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Samstag, 26. September 2020

Augustin Pfleger - Laudate Dominum - Geistliche Kantaten

Perlen des Barock


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die CD präsentiert die Musik Augustin Pflegers als lohnende Neuentdeckung, die einen weiteren Puzzlestein im engen Geflecht höfischer Musikkultur in Deutschland darstellt.

Augustin Pfleger (1635-1686) zählt zu den vielseitigen Barockkomponisten Mittel-und Norddeutschlands, in deren Schaffen deutsche Kontrapunkttechnik gepaart mit italienischem Instrumentalstil eine erste Blüte feierte. Sein Wirkungsraum spannte sich vom heimischen Schlackenwerth im heutigen Tschechien bis nach Schleswig-Holstein und Güstrow. Besonders an den Höfen von Dänemark und Schweden schätzte man seine Werke, weshalb sich dort einige seiner Kompositionen in den Archiven erhalten haben. Der Grund für Pflegers vielfältige Wirkstätten sind die Herzöge von Sachsen-Lauenburg, in deren Dienst Pfleger die meiste Zeit seines Lebens stand. Ihre weit verteilten Besitzungen zogen sich wie ein bunter Flickenteppich über Deutschland, wobei ein wichtiges Zentrum ihrer Macht zwischen Bremen und Lübeck lag. In Schloss Gottorf bei Schleswig schuf er eine Reihe noch erhaltener Werke, die nun auf der neuen CD von Manfred Cordes und seinem Ensemble Weser-Renaissance Bremen neu eingespielt worden sind. Die Aufnahmen entstanden im Mai 2012 am Ort ihrer Erstaufführung, der Schlosskirche von Gottorf. Ob man damit einen originalen Klang rekonstruieren konnte, sei dahingestellt. Auf jeden Fall hat die Kirche eine wunderschöne Akustik, die die intime geistliche Musik Pflegers perfekt zum Klingen bringt.

Cordes verzichtet auf eine größere Besetzung und lässt seine Musiker solistisch musizieren. So entsteht ein delikat durchhörbarer Gesamtklang, der jeder Stimme Gewicht gibt. Bei Bedarf bündelt Cordes den Klang zu prächtigem Tutti; diese Passagen sind in ihrem kontrollierten Prunk von bestechender Schönheit, beispielsweise am Schluss des 'Laetatus sum'. Die Kantate 'Heut ist Gottes Himmelreich' für zwei Soprane, zwei Tenöre, Bass sowie Streicher mit Basso continuo wechselt in schneller Abfolge zwischen eher rezitativischen Abschnitten und Ensemblesätzen. Hier wählt Cordes einen tänzerisch-beschwingten Duktus, der von den Instrumentalisten und Gesangssolisten einfühlsam umgesetzt wird. Jede Stimme ist erstklassisch besetzt. Egal, ob virtuose Läufe oder getragene Choralsätze gefragt sind, die Sänger singen durchweg mit nuancierter Stimmgebung und musikalischer Phrasierung. Die beiden Sopranistinnen Andrea Lauren Brown und Magdalena Podkoscielna sind mit ihrem strahlenden Timbre sachkundige Interpretinnen dieser Musik. Auch Jan Kobow und Mirko Ludwig passen stimmlich vollkommen zu dem von Cordes kultivierten Klangbild. Dominik Wörner (Bass) und David Erler (Alt) runden das Sextett harmonisch ab.

Von den Instrumentalisten sind Detlef Bratschke (Orgelcontinuo), Irina Kisselova und Dagmar Valentova (beide Violine) sowie das stupende Gamben-Trio von Christian Heim, Marthe Perl, und Frauke Hess zu erwähnen, die immer wieder mit elegant gestalteten Soli auffallen.

Die CD präsentiert die Musik Augustin Pflegers als lohnende Neuentdeckung, die einen weiteren Puzzlestein im engen Geflecht höfischer Musikkultur in Deutschland darstellt. So wird der musikalische Reichtum dieser Zeit deutlich, der nach den Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges eine ganze Reihe außergewöhnlicher Künstlerpersönlichkeiten hervorbrachte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Augustin Pfleger: Laudate Dominum - Geistliche Kantaten

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
cpo
1
20.04.2013
078:10
2012
Medium:
EAN:

CD
761203780129


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Pfleger, Augustin
 - Cum complerentur dies Pentecostes (Konzert auf den 1. Pfingsttag) -
 - Schauet an den Liebesgeist (Kantate auf den 2. Pfingsttag) -
 - Laudate pueri (Psalm 112) -
 - Laetatus sum (Psalm 121) -
 - Laudate Dominum (Psalm 116) -
 - In tribulatione invocavimus (Passionskonzert) -
 - Erbarm dich mein (Kantate auf den 4. Sonntag nach Trinitatis) -
 - Heut ist Gottes Himmelreich (Kantate auf den 20. Sonntag nach Trinitatis) -
 - Gott bauet selbst sein Himmelreich (Kantate auf den 5. Sonntag nach Epiphanias) -
 - Super flumina Babylonis (aus Psalm 136) -
 - Dominus virtutum nobiscum (aus Psalm 45) -
 - Ich bin ein guter Hirte (Kantate auf den Sonntag Misericordias Domini) -


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Dirigent(en):Cordes, Manfred


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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