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Sonntag, 21. Januar 2018

Lechner, Leonhard - Geistliche Festmusik

Klangprächtige Hommage an einen fast Vergessenen


Label/Verlag: Christophorus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Ensemble Officium wirft ein hochinteressantes und vielseitiges Licht auf das Werk Leonhard Lechners.

Der in Tirol geborene Leonhard Lechner (um 1553-1606) gehört zu den zuletzt fast völlig vergessenen Tonschöpfern der Spätrenaissance. Die frühe Prägung als Knabe der Münchner Hofkapelle unter Orlando di Lasso und seine zahlreichen Auslandsaufenthalte machten ihn mit den unterschiedlichsten Formen europäischer Musikkultur bekannt - ein zweifellos vielseitiger Komponist an der Schwelle zum Frühbarock. Seinem kunstvollen Madrigalstil hat das Ensemble Officium unter der Leitung von Wilfried Rombach eine eigene CD-Produktion unter dem Namen ‚Geistliche Festmusik‘ gewidmet.

Der Name ist Programm: Im Mittelpunkt stehen meist Auftragskompositionen aus seiner Zeit als Nürnberger ‚archimusicus‘, d.h. Leiter des städtischen Musiklebens. Da steht zum einen die sechsstimmige, ganz in der venezianischen Tradition zu verortende Hochzeitsmesse 'Missa super Domine, Dominus noster', die anlässlich der Hochzeit der Tochter des Nürnberger Bürgermeisters im Januar 1582 in St. Sebald erklungen sein dürfte. In diesen Zusammenhang gehört auch die prächtige, 24-stimmige Motette 'Quid chaos', die den poetischen Dialog zwischen Amor, Chaos, Gott und den Menschen mit den Mitteln der Mehrchörigkeit opulent und groß angelegt zum Ausdruck bringt und neben 'Spem in alium' von Thomas Tallis sicher zu den monumentalsten Vokalwerken des 16. Jahrhunderts zählt.

Daneben steht eine feine Auswahl an Motetten aus 'Motectae sacrae' (1575) und die jüngst wiederentdeckten ‚Kroneborg-Motetten‘ aus dem Jahre 1583, die Lechner als musikalische Mitgift zu der Lieferung eines heillos verspäteten Brunnenbau-Auftrags des Dänischen Königs Friedrich II. für sein königliches Schloss Kroneborg komponierte. Die unmittelbar historischen Bezüge der Werke, auf die der ausführliche und hochinteressante Booklettext eingeht, sind es, die der Musik noch einmal eine besondere Note verleihen.

Dem Ensemble Officium und den Instrumentalisten der Formation Gabinetto Armonico gelingt erwartungsgemäß eine edle und klangvolle Interpretation, abschattiert mit verschiedensten Besetzungen. Dennoch bleibt der Eindruck eines leicht ermüdenden Schönklangideals, das sich über die gesamte Werkauswahl legt. Eine härtere Akzentuierung und höhere Sprachverständlichkeit hätte dem Klangbild noch eine plastischere Dimension verliehen. Vielleicht liegt der Grund auch in der sehr weich gezeichneten Abmischung der Aufnahme - sicher eine Geschmacksfrage. Keine Geschmacksfrage ist jedoch der hohe Repertoirewert der Einspielung.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Lechner, Leonhard: Geistliche Festmusik

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Christophorus
1
01.03.2013
EAN:

4010072773678


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Christophorus

Christophorus ist das älteste deutsche Plattenlabel mit dem Schwerpunkt "Geistliche Musik". Es wurde 1935 gegründet, um religiöse Inhalte mittels Schallplatten und Bücher auch während des Nazi-Regimes zu verbreiten. Heute - mehr als 75 Jahre später - stehen spirituelle Themen weiterhin im Mittelpunkt des Labels, mit besonderem Interesse für unbekannte Werke und historische Interpretation. Gregorianische Gesänge, geistliche Vokalmusik, Musik der christlichen Kirchen und die Gesänge aus Taizé sind im Katalog ebenso vertreten wie Musik des Mittelalters und der Renaissance. Mit diesem Repertoire gilt Christophorus heute als eines der wichtigsten unabhängigen Labels auf dem internationalen Klassikmarkt.


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