpreten liegt), das Finale hingegen ist berührende Musik. Don Quixote nimmt Abschied aus der Geschichte und vom Leben. ‚Sehr ruhig‘ schreibt Strauss vor – toll, wie es sich aussingt und verlischt. Die 'Vier letzten Lieder' klingen an, der 'Rosenkavalier' grüßt von fern.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Strauss, Richard: Don Quixote Op. 35

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Hyperion
1
15.04.2013
Medium:
EAN:

CD
034571179605


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Hyperion

Founded in 1980, Hyperion is an independent British classical label devoted to presenting high-quality recordings of music of all styles and from all periods from the twelfth century to the twenty-first. We have been described as 'Britain’s brightest record label'. In January 1996 we were presented with the Best Label Award by MIDEM's Cannes Classiques Awards. The jury was made up of the editors of most of the leading classical CD magazines in the world - Classic CD (England), Soundscapes (Australia), Répertoire (France), FonoForum (Germany), Luister (Holland), Musica (Italy), Scherzo (Spain), and In Tune (USA & Japan).

We named our label after an altogether splendid figure from Greek mythology. Hyperion was one of the Titans, and the father of the sun and the moon - and also of the Muses, so we feel we are fulfilling his modern role by giving the art of music to the world.

The repertoire available on Hyperion, and its subsidiary label Helios (Helios, the sun, was the son of Hyperion), ranges over the entire spectrum of music - sacred and secular, choral and solo vocal, orchestral, chamber and instrumental - and much of it is unique to Hyperion. The catalogue currently comprises nearly 1400 CDs and approximately 80 new titles are issued each year. We have won many awards.

Our records are easily available throughout the world in those countries served by our distributors. A list of the world's top Hyperion dealers, listed by country and city, can be found on our homepage. But if you have any difficulty please get in touch with the distributor in your territory. In Germany that is Note 1 Music Gmbh.


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