> > > Palestrina, Giovanni Pierluigi da: Stabat Mater a8: Vol 3
Montag, 21. September 2020

Palestrina, Giovanni Pierluigi da - Stabat Mater a8: Vol 3

Feine Kunst


Label/Verlag: Coro
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Und zwar kompositorisch wie interpretatorisch: Harry Christophers und The Sixteen mit dem dritten Teil ihrer Palestrina-Reihe.

Der historische Rang Giovanni Pierluigi da Palestrinas ist ebenso wenig bestritten wie die Qualität seiner hinterlassenen Werke. Und auch wenn das zu einer in manchen Teilen regen und angemessenen diskografischen Befassung geführt hat, sind neue Beiträge von hohem Niveau immer willkommen. So ist auch der dritte Teil der in loser Folge produzierten Palestrina-Reihe des englischen Vokalensembles The Sixteen eine weitere erfolgreiche Deutung interessanter Werke des italienischen Renaissance-Großmeisters.

Im Zentrum steht die 'Missa Regina caeli': Hier zeigt sich Palestrinas gerühmte Satzkunst geradezu klassisch gefasst, durchaus streng und formal sehr bewusst. Dennoch – auch das ist unbedingt typisch für den Stil des Komponisten – wirken die Sätze der Messe zugleich individuell inspiriert und von mildem Licht durchsonnt. Denn auch eine klarere formale Grundierung behindert Palestrinas Befähigung zur Entfaltung eines eleganten Klangstroms und fein dosierter Expressivität zu keiner Zeit.

Die hier eingespielten Hohelied-Motetten sind sehr intensiv empfunden, stimmungsvoll, getragen von lyrisch entfalteter Linearität. Ganz ähnlich ist der Befund bei den sehr frei gestalteten Offertorien für die Osterzeit. All diese Sätze atmen das Prinzip des Ebenmaßes, der ausgewogenen Behandlung der Stimmen. Das lässt jeden einzelnen Satz edel und elegant wirken, verströmt aber auch wenig charakteristische Kontur des Einzelstücks – als Ausnahme mag hier das in dieser Hinsicht bemerkenswerte Offertorium 'Terra tremuit' gelten.

Große Expertise

Harry Christophers hat mit seinem hochprofilierten Ensemble The Sixteen bewiesen, dass er im Bereich der Vokalpolyphonie auf alle ästhetischen Spielarten dieser Epoche, auf alle historischen Schwerpunkte jener Zeit einen erfahrungsgesättigten Zugriff hat, dass in vielen Bereichen gar maßstabsetzender Produktionen zu verzeichnen waren – man denke nur an die bis heute großartigen Produktionen mit älterer englischer Vokalpolyphonie, die seit den 1980er Jahren für Hyperion entstanden.

Auch bei Palestrina beweisen die hier 18 Vokalisten ihre Qualitäten: Die Register sind klar und enorm plastisch profiliert, dabei mit einer dynamischen Spanne von konzentrierter Sammlung bis zu kraftbegabten Gesten. Der Diskant weist dabei – auch das keine Novität bei Christophers – gelegentlich Schärfen auf, die aus dem kristallin klaren Ansatz hervorgehen. Doch wird das erfreulicherweise in den verhaltener gesetzten Vertonungen der Texte des Hohelieds auch entscheidend gemildert. Neben den sehr präsenten Mittelstimmen ist das bemerkenswert wirkungsvolle Bassfundament zu erwähnen: Ben Davies, Eamonn Dougan, Tim Jones und Robert Macdonald entfalten einen wahrhaft prachtvollen, für die Interpretation dieser Musik geradezu vorbildlichen Klang.

Artikulatorisch dominieren selbstverständlich die langen Linien, aber wie stets arbeitet Harry Christophers auch die kleinteiligen Impulse der Sätze plastisch heraus – dieser zur lyrischen Grundanmutung kontrastierende Aspekt ist bei The Sixteen immer vorbildlich gelöst. Intonatorisch bleiben keine Wünsche offen, auch das ist in Bezug auf dieses Ensemble keine originelle Aussage.

Das Klangbild ist groß und stimmungssatt, getragen von einem wirkmächtigen, aber doch kontrollierten Raumanteil. Die Staffelung ist sehr überzeugend geraten. Gelegentlich, bei stärker entfalteter Kraft, verdichtet sich das sonst sehr plastische Gesamtbild zu sehr.

Harry Christophers und The Sixteen setzen eine feine Reihe auf hohem Niveau fort. Der Ansatz in Bezug auf die Deutung Palestrinas ist dabei keineswegs enzyklopädisch – wie auch, angesichts der üppigen Überlieferung und so viel anderer reizvoller Musik. Aber es ist doch eine klug gewählte Zusammenstellung mit überzeugenden Beispielen der hohen Kunst Palestrinas. Der Ertrag gereicht dem Komponisten wie den Interpreten zur Ehre.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Palestrina, Giovanni Pierluigi da: Stabat Mater a8: Vol 3

Label:
Anzahl Medien:
Coro
1
Medium:
EAN:

CD
828021610622


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Coro

CORO is the lively and successful record label of Harry Christophers and The Sixteen. Formed in 2001 Coro has re-mastered, re-packaged and re-issued recordings of The Sixteen that were for a short time available on Collins Classics and now releases most of the ensemble?s new recordings. The label also features artists such as The Hilliard Ensemble, Elin Manahan Thomas and Sarah Connolly as well as a ?Live? series and young artists focus. It has recently launched the Acoustic World series of discs which epitomize CORO?s values of excellence of performance, authentic instruments, brilliance of sound and world class musicians.

Celebrated releases include Allegri?s Mierere, Tallis?s Spem in Alium and the complete Eton Choirbook Collection. More recently CORO has released brand new recordings by The Sixteen of Handel?s Coronation Anthems and Fauré?s Requiem with the Academy of St Martin in the Fields. The ensemble?s recording of Handel?s celebrated oratorio, Messiah, with an all-star soloist line-up: Carolyn Sampson, Catherine Wyn-Rogers, Mark Padmore and Christopher Purves, was awarded the prestigious MIDEM Classical Award 2009.

The Sixteen is recognised as one of the world?s greatest ensembles. Comprising both choir and period instrument orchestra, The Sixteen's total commitment to the music it performs is its greatest distinction. A special reputation for performing early English polyphony, masterpieces of the Renaissance, bringing fresh insights into Baroque and early Classical music and a diversity of twentieth-century music, is drawn from the passions of conductor and founder, Harry Christophers.

At home in the UK, The Sixteen are "The Voices of Classic FM", TV Media Partner with Sky Arts, and Associate Artists of Southbank Centre, London. The group promotes an annual series at the Queen Elizabeth Hall as well as The Choral Pilgrimage, a tour of our finest cathedrals bringing music back to the buildings for which it was written. The Sixteen has recently featured in the highly successful BBC Four television series, Sacred Music, presented by actor Simon Russell Beale.

The Sixteen tours throughout Europe, Japan, Australia and the Americas and has given regular performances at major concert halls and festivals worldwide, including the Barbican Centre - London, Bridgewater Hall - Manchester, Concertgebouw - Amsterdam, Sydney Opera House, Tokyo Opera City and Vienna Musikverein and also at the BBC Proms, the festivals of Granada, Lucerne, Istanbul, Prague and Salzburg.

Bringing together live concerts and recording plans has allowed The Sixteen to develop a glittering catalogue of releases, containing music from the Renaissance and Baroque through to great works of our time.


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