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Montag, 30. Januar 2023

Dvorak, Antonin - Sämtliche Sinfonien

Dreimal Dvorak


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dvoraks Orchesterwerke mit verschiedenen Orchestern und Dirigenten auf konstant hohem Niveau.

Die Sinfonien, 'Slawischen Tänze', Konzert-Ouvertüren und Sinfonischen Dichtungen Antonin Dvoraks sind in der Regel eingängig, fürs Publikum komponiert und gehen ins Blut. Das soll nicht heißen, dass Dvorak zu Unrecht zum musikalischen Kanon des 19. Jahrhunderts zählt. Bisweilen täuscht es aber darüber hinweg, dass sein Kompositionsstil und vor allem seine Orchestration auch Tücken aufweisen, die nicht jeder immer bewältigt. Man denke nur an die doch etwas hüftsteifen 'Slawischen Tänze' von Karajan und den Berliner Philharmonikern oder die deutlich zu schrille und scheppernde 'Karnevals-Ouvertüre' mit Giulini und dem Philharmonia Orchestra. Schuld daran mag Dvoraks Stimmführung sein, die die Violinen im Tutti-Getümmel häufig in hoher Lage bringt, was die Intonation und damit den Gesamtklang gefährdet. Hinzu kommt eine erst auf den zweiten Blick an dissonanten Reibungen nicht arme Harmonik, die im Zusammenspiel höchste Genauigkeit abfordert. Umso erstaunlicher scheint es, wenn in vorliegender 10-CD-Box, allesamt Wiederveröffentlichungen, gleich jeweils drei verschiedene Orchester und Dirigenten versammelt sind, und alle auf ihre Art und Weise mehr als überzeugen können. Bei einer interpretatorisch bunt zusammengewürfelten Kompilation wie dieser ist das sicher keine Selbstverständlichkeit.

'Slawische Tänze'

Die Ende der 80er entstandene Interpretation der 'Slawischen Tänze' opp. 46 und 72 mit John Farrer und dem Royal Philharmonic Orchestra klingt wie ein Elefanten-Ballett in einer böhmischen Fabrik um 1900: wuchtig und zugleich grazil, dröhnend und zugleich dem Ohr schmeichelnd, grob im stampfenden Tutti und zugleich melodisch sensibel in den gesanglichen Zwischenspielen. Seltsamerweise schadet der starke Hall der Aufnahme nicht, sondern verstärkt das kraftvolle Element dieser Musik ganz ausgezeichnet. Man achte nur darauf, wie das Blech hierdurch rein klanglich an Fülle gewinnt, ohne den Rest des Orchesters dabei zu verdecken. Im Tutti entfaltet der englische Klangkörper ein beinahe beängstigend großes Volumen, das aber jederzeit im Dienst des Tänzerischen steht. Farrers Sichtweise bringt das Größenwahnsinnige Dvoraks eigener Orchester-Bearbeitungen der ursprünglich für Klavier vierhändig gesetzten Tänze ideal zum Ausdruck.

Konzert-Ouvertüren und Sinfonische Dichtungen

Hinterließ das Janacek Philharmonic Orchestra unter Theodore Kuchar mit den Orchesterwerken Bedrich Smetanas teilweise einen unauffälligen Eindruck, so ist das bei den Orchesterwerken Dvoraks glücklicherweise nie der Fall. Mit wie viel Schmiss, musikantischer Lebendigkeit und hörbarer Begeisterung man hier zu Werke geht, das macht einfach nur Spaß. Dies zumal auch die heiklen Passagen in den zeitlich bisweilen ausgedehnten Einsätzern das Orchester technisch vor keine Probleme stellen, man denke an 'Das goldenen Spinnrad', die 'Sinfonischen Variationen' oder 'Der Wassermann'. Dem Klangkörper aus Brünn scheinen die Werke seines Landsmannes zu liegen, die melodischen Linien sind plastisch geformt und mit einer konstanten Natürlichkeit des Tons gespielt, die verblüfft. Selten klang Dvorak so unverbraucht.

Die Sinfonien

Tontechnisch weist die Gesamteinspielung der Sinfonien mit der Staatskapelle Berlin unter Otmar Suitner aus den späten 70ern und frühen 80ern mehr Patina auf. Doch dieser Umstand täuscht nicht über Suitners eminente Fähigkeiten als Dirigent hinweg und die Leistungen, die er als Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper zu DDR-Zeiten vollbrachte. Suitner ist heute kein allzu bekannter Name mehr, dabei war er von Mozart bis Richard Strauss eigentlich ein Alleskönner. Davon zeugen auch seine Dvorak-Einspielungen. Alleine die Sorgfalt, mit der die Berliner Staatskapelle sich dem 'Adagio' der Sinfonie Nr. 8 widmet, zeigt auf, wie feingliedrig und stilistisch individuell Dvorak komponierte und auch orchestrierte. Die Flöten zu Beginn des Satzes klangen selten so sehr nach Naturlaut. Dank Suitners Blick für die Stimmführung gelangen in den Stretta-Passagen der schnellen Sinfonie-Sätze rhythmische Verschachtelungen zum Vorschein, die bei anderen Interpretationen untergehen. Und auch hinsichtlich der Tempodramaturgie trifft man hier auf subtil gesetzte Akzente. Eine Gesamteinspielung, die auch im sinfonischen Frühwerk vor der Fünften so viele kleine Besonderheiten zutage fördert, besitzt nach wie vor Seltenheitswert. Nicht nur aufgrund dessen kann diese Dvorak-Box jedem empfohlen werden. Hinzu kommt der kleine Preis.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    Dvorak, Antonin: Sämtliche Sinfonien

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
9
17.05.2013
Medium:
EAN:

CD
5028421946719


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