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Donnerstag, 23. Mai 2019

Gander, Bernhard - Monsters and Angels

Rotzfrech ? und ziemlich unterhaltsam


Label/Verlag: Kairos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Label Kairos widmet dem österreichischen Komponisten Bernhard Gander erneut eine hervorragende Porträt-CD.

Dies ist nach der Produktion ‚Bunny Games‘ aus dem Jahr 2007 die zweite CD, die das Label Kairos dem Komponisten Bernhard Gander gewidmet hat. Und wie vor sechs Jahren zeigt bereits der Titel ‚Monsters and Angels‘, dass der 1969 geborene Österreicher mit seinen Vorstellungen zu jenen recht wenigen Künstlern gehört, die der Neue-Musik-Szene und ihrem sauertöpfigen Ernst das Lachen als Prinzip entgegenhalten. Rotzfrech ist das manchmal – und dabei ebenso musikalisch erfrischend wie unterhaltsam: Denn hier bricht sich eine ästhetische Haltung mit ironischem Potenzial Bahn, die sich aus einem nicht nachlassenden Interesse an Trash-, Pop- und Alltagskultur speist, aus Quellen also jenseits des eng abgezäunten Ästhetik-Ghettos, deren sich Gander mit einer ihm eigenen Mischung aus Zwanglosigkeit und strukturellem Denken bedient.

Die ebenso bunte wie musikalisch vitale, anspielungsreiche und vielseitig besetzte Werkschau hat es auf jeden Fall in sich und liefert einen prägnanten Querschnitt aus den Kompositionen der jüngeren und jüngsten Zeit. Ganz unverstellt zeigt sich Ganders Ansatz etwa in der Widmung ‚dedicated to the horror genre‘, die er seiner Komposition 'horribile dictu' für Stimmen, Streicher und Posaunen (2007) hinzugefügt hat, um sie dann auf klanglicher Ebene als Sprachgewirr zu gestalten, dessen Textgrundlage eine Collage von aneinandergefügten Passagen aus Horrorfilmen bildet. Die Neuen Vocalsolisten Stuttgart, das Ensemble Resonanz und das composers slide quartet unter Leitung von Titus Engel legen sich richtig ins Zeug, um das Werk augenzwinkernd und unter parodierendem Bezug auf Ausdrucksmittel des Horrorgenres herüberzubringen – und man dankt ihnen diesen Einsatz gern ob des plastischen Ergebnisses.

Dass der Komponist Textsplitter aus Onlineforen und Politikerinterviews jedoch ebenso behandelt, lässt sich in 'wegda! ' für Ensemble und Sopran (2011) anhand aktueller Sätze zur österreichischen Asylpolitik vernehmen: Mit ihrem zwischen Lakonik und Exaltiertheit angesiedelten Vortrag gibt die Sopranistin Ruth Rosenfeld zu den Klängen des österreichischen ensembles für neue musik unter Leitung von Titus Engel die Aneinanderreihung von Textfloskeln in einer Mischung aus Gesang und Rezitation wieder, während die Musik hierzu kräftige Akzente und Einwürfe setzt. Und die übrigen Werke stehen den Wirkungen dieser beiden Kompositionen in Nichts nach: Kraftvoll und mit Wucht agieren die Musiker des Arditti Quartet im ständig von Bewegungsverläufen durchzogenen Streichquartett 'khul' (2010), dessen Name als Permutation der Superheldenfigur Hulk zu lesen ist. Und auch in seiner Komposition 'schöne worte' für Klavier, Violine, Viola und Violoncello (2007), umgesetzt von Hsin-Huei Huang (Klavier), Irvine Arditti (Violine), Ralf Ehlers (Viola) und Lucas Fels (Violoncello), frönt Gander dem Hang zu gestenreichen Bewegungsgeflechten, die sich unter den Händen der Musiker zu schwindelerregend scharfkantigen Klangwirbeln fügen.

