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Sonntag, 20. Oktober 2019

Berg, Alban - Wozzeck

Zwiespältiger Eindruck


Label/Verlag: EuroArts
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Patrice Chéreau und Daniel Barenboim nahmen sich 1994 Bergs 'Wozzeck' an. Trotz einiger Stärken bleibt das Ergebnis in mancher Hinsicht blass.

Zwanzig Jahre ist sie alt, diese Live-Aufnahme aus der Staatsoper Unter den Linden. Dort brachte der im letzten Jahr verstorbene Regisseur Patrice Chéreau Alban Bergs 'Wozzeck' auf die Bühne. Daniel Barenboim stand am Pult und leitete die Staatskapelle Berlin. Im Ergebnis stehen den Stärken einige Schwächen gegenüber. Die Inszenierung präsentiert wenige Ideen, die wirklich bezwingen. Die Handlung schnurrt nur so ab – was bei der ersten abendfüllenden Oper, die nicht mehr der Tonalität verpflichtet ist, bei diesem Sujet, was überhaupt bei einem 'Wozzeck' erst einmal gelingen muss. Intellektuelle Widerhaken fehlen, keine Deutung schält sich heraus oder drängt sich auf, außer der naheliegenden, dass Wozzeck das Opfer seiner Mitmenschen ist.

Franz Grundheber gibt ihn als verstörten, gebrochenen Kerl, der über körperliche Kraft verfügt – eine schauspielerisch wie gesanglich eindrucksvolle Leistung. Waltraud Meier als Marie ist eine ebenbürtige Partnerin. Die Qualität ihrer Tongebung und Stimmbehandlung und die Expressivität ihres Gesangs zeigen sich besonders deutlich in der Arie am Beginn des dritten Akts oder darin, wie sie die schwierige Tonfolge bei ‚wie der Mond rot aufgeht!’ meistert. Wozzeck und Marie sind runde Charaktere, auch das Verhältnis zwischen Marie und dem Jungen, der hier kein Kleinkind ist, ist gut herausgearbeitet. Chéreaus Figurenführung überzeugt: in der Wirthaus-Szene zum Beispiel oder am Ende des ersten Akts, wenn Marie sich mit dem Tambourmajor (markant: Mark Baker) eine Art Zweikampf liefert, bevor sie in seinen Armen landet. Auch ist es spannend zu sehen, wie Wozzeck sich auf der Bühne bewegt; im Gespräch mit dem Doktor (Günter von Kannen) verschwindet er kurzzeitig. Graham Clark überzeichnet seinen Hauptmann zur grellen Karikatur.

Das Bühnenbild ist karg und abstrakt gehalten und wirkt trotzdem seltsam antiquiert. Verschiebbare geometrische Formen verbinden sich zu Häusern und einer Stadt, durch deren Gassen Wozzeck hetzt. Chéreau betont die Distanz zwischen den Menschen; groß ist daher die Wirkung, als er in der Mordszene Wozzeck und Marie am Wasser nebeneinander sitzen lässt. Am Schluss rennt der Junge den Kindern nicht hinterher, sondern schlägt eine andere Richtung ein und geht durch eine Tür hinaus.

Das Spiel der Staatskapelle hat Drall, ihr Klang ist sehr gut eingefangen. Wichtig ist Barenboim die gestische Qualität der Musik. Seine Deutung neigt zum Kulinarischen und gelegentlich zur Überzeichnung. Das Orchester entfaltet eine scharfe Wucht, plastisch gerät der Rasiermesser-Akkord in den Violinen. Auch das Lyrische gelingt, vor allem in den Verwandlungsmusiken. Doch scheint die Staatskapelle über manche Abgründe und Brüche hinwegzumusizieren. Insgesamt hinterlässt die Aufnahme einen zwiespältigen Eindruck; für den Rezensenten fehlt das gewisse, nicht näher beschreibbare Etwas.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
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Features:
Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Berg, Alban: Wozzeck

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
EuroArts
1
22.04.2013
Medium:
EAN:

DVD
880242667588


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EuroArts

EuroArts Music International ist im Bereich audio-visueller Klassikproduktionen eine der weltweit führenden Produktions- und Distributionsfirmen. Das 1979 gegründete Unternehmen produziert jährlich 10-15 hochwertige Klassik-Programme – darunter Konzertaufzeichnungen in aller Welt sowie aufwändige Dokumentationen.

