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Sonntag, 5. Dezember 2021

Lucia Aliberti - Early Verdi Arias

Früher Verdi mit Reife interpretiert


Label/Verlag: Challenge Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Lucia Aliberti widmet sich Arien aus den frühen Opern Verdis mit einer ausgefeilten und reifen Interpretation, allerdings mit etwas wenig stimmlicher Frische.

Lucia Aliberti, als Primadonna des Belcanto-Repertoires mit einer souveränen Stimmbeherrschung bekannt, präsentiert eine Einspielung von Arien aus frühen Verdi Opern. Die Sizilianerin wählte für die Zusammenarbeit mit dem Orchestra Sinfonica und dem Coro Sinfonico Di Milano Giuseppe Verdi unter dem Dirigenten Oleg Caetani, erschienen bei Challenge Classics, zwölf Heroinen, deren Arien fünfzehn Jahre der musikalischen Entwicklung Verdis überspannen.

Den chronologischen Anfang bildet 'Non san quant’io nel petto'; die Arie entstammt der zweiten Oper Verdis, 'Un giorni die regno' von 1840. Der zeitliche Rahmen wird dann mit der Arie der Elena aus 'I vespri Siciliani' von 1855 geschlossen, die bemerkenswerterweise allerdings am Anfang der Aufnahme steht. Der Aufbau der Einspielung folgt so keinem chronologischen Muster, sondern verdankt sich anderen Kriterien. Aber welchen? Weder thematische noch musikalische Erklärungen lassen sich für die gewählte Reihenfolge finden. Ebenso auffällig in der Arienwahl scheint, dass zwar mit fünfzehn Jahren ein breiter Zeitraum abgedeckt wurde, doch beispielsweise Verdis erste Oper 'Oberto' nicht vertreten ist. Auch wurde auf zahlreiche Werke zwischen 'Un giorni di regno' und 'I vespri Siciliani' verzichtet, etwa die Trias 'Rigoletto', 'Il trovatore' und 'La traviata'. Diese wurden laut Booklet aufgrund ihrer Bekanntheit weggelassen, da vor allem die seltener aufgeführten Opern Verdis im Zentrum stehen sollten. So entstehen deutliche Zeitsprünge in der Repertoirewahl.

Zusätzlich dazu kommt beim Hören das Gefühl von mangelnder Vielseitigkeit auf, da die ausgewählten Arien in ihrer musikalischen Gestaltung und ihrer strukturellen Teilung in Cavatina und Cabaletta recht ähnlich sind. Im Werkzusammenhang der jeweiligen Opern mag das wirkungsvoll und durchaus beeindruckend sein, doch in einer reinen Arien-Einspielung wie im Falle der ‚Early Verdi Arias‘ fehlt so manchmal die musikalische Abwechslung. Auch das an sich tadellos gestaltete Booklet liefert dafür leider keine wirkliche Erklärung. Doch werden im hochwertigen Beiheft informative und qualitätsvolle Texte in drei Sprachen zu den Werken sowie zu den Interpreten gegeben.

Die Qualität des Booklets spiegelt sich in der musikalischen Gestaltung wieder. Orchester, Chor und Sängerin ergänzen sich dabei sehr gut und sorgen für ein stimmiges Gesamtergebnis. Vor allem das Orchestra Sinfonica Di Milano Giuseppe Verdi geht sehr sensibel auf Aliberti ein. Der Dirigent Oleg Caetani achtet durchwegs darauf, vor allem dynamisch die Sopranistin nicht zu überdecken, sodass sich das Orchester, sobald Aliberti einsetzt, zurücknimmt und eine durchsichtige Begleitung schafft. Aliberti ist den technischen Anforderungen der Partien durchwegs gewachsen zu sein. Allerdings hört man der Stimme ihr Alter durchaus an; das Ergebnis könnte insgesamt etwas frischer sein. Einerseits besticht die Sopranistin mit einer ausgefeilten und überzeugenden Interpretation der Partien, die auf ihrer jahrzehntelange Erfahrung auf den Opernbühnen basiert. So zeigt sie keinerlei Schwachstellen in Intonation, Koloraturflexibilität, Staccato-Gestaltung oder Tragfähigkeit im Piano. Andererseits scheint Aliberti aber dem Orchester in den Fortissimo-Passagen nicht immer gewachsen zu sein, da sich das Ensemble oft stark zurücknimmt, um die Sängerin nicht zu übertönen. So strahlt Aliberti zwar eine große Stimmbeherrschung aus, doch wirkt ihre Stimme leicht verbraucht, was sich an einem leicht hauchigen Klang, einem bei langen Forte-Einsätzen verlangsamten Vibrato und an einer von Zeit zu Zeit fehlenden Durchschlagskraft zeigt. Diese Aspekte sind freilich auch deswegen erkennbar, weil die Technik den Klang detailgenau abbildet.

Trotz kleiner Schwachstellen in der stimmlichen Darbietung sowie in der Arien-Zusammenstellung überwiegen dennoch die positiven Eindrücke, sodass die Gesamtleistung positiv zu bewerten ist. Challenge Classics präsentiert den frühen Verdi in einer guten Interpretation, und Aliberti ist und bleibt eine Primadonna, die besonders durch ihr Piano und Messa di voce den Hörer in ihren Bann zieht und ihre musikalische Erfahrung und Reife gekonnt einzusetzen weiß.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Lucia Aliberti: Early Verdi Arias

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Challenge Classics
1
12.04.2013
074:07
2008
Medium:
EAN:

CD
608917258929


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Verdi, Giuseppe
 - I vespri Siciliani (1855) - Mercé, dilette amiche
 - I masnadieri (1847) - Tu del mio Carlo al seno
 - I masnadieri (1847) - Carlo vive?
 - Alzira (1845) - Da Gusman, su fragil barca
 - Alzira (1845) - Nell'astro che piu fulgido
 - Attila (1846) - Allor che i forti corrono
 - Attila (1846) - Da te questo or m'è concesso
 - Aroldo (1857) - Ah! Dagli scanni eterei
 - Aroldo (1857) - Ah, dal sen di quella tomba
 - I Lombardi alla prima Crociata (1843) - Se vano é il pregare
 - I Lombardi alla prima Crociata (1843) - I vinti sorgono
 - Giovanni d'Arco (1845) - Sempre all'alba ed alla sera


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Dirigent(en):Caetani, Oleg
Orchester/Ensemble:Orchestra Sinfonica di Milano Giuseppe Verdi
Interpret(en):Aliberti, Lucia


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Challenge Classics

CHALLENGE RECORDS ist eine unabhängige Schallplattenfirma, die ihren Sitz in den Niederlanden hat. Sie setzt sich aus einer Gruppe von Musikenthusiasten zusammen, die mit großer Leidenschaft für den Jazz und die Klassische Musik internationale Produktionen kreieren.
Die Zusammenarbeit mit Künstlern wie Ton Koopman, dem Combattimento Amsterdam, dem Altenberg Trio Wien, Musica Antiqua Köln u.v.a., gibt CHALLENGE CLASSICS ein eindeutiges Profil.
Neben den inhaltlichen Schwerpunkten im Bereich der Barockmusik und der Kammermusik, finden sich auch herausragende Aufnahmen im Liedgesang, in frühklassischer Sinfonik sowie Opern und Oratorien auf DVD-Video.


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