> > > Biber, Heinrich Ignaz Franz: Rosenkranz-Sonaten für Violine & Basso continuo
Sonntag, 15. September 2019

Biber, Heinrich Ignaz Franz - Rosenkranz-Sonaten für Violine & Basso continuo

Musikalisches Mysterium


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Annegret Siedel legt zusammen mit dem Ensemble Bell'arte Salzburg eine beeindruckende Neueinspielung von Bibers Rosenkranzsonaten vor. Die Doppel-CD bestichtdurch eine tiefe Auseinandersetzung mit dem Werk.

Die 'Rosenkranzsonaten' von Heinrich Ignaz Franz Biber gehören ohne Frage zu den faszinierendsten Kompositionen für Violine. Die 16 Stücke des Zyklus, bestehend aus 15 Violinsonaten mit Basso continuo und einer abschließenden Passacaglia für Violine solo bilden heute das berühmteste Werk des Komponisten. Ihr Name ergibt sich aus der Anlehnung an die 15 heiligen Mysterien des Rosenkranzgebets, daher auch die alternative Bezeichnung ‚Mysteriensonaten‘. Biber komponierte zu jedem dieser Ereignisse aus dem Leben der Jungfrau Maria und ihrem Sohn je eine Sonate – von der zu Beginn gehörten 'Verkündigung' bis hin zur 'Krönung Marias im Himmel'. Ihnen stellte er in der einzigen überlieferten Abschrift zudem einen passenden Kupferstich voran. Im ausführlichen und schön gestalteten Booklet vorliegender Produktion sind diese abgedruckt.

Kompositorisch einmalige Raffinessen

Neben dieser optischen Veredelung der Handschrift nehmen die 'Rosenkranzsonaten' vor allem durch ihre kompositorische Besonderheit eine einmalige Stellung in der Musikgeschichte ein. Für 14 der Sonaten schreibt Biber eine von den normalen Quintabständen der Saiten – g, d, a, e – abweichende Stimmung, sogenannte Skordaturen, vor. Dies führt so weit, dass in der elften Sonate mit dem Titel 'Die Auferstehung' zwei Saiten der Violine sogar überkreuzt werden müssen – ein nicht nur optischer Effekt.

Solche nur schwer zu hörenden Nuancen gilt es bei einer Interpretation herauszuarbeiten. Annegret Siedels Neueinspielung zeugt von einer intensiven Auseinandersetzung mit den Sonaten. Nicht nur, dass sie sich musikhistorisch mit dem Zyklus auseinandergesetzt hat (wie der selbst verfasste Booklet-Text beweist), auch aufführungspraktisch ist die Aufnahme etwas ganz besonderes. Insgesamt kommen auf der CD acht verschiedenen Instrumente zum Einsatz. So schafft sie es, die sonst nur schwer hörbaren unterschiedlichen Stimmungen der einzelnen Sonaten klanglich voneinander abzuheben und die subtilen Klangunterschiede zu verstärken.

Geistige Durchdringung statt romantische Sentimentalitäten

Siedel nähert sich dem Gesamtwerk von einer mehr geistigen denn emotionalen Seite. Ihr Spiel ist unaufgeregt und lässt eine barockferne Romantisierung, die man sicherlich auch in Bibers ‚mystischem‘ Werk entdecken könnte, nicht zu. Das mag mitunter kühl klingen, wird den Stücken aber nur gerecht. Denn ebenso wenig wie die Sonaten als reine Programmmusik zu verstehen sind, hütet sich Siedel vor einer allzu bildlichen – und damit potentiell plumpen – musikalischen Sprache. So hätten etwa Sonaten mit Titeln wie 'Dornenkrönung' oder 'Kreuzigung' auch deutlich leidender, bedrückender gespielt werden können. Siedel ist davon zwar weit entfernt, läuft dafür aber an keiner Stelle Gefahr, sich dem Vorwurf des allzu Sentimentalen auszusetzen. Ein tiefgründiges Werk in einer ebenso tiefgründigen Darbietung.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Simon Chlosta,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Biber, Heinrich Ignaz Franz: Rosenkranz-Sonaten für Violine & Basso continuo

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Berlin Classics
2
15.03.2013
Medium:
EAN:

CD
885470005317


Cover vergössern

Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Berlin Classics:

  • Zur Kritik... Grenzensprengend: Drei Musiker bieten Kammermusik in höchster harmonischer Vollkommenheit. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Fesselnd: Einspielungen des Cellisten Claudio Bohórquez sind vergleichbar mit einem Jahrhundert-Wein. Sie sind äußerst selten. Sie sind ausgereift. Ein Luxus, den er sich leistet. So entstehen Referenzeinspielungen. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Introvertierter Rachmaninow: Claire Huangci hat eine extrem detailfreudige und kontrollierte Interpretation aller Préludes von Rachmaninow vorgelegt. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
blättern

Alle Kritiken von Berlin Classics...

Weitere CD-Besprechungen von Simon Chlosta:

  • Zur Kritik... Maximale Massentauglichkeit: Die Pianistin Hanna Devich hat für das Label Challenge Classic elf von ursprünglich dreizehn Stücken aus Ludovico Einaudis 'Nightbook' neu eingespielt ? nur ihr ist es zu verdanken, dass die eher belanglosen Klavierstücke doch noch hörenswert sind. Weiter...
    (Simon Chlosta, )
  • Zur Kritik... Musikalische Gipfelstürmer: Das Belcea Quartett startet eine neue Reihe mit sämtlichen Streichquartetten Beethovens - eine Bereicherungfür die üppige Beethoven-Diskographie. Weiter...
    (Simon Chlosta, )
  • Zur Kritik... Nischenrepertoire: Musiker des belgischen Opernhauses De Munt legen eine Gesamteinspielung der Kammermusik César Francks vor. Die Box mit vier CDs ist zwar durchwachsen, hat aber Repertoirewert. Weiter...
    (Simon Chlosta, )
blättern

Alle Kritiken von Simon Chlosta...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Starke Crossover-Platte: Das WDR Funkhausorchester Köln serviert drei Symphonic-Jazz-Leckerbissen für Klarinette und Orchester. Weiter...
    (Manuel Stangorra, )
  • Zur Kritik... Formexperimente: Piet Kuijken bietet ein überzeugendes Plädoyer für Johann Ladislav Dussek. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Mehr als nur Tonleitern: Zwei schöne, leider fast nie aufgeführte Violinsonaten von Carl Czerny haben Kolja Lessing, Rainer Maria Klaas und Anton Kuerti auf dieser CD aufgenommen – nur ein kleiner, aber sehr interessanter Auszug aus Czernys gigantischem Oeuvre. Weiter...
    (Susanna Morper, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (8/2019) herunterladen (3670 KByte) Class aktuell (3/2019) herunterladen (8670 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich