> > > Franz Ignaz Danzi: Der Berggeist: Romantische Oper in zwei Akten
Freitag, 7. Oktober 2022

Franz Ignaz Danzi: Der Berggeist - Romantische Oper in zwei Akten

Neues aus der Epochen-Grauzone


Label/Verlag: Carus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dieser ‚Berggeist‘ von Franz Ignaz Danzi ist eine willkommende Gelegenheit, eine klaffende Lücke im vorromantischen Musiktheater zu schließen und sich von einem inspirierten und motivierten Ensemble überzeugen zu lassen.

Der Komponist Franz Ignaz Danzi ist der Nachwelt als Opernschaffender nicht in Erinnerung geblieben. Leider! Das beweist seine zumindest als Tondokument wiederbelebte Romantische Oper 'Der Berggeist' von 1813, eine Vertonung des zu Beginn des 19. Jahrhunderts äußerst beliebten Rübezahl-Stoffes. Danzis Oper bewegt sich stilistisch im Nachklang Mozarts, kann aber ihr Wissen um Beethoven und das Herannahen von Weber und Marschner nicht leugnen. Das bedeutet in keiner Weise, dass Danzis Musik keine eigene Sprache fände, sie tönt aber aus jener unbeachteten Grauzone zwischen den Epochen zu uns herüber, die es ihren Komponisten schwer gemacht hat, in der Musikwelt nachhaltig Fuß zu fassen und sich eine Popularität über den Tod des Autoren hinaus zu sichern. Der Ruhm zu Lebzeiten wurde später eben von Weber, Marschner und letztlich Wagner abgelöst und Danzis Bühnenwerke konnten keine fortlaufende Aufführungstradition vorweisen.

Dabei finden sich gerade im 'Berggeist' bei aller Traditionsverbundenheit Danzis und seiner Verehrung für das Musiktheater Mozarts viele konsequente Fortführungen im Bereich des Melodrams, der pantomimischen Szenen und Ensemble-Behandlung. Auch der Orchesterapparat wird mit einem sicheren Gespür für Wirkung und Effekt in seiner Farbigkeit differenziert genutzt, Geister- und Menschenwelt, Naturgewalten und ländliche Idylle sind unmittelbar erfahrbar. In der vorliegenden Ersteinspielung beim Label Carus, einem Mitschnitt aus Stuttgart vom April 2012, ist denn auch das Orchester der eigentliche Hauptdarsteller. Die Hofkapelle Stuttgart zirpt und donnert, umschmeichelt und zaubert unter der Leitung von Frieder Bernius, dass es eine Wonne ist. Dabei spürt man besonders, dass dieses Ensemble perfekt aufeinander eingespielt ist. Der Dirigent ist nie gezwungen, akademisch steife Wiederbelebung zu praktizieren. Die Musiker bleiben stets flexibel in Agogik und im ständigen Wechsel von begleitender Funktion und stimmungsbildender Dramatik. Generell pflegt Bernius einen betont eleganten Stil, der zwar vor illustrativ zupackender Geste nicht zurückschreckt, die Grenze des Schicklichen aber nie verlässt. Für eine Aufführung im szenischen Rahmen wäre hier und da vielleicht noch etwas mehr impulsive Theatralität möglich.

Stimmschön zu Lasten des Inhalts

Auch das auffallend homogene und stimmschöne Solistenensemble sowie der renommierte Kammerchor Stuttgart sind allesamt um vokale Leichtigkeit bemüht. Das dramatische Potenzial der Geschichte und der Musik wird nicht zusätzlich forciert. Das ergibt einen faszinierend schönen Klang, geht aber auch teilweise zu Lasten der inhaltlichen Auseinandersetzung. So bezaubert beispielsweise die Sopranistin Sarah Wegener als Anne mit ihrer glockenklaren, leuchtenden Sopranstimme, die sie mit bemerkenswerter Intonation und instrumentaler Raffinesse führt; ein glaubwürdiger Charakter entsteht dadurch aber nicht. Auch wenn sie um eine klare Artikulation bemüht ist, so verschleiert ihr vorbildliches Legato doch die Textverständlichkeit beispielsweise ihres Liedes im ersten Akt. Wegeners Stimme klingt ohne Zweifel seelenvoll und anrührend, von inhaltlichem Gesang kann aber keine Rede sein.

