> > > Lechner, Leonhard: Geistliche Festmusik
Sonntag, 22. Juli 2018

Lechner, Leonhard - Geistliche Festmusik

Klangprächtige Hommage an einen fast Vergessenen


Label/Verlag: Christophorus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Ensemble Officium wirft ein hochinteressantes und vielseitiges Licht auf das Werk Leonhard Lechners.

Der in Tirol geborene Leonhard Lechner (um 1553-1606) gehört zu den zuletzt fast völlig vergessenen Tonschöpfern der Spätrenaissance. Die frühe Prägung als Knabe der Münchner Hofkapelle unter Orlando di Lasso und seine zahlreichen Auslandsaufenthalte machten ihn mit den unterschiedlichsten Formen europäischer Musikkultur bekannt - ein zweifellos vielseitiger Komponist an der Schwelle zum Frühbarock. Seinem kunstvollen Madrigalstil hat das Ensemble Officium unter der Leitung von Wilfried Rombach eine eigene CD-Produktion unter dem Namen ‚Geistliche Festmusik‘ gewidmet.

Der Name ist Programm: Im Mittelpunkt stehen meist Auftragskompositionen aus seiner Zeit als Nürnberger ‚archimusicus‘, d.h. Leiter des städtischen Musiklebens. Da steht zum einen die sechsstimmige, ganz in der venezianischen Tradition zu verortende Hochzeitsmesse 'Missa super Domine, Dominus noster', die anlässlich der Hochzeit der Tochter des Nürnberger Bürgermeisters im Januar 1582 in St. Sebald erklungen sein dürfte. In diesen Zusammenhang gehört auch die prächtige, 24-stimmige Motette 'Quid chaos', die den poetischen Dialog zwischen Amor, Chaos, Gott und den Menschen mit den Mitteln der Mehrchörigkeit opulent und groß angelegt zum Ausdruck bringt und neben 'Spem in alium' von Thomas Tallis sicher zu den monumentalsten Vokalwerken des 16. Jahrhunderts zählt.

Daneben steht eine feine Auswahl an Motetten aus 'Motectae sacrae' (1575) und die jüngst wiederentdeckten ‚Kroneborg-Motetten‘ aus dem Jahre 1583, die Lechner als musikalische Mitgift zu der Lieferung eines heillos verspäteten Brunnenbau-Auftrags des Dänischen Königs Friedrich II. für sein königliches Schloss Kroneborg komponierte. Die unmittelbar historischen Bezüge der Werke, auf die der ausführliche und hochinteressante Booklettext eingeht, sind es, die der Musik noch einmal eine besondere Note verleihen.

Dem Ensemble Officium und den Instrumentalisten der Formation Gabinetto Armonico gelingt erwartungsgemäß eine edle und klangvolle Interpretation, abschattiert mit verschiedensten Besetzungen. Dennoch bleibt der Eindruck eines leicht ermüdenden Schönklangideals, das sich über die gesamte Werkauswahl legt. Eine härtere Akzentuierung und höhere Sprachverständlichkeit hätte dem Klangbild noch eine plastischere Dimension verliehen. Vielleicht liegt der Grund auch in der sehr weich gezeichneten Abmischung der Aufnahme - sicher eine Geschmacksfrage. Keine Geschmacksfrage ist jedoch der hohe Repertoirewert der Einspielung.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Andreas Meixner Kritik von Andreas Meixner ,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Lechner, Leonhard: Geistliche Festmusik

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Christophorus
1
01.03.2013
EAN:

4010072773678


Cover vergössern

Christophorus

Christophorus ist das älteste deutsche Plattenlabel mit dem Schwerpunkt "Geistliche Musik". Es wurde 1935 gegründet, um religiöse Inhalte mittels Schallplatten und Bücher auch während des Nazi-Regimes zu verbreiten. Heute - mehr als 75 Jahre später - stehen spirituelle Themen weiterhin im Mittelpunkt des Labels, mit besonderem Interesse für unbekannte Werke und historische Interpretation. Gregorianische Gesänge, geistliche Vokalmusik, Musik der christlichen Kirchen und die Gesänge aus Taizé sind im Katalog ebenso vertreten wie Musik des Mittelalters und der Renaissance. Mit diesem Repertoire gilt Christophorus heute als eines der wichtigsten unabhängigen Labels auf dem internationalen Klassikmarkt.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Christophorus:

  • Zur Kritik... Kirchenmusikalische Tradition: Rhetorisch weitgehend sehr überzeugende Interpretationen eher unbekannter Telemann-Kantaten. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Cellosuiten für Gitarre: Nicht so dramatisch wie auf dem Cello, dafür sehr harmonisch - Bachs Cellosuiten auf der Gitarre. Dass diese Kombination viel für sich hat, beweist Tilman Hoppstocks neue Bach-CD. Ein facettenreiches Album. Weiter...
    (Sara Walther, )
  • Zur Kritik... Aparte Kombination: Jan Henning und Ernst Breidenbach gewähren mit unbekannten Werken für Kunstharmonium und Klavier einen höchst reizvollen Einblick in den französischen Salon des 19. Jahrhunderts. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
blättern

Alle Kritiken von Christophorus...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Noch ein Nilsson-Windgassen-'Tristan'? Ja!: Dieser 'Tristan' dokumentiert die junge Birgit Nilsson und den hörbar entflammten Wolfgang Windgassen in ihren Paraderollen – einige Jahre, bevor sie als Traumpaar dieses Werks in die Geschichte eingingen. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Orpheus auf dem Cembalo: Henry Purcell war auch als Meister des Cembalos eine Hausnummer. In eigensinnigen Spezialitäten wie den Hornpipes manifestieren sich musikantische Unternehmungslust und ein beweglicher Geist vielleicht am schönsten. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Klangpracht aus dem Dom von Perugia: Adriano Falcioni entfaltet die klangliche Vielfalt der Orgel des Doms von Perugia mit drei Kompositionen von Max Reger, darunter die bekannte 'Fantasie und Fuge über B-A-C-H'. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

Class aktuell (2/2018) herunterladen (3463 KByte) NOTE 1 - Mitteilungen (7/2018) herunterladen (3001 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Leopold Kozeluch: Piano Trio PJX:44 in A major - Andantino con Variazini

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich