> > > Gluck, Christoph Willibald: Iphigenie in Aulis & Iphigenie auf Tauris
Donnerstag, 29. September 2022

Gluck, Christoph Willibald - Iphigenie in Aulis & Iphigenie auf Tauris

Im Zeitlosen


Label/Verlag: Opus Arte
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Glucks Iphigenien-Opern sind bei Pierre Audi, Marc Minkowski und der hier aufgebotenen, erlesenen Sängerschar in den besten Händen.

Glucks Reformopern lösten einst Skandale aus. Im Jahre 1774 brach mit der Uraufführung von 'Iphigénie en Aulide' in Paris der Gluckisten-Piccinnisten-Streit aus. Hintergrund war eine mit Vehemenz geführter Streit zwischen den Anhängern der italienischen Oper und den Anhängern einer reformierten Operndramaturgie, deren Vorreiter Gluck war. Es sollte aber nicht vergessen werden, dass 'Iphigénie en Aulide' bereits das Ergebnis eines Prozesses darstellt, der zwölf Jahre zuvor in Wien begonnen hatte. In Wien hatte sich Gluck nicht viele Freunde gemacht; er setzte 20 Proben für eine Oper durch – bei einem bisherigen Standard von ca. zwei bis drei. In Paris dagegen bewunderte man ihn. Seine Opern gerieten nach seinem Tode weitestgehend in Vergessenheit. Im deutschsprachigen Raum setzte sich Mozarts Maxime, dass der Text ‚gehorsame Tochter’ der Musik zu sein habe, durch – ohne dabei die Gemeinsamkeiten von Gluck und Mozart zu beachten.

Die vorliegende Doppel-DVD verbindet Glucks erste und letzte Pariser Oper. 'Iphigénie en Aulide' wurde 1774 uraufgeführt, 'Iphigénie en Tauride' 1779. Beide Opern sind zudem inhaltlich miteinander verbunden, und so ist die vorliegende Doppel-DVD, bei Opus arte erschienen, außerordentliche spannend, zumal die Inszenierungen in einer Hand lagen und man so interessante Vergleiche anstellen kann. Die Inszenierungen datieren aus dem Jahr 2011. Regisseur Pierre Audi ist an der Nederlandse Opera eine intelligente Inszenierung gelungen. Dass es in beiden Werken um Staatsräson, verbunden mit privatem Schicksal und der menschlichen Unzulänglichkeit geht, ist offensichtlich und muss nicht noch durch eine affirmative Regie verdoppelt werden. Pierre Audis Vorgehensweise, die Handlung im Zeitlosen zu belassen und das Szenische auf das Wesentliche zu reduzieren, verdient Anerkennung. Ihm geht es auch um das Allgemeinmenschliche und den Umgang mit dem Irrationalen. Beide Opern Glucks sind ja voll von Anspielungen und Motiven. Wer als Regisseur all dies mit Erklärungen versehen möchte, ist schnell verloren. Michael Simon (Bühnenbild), Anna Eiermann (Kostüme) und Jens Kalman (Licht) haben dafür eine räumlich überzeugende und passende minimalistische Lösung gefunden.

Wenn es eines Beweises dafür bedurfte, dass die Musik Glucks überaus packend und interessant sein kann, dann liefert ihn Marc Minkowski. Er hat mit seinen Les Musiciens du Louvre die durchaus vertrackten Partituren hörbar gut einstudiert. Das allein hätte schon dafür gereicht, diese Aufnahme zu empfehlen. Dieser Dirigent scheint sich in alle Partituren, die er sich vornimmt, mit Akribie hinein zu versenken. Er verfügt über das notwendige Maß an Leidenschaft und Virtuosität, die es für eine stupende musikalische Inszenierung benötigt, verbindet dies aber gleichzeitig mit einem gerüttelt Maß an Strukturbewusstsein. Subtile instrumentale Farbschattierungen und eine geschmeidige Rhythmik, die sich am deklamatorischen Duktus zu orientierten scheint – all dies entspricht Glucks Anforderungen, die dieser in seinen theoretischen Schriften forderte.

Die Besetzung (Véronique Gens, Mireille Delunsch, Salomé Haller, Nicolas Testé, Anne Sofie von Otter, Frédéric Antouin, Marin Corent, Christian Helmer, Laurent Alvaro, Yann Beuron, Jean-François Lapointe) zeigt gesanglich keine Schwächen und agiert auch deklamatorisch sehr gut. Véronique Gens und Mireille Delunsch formen plausibel zwei unterschiedliche Iphigenien. Es ist ja auch eine Menge Zeit zwischen der Zeit der Handlung beider Opern geschehen. Hervorzuheben ist darüber hinaus Frédéric Antouin, der den Part des Achille exzellent meistert, liegt dieser doch in der gefürchteten ‚Bruchlage’, der Übergangslage zwischen Kopf- und Bruststimme. Fazit: Hier stechen nur positive Aspekte hervor, die diese beiden Inszenierungen einzigartig machen. Daher kann diese Veröffentlichung nur in die Kategorie des uneingeschränkt Empfehlenswerten eingeordnet werden.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Regie:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Gluck, Christoph Willibald: Iphigenie in Aulis & Iphigenie auf Tauris

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Opus Arte
2
04.03.2013
Medium:
EAN:

CD DVD
809478010999


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