Da hilft es auch nicht gerade, dass auf eine Einspielung der Dialogpassagen verzichtet wurde. In dieser Variante passen beiden Akte knapp auf eine CD, und diese Prioritätensetzung ist auch vollkommen legitim. Dann müsste man allerdings mehr auf die theatrale Wirkung der kurzen Musiknummern achten und notfalls auch die ein oder andere klanglich schöne Gesangsphrase der sinnvollen Textausdeutung opfern. Um diese Rübezahl-Vertonung für den Hörer rein akustisch erfahrbar zu machen, bräuchte es eine deutlich bessere sprachliche Qualität.

So bleibt dem Hörer eben der Genuss des außerordentlichen Orchesters und schöner Stimmen. Colin Balzer verfügt als Rübezahl über einen kultivierten, schlanken Tenor, der sich klanglich allerdings nur wenig gegenüber den anderen Tenorstimmen der Einspielung absetzt. Als Url und als Nachtwächter glänzt Robert Buckland mit tenoraler Eleganz und Tilman Lichdi gelingt in der Partie des Heinrich als Einzigem das Kunststück, Inhalt und stimmlichen Glanz in Einklang zu bringen. Lichdi erzählt wirklich eine Geschichte, man versteht jedes Wort und man glaubt es ihm auch.

Als Jacob bringt der Bariton Daniel Ochoa die passende Klangfarbe väterlicher Sturheit und leicht polternder Großspurigkeit mit. Die Stimme ist kernig und ansprechend, leider versteht man kaum, was er zu sagen hat. Patrick Probeschin lässt als Pux mit seiner kurzen Arie aufhorchen, hat aber leider viel zu wenig zu singen, während sich Christian Immler als Konrad und Sophie Harmsen als Marthe nahtlos ins schönstimmige Ensemble einfinden. Erwähnt sie noch der Knabensopran von Vincent Frisch in der kleinen Partie des Hanns, der sich mit großer Souveränität und lupenreiner Intonation im Septett nicht zu verstecken braucht.

Dieser 'Berggeist' von Franz Ignaz Danzi ist eine willkommende Gelegenheit, eine klaffende Bildungslücke im vorromantischen Musiktheater zu schließen und sich von einem inspirierten und motivierten Ensemble überzeugen zu lassen, dass es noch viel Lohnenswertes zu entdecken gilt. Wenn man den 'Rübezahl' vielleicht auch nicht zwingend auf einer Opernbühne inszeniert sehen muss, so kann man nun doch zumindest im geschützten Privatraum die Konflikte zwischen von Geister- und Menschenreich verfolgen und sich am Ideenreichtum eines wenig beachteten Opernkomponisten freuen. Es lohnt sich – nicht nur für Raritätensammler!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Franz Ignaz Danzi: Der Berggeist: Romantische Oper in zwei Akten

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Carus
1
01.04.2013
078:37
2012
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4009350832961
8329600


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"Frieder Bernius macht seinem Ruf als Wiederentdecker unbekannter Meisterwerke der Romantik mal wieder alle Ehre: Pünktlich zum 250. Geburtstag von Franz Ignaz Danzi (1763-1826) entreißt er zusammen mit dem Kammerchor Stuttgart und der Hofkapelle Stuttgart Danzis Oper Der Berggeist der unverdienten Vergessenheit. Diese 1813 in Karlsruhe - also vor genau 200 Jahren - uraufgeführte Oper auf der Grundlage des Rübezahl-Mythos ist ein besonders bemerkenswerter Beitrag zur frühromantischen Oper in Deutschland."


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Carus

Der Name Carus steht weltweit als ein Synonym für höchsten Anspruch und Qualität auf dem Gebiet geistlicher Chormusik. Dies betrifft nicht nur unsere zuverlässigen Noteneditionen vieler zu Unrecht in Vergessenheit geratener Werke. Es ist uns ein besonderes Anliegen, gerade diese Werke - oft als Weltersteinspielungen - auch in exemplarischen Interpretationen durch hochrangige Interpreten und Ensembles auf CD vorzulegen. Der weltweite Erfolg unseres Labels führte zur Erweiterung unseres Katalogs: Neben der Chormusik, die weiterhin den Schwerpunkt des Labels bildet, haben gerade in den letzten Jahren einige Aufnahmen barocker Instrumentalwerke internationale Beachtung gefunden. Unsere Zusammenarbeit mit erstklassigen Interpreten führte zu einer hohen Klangkultur, die mit der Verleihung vieler internationaler Preise honoriert wurde (Diapason d'Or, Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Gramophone - Editor's choice).


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