> > > Telemann, Georg Philipp: Lukas Passion 1728
Donnerstag, 16. September 2021

Telemann, Georg Philipp - Lukas Passion 1728

Überzeugender Gesamteindruck


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Den Interpreten der Lukaspassion von Telemann gelingt eine hervorragende Umsetzung, die von Lebendigkeit, Spielfreude, Präzision und einem hohen Maß an Konzentration gekennzeichnet ist.

Allzu selten ist doch eine solch durchweg positive, in jeder Hinsicht überzeugende Gesamtleistung von Solisten, Chor und Orchester bei einem Mitschnitt zu bestaunen. Der Kölner Akademie, den sechs Gesangssolisten und dem Chor gelang im März 2012 während der Magdeburger Telemann-Festtage unter der künstlerischen Leitung von Michael Alexander Willen eine viel gelobte Darbietung von Georg Philipp Telemanns Lukaspassion TVWV 5:13 aus dem Jahr 1728. Der Mitschnitt wurde nun beim Label cpo veröffentlicht und bietet eine tadellose Interpretation dieser in ihrer kompositorischen Struktur und theologischen Aussage besonderen oratorischen Passion. Carsten Lange, der im Zentrum für Telemann-Pflege und -Forschung in Magdeburg arbeitet, resümiert zum Ende seiner höchst interessanten und anspruchsvollen Ausführungen im Beihefttext: ‚Sowohl im Hinblick auf die Textzusammenstellung als auch auf die musikalischen Strukturen blieb die Lukaspassion 1728 im 18. Jahrhundert ein Ausnahmewerk der Vertonung des Passionsgeschehens.‘

Mit bemerkenswerter künstlerischer Intensität und Akribie wenden sich die Interpreten dem gut einstündigen Werk zu, das voller Abwechslung steckt und dessen musikalische und textdramaturgische Dichte zum Ende stark zunimmt. Die Vokalsolisten harmonieren stimmlich gut miteinander. Alle Solisten sind durchaus erfahren auf dem Gebiet der Alten Musik und verkörpern ihre jeweilige(n) Rolle(n) sehr gut. Besonders hervorzuheben ist hier grundlegend anzutreffende Emotionalität, die in unaufdringlich-schlichter Weise vermittelt wird. Überaus sensibel ist die Stimme des Evangelisten Wolfgang Klose – zwar nicht übermäßig tragfähig, aber doch sehr ausdrucksstark wirkt der Bericht des Evangelisten Lukas. Ähnlich wirkungsvoll ist auch die Rolle des Jesus durch den Bariton Christian Hilz, der durch seine klare, offene Stimme beeindruckt. Lediglich dem Tenor Marcus Ullmann, der insgesamt vier Rollen interpretieren darf, fehlt es stellenweise an stimmlicher Flexibilität und Farbigkeit; fast zu schlicht wirkt der Gesang in der Arie 'Laß, Erlöser, deine Treue meiner Treue Zunder sein'.

Das Orchester, ein Streichensemble, das um Block- und Traversflöte, Oboe und Fagott solistisch ergänzt wird, beeindruckt durch konzentrierte Zurückhaltung im Klang, angemessene Einwürfe und eine einfühlsame Begleitung. Bemerkenswert ist das solistische Fagott im Rezitativ 'Verwegner, welch ein Hohn!'. Mit einem erstaunlich fokussierten, kraftvollen Klang und hoher Virtuosität gelingt Rainer Johannsen ein nachhaltiger Eindruck mit dem Barockfagott.

Gleichermaßen transparent und lebendig in der klanglichen Gestaltung überzeugt das Orchester während des gesamten Werkes. Ein Höhepunkt dieser Aufnahme ist in sowohl in kompositorischer wie auch in interpretatorischer Hinsicht das ‚Solo e Choro‘ in der Vorbereitung zur vierten Abteilung des Werkes: Durch eingängige Rhythmik und packende Energie im Chor und Ensemble bestätigt sich der Eindruck von Spielfreude und dem hohen künstlerischen Anspruch an Präzision und Ausdruck.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Marion  Beyer Kritik von Marion Beyer,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Telemann, Georg Philipp: Lukas Passion 1728

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
2
20.02.2013
Medium:
EAN:

CD
761203775422


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Telemann, Georg Philipp
 - Lukas Passion 1728: Der verkaufte Joseph - Der verkaufte Joseph: Recitativo - Israel, ach ! Geliebtes Vaterherz
 - Lukas Passion 1728: Der verkaufte Joseph - Der verkaufte Joseph: Aria - Allgegenwärt'ger Hort der Deinen
 - Lukas Passion 1728: Der verkaufte Joseph - Die gläubige Anwendung: Recitativo - Was Josephs Brüder hier an ihrem Bruder taten
 - Lukas Passion 1728: Der verkaufte Joseph - Die gläubige Anwendung: Aria - Laß, Erlöser, deine Treue meiner Treue Zunder sein
 - Lukas Passion 1728: Der verkaufte Joseph - Erste Abteilung: Recitativo - Es kam aber nahe das Fest der süßen Brot'
 - Lukas Passion 1728: Der verkaufte Joseph - Erste Abteilung: Choro - Wo willst du, daß wir's bereiten?
 - Lukas Passion 1728: Der verkaufte Joseph - Erste Abteilung: Recitativo - Er sprach zu ihnen
 - Lukas Passion 1728: Der verkaufte Joseph - Erste Abteilung: Choral - Herr, lass mich nicht vergessen
 - Lukas Passion 1728: Der verkaufte Joseph - Erste Abteilung: Recitativo - Doch siehe, die Hand meines Verräters ist mit mir über Tische
 - Lukas Passion 1728: Der verkaufte Joseph - Erste Abteilung: Choral - Treib, Herr, von mir und verhüte
 - Lukas Passion 1728: Der verkaufte Joseph - Erste Abteilung: Recitativo/Choro - Da aber sahen, die um ihn waren
 - Lukas Passion 1728: Der verkaufte Joseph - Erste Abteilung: Recitativo - Und einer aus ihnen schlug des Hohenpriesters Knecht


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Dirigent(en):Willens, Michael Alexander
Orchester/Ensemble:Kölner Akademie
Interpret(en):Ullmann, Marcus
Hilz, Christian
Klose, Wolfgang
Dahlmann, Thilo
Tummler, Aisha
Spogis, Raimonds


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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