> > > Atterberg, Kurt: Sinfonien Nr. 4 & 6
Dienstag, 16. August 2022

Atterberg, Kurt - Sinfonien Nr. 4 & 6

Brillante Orchesterleistung


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Neeme Järvi startet einen Atterberg-Zyklus. Sein Plädoyer für diesen Komponisten klingt extrem überzeugend.

Mit 81 Jahren wurde Kurt Atterberg (1887-1974) gezwungen, in den Ruhestand zu treten. Bis dahin hatte er beim schwedischen Patentamt gearbeitet und protestierte scharf gegen seine Pensionierung. Wie gut also, dass es für Komponisten keine Altersgrenze gibt. Die Werke der vorliegenden Platte allerdings komponierte Atterberg wesentlich früher, im Alter zwischen 31 und 46 Jahren.

Auch für Dirigenten gibt es keine Altersgrenze, jedenfalls nicht für die ganz großen. Neeme Järvi, inzwischen immerhin auch schon 75, scheint unermüdlich. Nach wie vor produziert er eine Platte nach der anderen, und nun hat er Orchesterwerke Kurt Atterbergs beim Label Chandos vorgelegt. Erstaunlich an dieser regen Aufnahmetätigkeit ist die Qualität der meisten Produktionen. Außerdem widmet sich Neeme Järvi dankenswerterweise immer wieder unbekanntem Repertoire und ist schon damit unter den namhaften Dirigenten eine Ausnahmeerscheinung.

Der estnische Dirigent ist für die offenbar als Beginn eines Atterberg-Zyklus konzipierten Aufnahmen ans Pult der Göteborger Symphoniker zurückgekehrt, deren Chef er von 1982 bis 2004 war. Das Orchester spielt unter seiner Leitung hervorragend, das humoristische Finale der Sechsten Symphonie Kurt Atterbergs ist eine absolut brillante Orchesterleistung, die ihresgleichen sucht. Auch sonst klingt die Balance der Instrumentalgruppen absolut vorbildlich, die Bläser, etwa im hinreißend schönen langsamen Satz der Vierten Symphonie mit wichtigen Aufgaben betraut, spielen sehr sauber und ausgewogen. So gespielt wirkt das Plädoyer Järvis und der Göteborger für Kurt Atterberg extrem überzeugend. Das Ganze ist auch noch perfekt aufgenommen, mit angenehmem, sehr transparentem Klang und scharfen, plastisch wirkenden Konturen.

Dass Atterbergs Musik – obschon es seit Jahren eine Gesamtaufnahme seiner Symphonien gibt – heute weitgehend vergessen ist, überrascht etwas. Gewann er mit seiner Sechsten Symphonie doch im Jahre 1928 einen Wettbewerb, zu dem 500 Komponisten ihre Werke einschickten. Folglich wurde seiner wegen des Preisgelds sogenannten ‚Dollarsymphonie‘ weltweite Aufmerksamkeit zuteil. Atterberg scherte sich nicht um die avantgardistischen Tendenzen des 20. Jahrhunderts (das tat übrigens der weitaus größte Teil der Komponisten nicht) und sah sich selbst als ‚Nationalklassizisten‘. Seine Musik ist leicht verständlich, kraftvoll und eingängig, zudem fasste er sich angenehm kurz: 20 Minuten dauert die Vierte Symphonie ('Sinfonia piccola'), 27 Minuten die Sechste. Die Platte enthält daher noch eine 'Värmland-Rhapsodie', die zum 75. Geburtstag der Schriftstellerin Selma Lagerlöf entstand sowie die Suite Nr. 3 für Violine, Viola und Streichorchester, hier gespielt von der Göteborger Konzertmeisterin Sara Trobäck Hesselink und dem Stimmführer der Bratschen Per Högberg.

Das Beiheft bildet mit seiner informativen Einführung das I-Tüpfelchen einer rundum gelungenen Produktion.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Atterberg, Kurt: Sinfonien Nr. 4 & 6

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Chandos
1
01.03.2013
Medium:
EAN:

SACD
095115511626


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Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


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