Den Rahmen bilden schließlich jene beiden Kompositionen, die der CD ihren Namen verleihen und zugleich die größten Besetzungen umfassen: 'dirty angel' für Akkordeon, Flügelhorn und Orchester (2010), gemeinsam dargeboten von Krassimir Sterev (Akkordeon), Anders Nyqvist (Flügelhorn) und dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter Leitung Susanna Mälkki, erweist sich als brillant instrumentiertes Stück voller Überraschungen, während 'lovely monster' für Orchester (2009), auf der Basis von Material aus dem Iron-Maiden-Song 'Number of the Beast' komponiert, vom ORF Radio-Symphonieorchester Wien unter Peter Eötvös zu einer rauschhaften Auseinandersetzung mit Rhythmen und Glissandi geformt wird. Unter solchen Bedingungen bereitet es einfach großen Spaß, diese CD zu hören: Die musikalischen Details, die gelungenen Umsetzungen, die farbigen Besetzungen und Ganders Offenheit gegenüber Anregungen unterschiedlichster Art machen die Produktion zu einem erfreulichen und sehr unterhaltsamen Neue-Musik-Juwel.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Gander, Bernhard: Monsters and Angels

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Kairos
1
15.03.2013
EAN:

9120010281846


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Kairos

KAIROS, das 1999 von Barbara Fränzen und Peter Oswald gegründete Label mit Sitz in Wien, widmet sich ausschließlich der Veröffentlichung von Werken Neuer Musik. Neben Werk- und Künstlerauswahl sind höchste Ansprüche in der Tontechnik und eine moderne Verpackung, unterstützt durch die Covergestaltung des österreichischen Malers Jakob Gasteiger, wesentlicher Bestandteil des Gesamtkonzepts.
KAIROS ist der erfüllte, der gelingende Augenblick. Mit diesem Wort benannte die griechische Antike die glückliche Übereinstimmung des Hier mit dem Jetzt, den günstigen Moment, der schicksalhaft entgegentritt und entschieden genutzt werden will.
KAIROS will jene erfüllte Zeit, die wir ?Musik? nennen, aufbewahren. Was musikalisch an der Zeit ist, heutigem Hören neue Räume und Erfahrungen öffnet, soll in Interpretationen, die den günstigen Moment ergriffen haben, für unsere Hörer gebannt werden.
Der Augenblick, und wäre er noch so schön, verweilt nicht. Aber er kann wiederkehren, und obwohl wir dann nicht mehr die selben sind, kann er uns erneut ergreifen und verwandeln. In diesem Sinn will KAIROS die Musik der Gegenwart, die unendlichen Abenteuer des Hörens, die sie bietet, der Zeitgenossenschaft zurückschenken. Damit die Gunst des Moments nicht ungenutzt vorüberzieht.
KAIROS will die Musik der Gegenwart wieder zu Musik für die Gegenwart machen. Dabei gehen wir in der Auswahl der Komponisten und ihrer Stücke keine Kompromisse ein: nur Musik, an deren Kraft und Fortbestehen wir glauben, die herausfordernde ästhetische Positionen einnimmt und neue Wege des Klangempfindens erschließt, soll in einer auf das individuelle Werk abgestimmten Aufnahmequalität präsentiert werden. Ausführliche, informative Booklets mit lesbaren Werkkommentaren und Beiträgen von Schriftstellern, die den Komponisten wahlverwandt sind, sollen nicht nur Musikkenner ansprechen sondern auch all jene neugierig machen, die neue künstlerische Entwicklungen unserer Zeit erleben wollen.
Die einzelne CD wird so zu einer Art Gesamtkunstwerk, ausgestattet mit einem Booklet, dessen Texte sich dem Nicht-Sagbaren der Musik auf essayistische, analytische und literarische Weise annähern, und in einer gleichermaßen kunstvollen wie praktikablen Box, deren Cover von dem österreichischen Künstler Jakob Gasteiger gestaltet sind. KAIROS: Musik als Wegbegleitung für den Aufbruch in neue Zeitalter.


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