Renommierte, preisgekrönte Programme und Events haben EuroArts Music zu einem exzellenten internationalen Ruf verholfen. Eine intensive und langjährige Partnerschaft verbindet EuroArts Music mit führenden Klangkörpern wie den Berliner Philharmonikern, dem Mariinsky Theater Orchester, dem Lucerne Festival Orchestra, der Staatskapelle Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig und vielen anderen.

Die alljährlichen Aufzeichnungen des EUROPAKONZERTs, des Waldbühnen- und Silvester-Konzerts der Berliner Philharmoniker sind erfolgreiche und weltweit etablierte Musikprojekte von EuroArts Music. Im August 2005 produzierte und übertrug EuroArts Music live das weltweit beachtete Ramallah-Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim. Im Januar 2006 produzierte EuroArts Music die erste Klassik-Live-Übertragung von Peking nach Europa (u.a. mit Lang Lang). Die weltweit einmaligen Musik-TV-Formate 24hoursBach und 24hoursMozart wurden zu zwei international erfolgreichen Musikevents dieses Unternehmens.

In 2012 wurde ein kompletter Prokofiev-Zyklus mit sämtlichen Sinfonien und Klavierkonzerten aufgezeichnet.

Seit vielen Jahren verbindet EuroArts Music eine enge Zusammenarbeit mit herausragenden Künstlern wie Daniel Barenboim, Sir Simon Rattle, Valery Gergiev, Claudio Abbado, Martha Argerich, Yuja Wang und András Schiff sowie renommierten Regisseuren Bruno Monsaingeon, Frank Scheffer und Peter Rosen. Das Ergebnis sind Gesamtaufnahmen wie „The Beethoven Symphonies“ (Abbado/Berliner Philharmoniker) und preisgekrönte Dokumentationen wie Claudio Abbado – Hearing the Silence“ oder „Multiple Identities – Encounters with Daniel Barenboim“. 2006 wurde die EuroArts Music Produktion „Knowledge is the Beginning“ mit dem International Emmy Award (Arts Programming) ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm wurde 2007 mit weiteren Preisen geehrt, darunter der FIPA D'OR Grand Prize 2007 (Kategorie „Performing Arts”) sowie als „Best Arts Documentary„ bei dem renommierten 2007 Banff World Television Festival.

Innovation und Qualität bildeten von Anfang an die Grundpfeiler der Firma. Zahlreiche internationale Auszeichnungen bestätigen dies, darunter:

Oscar® für die Koproduktion von „Journey of Hope”

Grammy Award für „Kurt Weill’s: Rise and Fall of the City of Mahagonny”

Emmy Award und ECHO Klassik für „Knowledge is the Beginning”

2 weitere ECHOs für „A Surprise in Texas” (ECHO Klassik) und

„Django Reinhardt- Three-fingered Lighnting” (ECHO Jazz)

Peabody Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

National Education Award (USA) für „Sir Peter Ustinov: Celebrating Haydn”

 

Sowie folgende Nominierungen:

 

Emmy Award für „Robbie Robertson”

Rocky und Grammy Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

 

Der Katalog von EuroArts Music umfasst rund 1.800 Musikprogramme, darunter gehören neben EuroArts Eigenproduktionen auch Programme von zahlreichen unabhängigen Produktionsfirmen.
Das in Berlin ansässige Unternehmen vertreibt seine Programme weltweit selbst. EuroArts Music gehört auch im Vertrieb von audio-visuellen Musikproduktionen (TV und DVD/Blu-ray) zu den weltweit führenden Distributoren.

Viele eigene Produktionen werden weltweit auf dem eigenen Label EuroArts als DVD und Blu-ray, sowie als digitales Produkt vermarktet.

Seit 2016 werden die physischen Produkte durch Warner Music vertrieben.


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