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Mittwoch, 23. Oktober 2019

Winter, Peter von - Das Labyrinth

Wie es weiterging


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Schikaneders und von Winters Oper 'Das Labyrinth' bei den Salzburger Festspielen 2012. Regie, Ensemble und Orchester können die Schwächen des Stücks zwar nicht vergessen machen - aber die Stärken herausstellen.

Emanuel Schikaneder war Autor von komischen und ernsten Stücken, Schauspieler und Sänger, Regisseur, Theaterdirektor, Geschäftsmann und, wie jeder weiß: Librettist. Im Schikaneder-Jahr 2012 führten die Salzburger Festspiele nicht nur 'Die Zauberflöte' auf, sondern auch deren Fortsetzung 'Das Labyrinth oder Der Kampf mit den Elementen' aus dem Jahr 1798 (in einer gekürzten Fassung). Schikaneder spann die Geschichte der 'Zauberflöte' fort, alle Hauptfiguren treten wieder auf. Die Verse sind rustikal, die Dramaturgie ist es auch. Pathos wabert in den Dialogen, doch auch Witz blitzt auf. In ‚Der Zauberflöte zweyter Theil‘ erscheint Sarastro ambivalenter, weil er in den Krieg zieht, um Pamina zu befreien. Nun muss auch Papageno den Prüfungsweg antreten. Er hat sich vervielfältigt; seine Eltern treten auf und viele junge Papageni. Am Ende fällt die Entscheidung zwischen Gut und Böse im Zweikampf zwischen Tamino und Tipheus, einer neuen Gestalt. Neu sind auch die Massenszenen, die Chöre singen gegeneinander an.

Die Grenzen sind klar gezogen. Hier ist weniger Märchen, mehr Realpolitik; es gibt kein Ägypten mehr und keinen Tempel. Das widerspricht der These von Manfred App, der die Partitur fand und herausbrachte: dass nämlich beide Libretti ‚sich zuinnerst bedingen‘ und unbedingt zusammengehörten, wie er im Begleittext schreibt. Dem macht natürlich auch die Musik einen Strich durch die Rechnung. Denn vor allem Mozarts Vertonung war es, die der 'Zauberflöte' ihr Enigma verlieh und Schikaneders Verse ins Ätherische hob. Da die Fortsetzung nicht Mozart vertonte, geht es hier eindimensionaler und plakativer zu.

Charme und flüchtige Wirkung

Die Musik stammt von Peter von Winter, der mit dem Singspiel 'Das unterbrochene Opferfest' berühmt geworden war. Der Vergleich mit Mozart ist so unfair wie unvermeidbar. Seine Musik hat zwar nicht dessen psychologische Tiefe und Vielschichtigkeit, aber er versteht sich auf dramatische, wenn auch flüchtige Wirkungen. Er schreibt ansprechende Arien (wie Paminas 'Freude klopft in meinem Herzen') und kräftige Chöre, die der Salzburger Bachchor kompakt darbietet. Von Winters Vertonung hat durchaus Charme. 'Das Labyrinth' war ein großer Erfolg. Vermutlich ließ Goethe von der Arbeit an seiner Fortsetzung ab, als er davon erfuhr.

Die junge Regisseurin Alexandra Liedtke und der Bühnenbildner Raimund Orfeo Voigt machen das Beste aus der flachen Bühne im Residenzhof. Mit dem ‚Maschinenzauber‘ des Librettos können sie etwas anfangen, Pamina schwebt auf einer Mondsichel in die Höhe, Donner grollt. Eine bewegliche Lichterwand, in die Tamino und Pamina hineingehen, suggeriert das titelgebende Labyrinth. Die Personenführung überzeugt, Paminas Entführung ist packend. Fantasievoll sind die Kostüme (Susanne Bisovsky, Elisabeth Binder-Neururer). Desillusionistische Momente brechen das naive Theatervergnügen auf: dann etwa, wenn Papageno und Papagena mit einer Puppenbühne spielen, wie sie als Guckkastenbühne groß vor ihnen steht.

Gutes Ensemble

Das Mozarteumorchester Salzburg unter der Leitung von Ivor Bolton spielt klar und schwungvoll auf; die Abstimmung zwischen Bühne und Graben könnte manchmal feiner sein. Christof Fischesser gibt Sarastro mit eherner Gravitas. Julia Novikovas Königin der Nacht ist eine herrschsüchtige Zicke. Mit ihrem hellen Sopran meistert Novikova Höhe und Koloraturen, ohne zu brillieren. Malin Hartelius (Pamina) singt gefühlstief ('Ach! Ich muss alleine tragen'), Michael Schade (Tamino) klingt zuweilen angestrengt. Thomas Tatzls Papageno agiert mit Wiener Zungenschlag und hat die Lacher auf seiner Seite; auch von Winter komponiert ihm eine schmissige Arie mit huschendem Quintgang in der Flöte.

Am Ende wird die besiegte Königin zwar nicht, wie von Schikaneder imaginiert, an einen Felsen geschmiedet, aber sie steht regungslos vor Schinkels Sternenhimmel – vielleicht ein Sinnbild für den bannenden Schatten, den die 'Zauberflöte' wirft, und aus dem 'Das Labyrinth' wohl kaum wird heraustreten können. Paradox gesprochen: Gäbe es Mozarts Werk nicht, wäre eine Präsenz der jüngeren Oper auf den Spielplänen (oder an deren Rand) eher denkbar.

Interpretation:
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    Winter, Peter von: Das Labyrinth

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arthaus Musik
2
15.04.2013
Medium:
EAN:

DVD
807280167795


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Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


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