> > > Tea for Two - A Selection of European Delicacies: Werke von Ibert, Delius, Elgar u. a.
Donnerstag, 4. Juni 2020

Tea for Two - A Selection of European Delicacies - Werke von Ibert, Delius, Elgar u. a.

Eine gewagte Mischung


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Einzeln sind die verschiedenen Stücke dieser CD gut anzuhören, doch als Ganzes wirkt die Platte schlicht uneinheitlich.

Es ist ein merkwürdiges Potpourri, das der Dirigent Howard Griffiths mit dem Orchestra della Svizzera italiana für seine Hörer auf dieser CD zubereitet. Laut Titel soll es sich um Musik für ein tête-à-tête zum Tee handeln, doch hat die eingespielte Musik einen solch hohen Raritäts-und Seltenheitswert, dass das im Booklet beschriebene Paar sicher eher mit Staunen der Musik lauscht als Tee und Gesellschaft zu genießen. Den Auftakt macht das unkonventionelle, teils recht grelle 'Divertissement' für Kammerorchester von Jacques Ibert, das seinen Platz im Programm sicher hauptsächlich wegen des zitierten Hochzeitsmarschs im 'Cortege' hat. Ansonsten wartet die Komposition mit wenig lieblichen Klängen, dafür aber wilden Orchesterwirbeln auf.

Das Zentrum der CD bildet das Konzert für Blockflöte in G-Dur von Anton Heberle, das mit einem unerwarteten Klanggewand aufwartet. Selten hört man Blockflötenklänge in musikalischen Strukturen der Wiener Klassik. Heberle feierte seine größten Erfolge in den 1810er Jahren in Wien und Ungarn und kann als musikalischer Vertreter des Biedermeiers bezeichnet werden. Auf ihn geht angeblich auch die Erfindung der damals sehr beliebten Wanderstockflöten zurück, die es dem sonntäglichen Spaziergänger erlaubte, in der freien Natur zu musizieren. Sein Konzert für Blockflöte, Streichorchester und zwei Hörner bedient die konventionelle Tonsprache der Klassik, gemischt mit folkloristischen und barocken Elementen. Bei einem weniger qualifizierten Solisten als Maurice Steger würde das Werk sicherlich schnell ins parodistische abrutschen, doch Steger versteht es meisterlich, den Blockflötenpart mit Esprit und Virtuosität zu gestalten. In den schnellen Läufen, aber auch im getragenen zweiten Satz des Konzerts, blitzt in seiner Interpretation immer wieder schalkhafte Ironie auf, die das Ganze hörenswert macht. Aufgrund seiner klassisch geprägten Tonsprache fällt das Werk aber etwas aus dem Rahmen der anderen hier versammelten Stücke, die eine romantische Tonsprache kultivieren.

Zu den eher konventionellen Salonstücken des Programms zählen die Werke von Frederick Delius, Edward Elgar, Dmitrij Schostakowitsch und Ralph Vaughan Williams. Es sind Stücke, die man so auch in anderen Programmen zu hören bekommt. Delius‘ Komposition 'On hearing the first Cuckoo in Spring' zeichnet ein weiches, pastorales Bild des Frühlings. Elgars 'Salut d‘amour' ist in der Interpretation von Griffiths recht leise und verhalten. Er lässt die Geigen das Thema nur sehr zögerlich entwickeln und verzichtet auf aufwallende große dynamische Gesten. Von Schostakowitsch erklingt der 'Tahiti-Trott' und von Vaughan Williams die 'Fantasia on Greensleeves'. Überaus kurios ist 'The Wedding Cake' für Klavier und Streichorchester op. 76 von Camille Saint-Saëns mit Davide Cabassi als Solisten, der den Klavierpart technisch versiert und mit fein perlendem Anschlag spielt. Das 1885 entstandene Werk ist kompositorisch nicht sehr einfallsreich, doch gewinnen ihm Cabassi und das Orchester einige schöne Momente ab.

Das große Finale der CD bildet eine Sammlung von Variationen über das Lied 'Happy Birthday' von Peter Heidrich. Was diese nun mit einem ‚Tea for Two‘-Programm zu tun haben, wird im Booklet mühsam konstruiert. Die Variationen sind lustig, besonders die bemüht würdevolle im Stile Johann Sebastian Bachs oder das Happy-Birthday-'Siegfried-Idyll' nach Wagner. Hier ist Heidrich ein perfekter musikalischer Witz gelungen. Griffiths und sein Orchester spielen jede der fünf Variationen schwungvoll, so dass man gerne zuhört. Das Resümee dieser gemischten CD: Einzeln sind die verschiedenen Stücke gut anzuhören, doch als Ganzes wirkt die Platte schlicht uneinheitlich.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Tea for Two - A Selection of European Delicacies: Werke von Ibert, Delius, Elgar u. a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Berlin Classics
1
26.04.2013
Medium:
EAN:

CD
885470004266


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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