> > > Siegfried und Violetta: Werke von Wagner und Verdi
Donnerstag, 28. Oktober 2021

Siegfried und Violetta - Werke von Wagner und Verdi

Geteilte Freude


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Fantastische Hornquartett-Arrangements aus Opern von Wagner und Verdi in nicht sehr hochwertigem Hörspiel-Umfeld.

Die musikalische Seite dieser Doppel-CD ist geradezu wunderbar gelungen. Allein die Idee, Ausschnitte von Wagners und Verdis Opern für eine Horn-CD zusammenzudenken, nimmt für sich ein. Die Arrangements für Hornquartett sind originell, intelligent und sehr subtil. Und die vier jungen Hornisten des Ensembles German Hornsound spielen virtuos und mit außerordentlich viel Ensemblegeist. Es sind viele feine Ausdrucksnuancen zu hören, die manch einer diesem oft vor allem für ‚romantische‘ Stimmung zuständigen Instrument vermutlich nicht zugetraut hätte.

25 Musikstücke sind zu hören, die meisten sehr kurz, einige kurios wie die Vermischung von 'Tannhäuser'-Ouvertüre und 'Forza'-Sinfonia, einige wunderbar schlicht wie die Paraphrase des 'Parsifal'-Vorspiels, alle angenehm zu hören. Besonders die Vorspiele zum zweiten Akt von 'Don Carlo' und dem vierten Akt von 'Otello' bleiben im Ohr. Hier treffen die Arrangements passgenau Verdis trauerumflorte Düsternis, die sich im Zusammenhang stets seiner rasanten Dramatik unterordnet, hier aber einmal erratisch für sich selber stehen darf. Auch die Wagner-Arrangements treffen sämtlich ins Zentrum, sei es der sechs Minuten lang (mit Hörnern!) brennend verlöschende Liebestod – als Bonustrack – oder das unheimlich differenziert vorgetragene, kleinteilig ausziselierte 'Siegfried-Idyll'. Die Instrumente sind warm und klar abgebildet. Auch der Toningenieur hat außergewöhnlich gute Arbeit geleistet. Diese schönen Miniaturen hätten wunderbar für sich stehen können.

Schon der ausufernde Titel der CD deutet daraufhin, dass das nicht so ist. Der 2012 verstorbene Schriftsteller Herbert Rosendorfer hat, zur Verbindung der Musikstücke, einen Text verfasst, der drei fiktive Begegnungen zwischen Wagner und Verdi in Venedig schildert. Das, etwas hochgestochen ‚Libretto‘ genannte, konservativ konstruierte Elaborat bereitet Bildungsbürgerwissen, versetzt mit etwas Venedig-Atmosphäre anekdotisch und vollkommen undramatisch auf. Der Text hat Passagen, von denen aus zumindest die Ränder des guten Geschmacks gut sichtbar sind, etwa wenn Verdis Kompositionsidee für 'Otello' wiederholt als ‚Schokoladenplan‘ bezeichnet wird, und ist über weite Strecken schlicht langweilig. Es erzählt ein die Komponisten beobachtender Kellner des ‚Caffè Florian‘ in Venedig. Der Autor und Journalist Karl-Dietrich Gräwe erledigt das souverän, sachlich und ein wenig blasiert. Verdi kommt überhaupt nicht zu Wort, Wagner darf mit der Stimme des renommierten Theaterschauspielers Martin Seifert fünf Sätze sächseln. Die Sprechstimmen sind extrem trocken abgemischt. Unterhaltungs-, Bildungs- oder gar Erkenntniswert von Text und Aufnahme sind denkbar gering. Wer sich dem nicht aussetzen will, kann die entsprechenden Tracks allerdings problemlos überspringen. Musikalisch ist das Produkt, wie bereits erwähnt, absolut erstklassig.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Siegfried und Violetta: Werke von Wagner und Verdi

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
2
01.05.2013
Medium:
EAN:

CD
4260036252644


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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