> > > Hoffer, Wolfgang Adam: Lautenmusik
Mittwoch, 20. Oktober 2021

Hoffer, Wolfgang Adam - Lautenmusik

Silbrig-zarte Lautenklänge


Label/Verlag: NCA - New Classical Adventure
Detailinformationen zum besprochenen Titel


In längst vergangene Zeiten entführt Michael Dückers bezaubernde Aufnahme der Lautensuiten W. A. Hoffers, eines Wiener Barockkomponisten.

In der höfischen Musik des 18. Jahrhunderts spielte die Laute vornehmlich als Generalbassinstrument eine wichtige Rolle. Die berühmtesten deutschen Lautenisten Silvius Leopold Weiss, Adam Falckenhagen und Ernst Gottlieb Baron hatten bevorzugte Stellungen bei Hofe. Da viele Adelige das ‚Lautenschlagen‘ zum Zeitvertreib erlernten, fanden Lautenisten auch als Lehrer gute Anstellungen. Wolfgang Adam Anton Hoffer (vor 1707–1757) arbeitete als Lehrer einer Prinzessin in Wien; vielleicht war seine Schülerin sogar die spätere Kaiserin Maria Theresia. Er wechselte 1740 als Lautenist und Kammerdiener nach Mainz. Hoffer wirkte zur Zeit der letzten Hochblüte der Lautenmusik, gegen Ende seines Lebens verlor das Instrument schon an Popularität, um nur wenige Jahrzehnte später völlig von der Bildfläche zu verschwinden.

Der renommierte Lautenist Michael Dücker präsentiert nun auf seiner neuen CD Lautenkompositionen dieses Wiener Komponisten. In einer Co-Produktion des Deutschlandfunks mit NCA ist eine ausgezeichnete Aufnahme dieser weitestgehend unbekannten Perlen der Barockmusik entstanden.

Silbrig-zarte Klänge in tadelloser Intonation – Michael Dücker entführt auf dieser Aufnahme in eine längst vergangene Welt. Die Zeit scheint stillzustehen beim Hören dieser Musik. Mit Ruhe und viel Sinn für die kleinen Verzierungen und Galanterien präsentiert der Lautenist vier Suiten Wolfgang Adam Hoffers mit klangvollen Namen wie 'La belle Indifférente' und 'La Querelle d'amour'. Die hohe Kunst der Improvisation schimmert durch die in loser Satzfolge gehaltenen Tänze und Charakterstücke. Wie auch S. L. Weiss komponiert Hoffer in sehr idiomatischer Weise, d. h. er stellte die Laute in seiner Musik in den Vordergrund, verwendete Spieltechniken und Wendungen, die sich auf diesem Instrument besonders gut darstellen lassen. Dementsprechend spielt Michael Dücker die virtuose Musik mit eleganter Leichtigkeit. Um die verschiedenen Charaktere der Sätze deutlicher zu zeigen und Eintönigkeit zu vermeiden wäre indes ein wenig mehr Abwechslung in der Tempogestaltung wünschenswert. Dückers natürliche Art der Phrasierung und sein hohes Verständnis für historisch idiomatisches Spiel macht diese Aufnahme sowohl für Kenner Alter Musik als auch für diejenigen, die zum ersten Mal Lautenmusik hören, empfehlenswert.

Das zweisprachige Booklet dieser CD-Produktion ist außergewöhnlich reichhaltig und mit viel Aufwand gestaltet. Neben einer ausführlichen biografischen Einführung zu W. A. Hoffer ist darin überraschend eine Kurzgeschichte mit dem Titel ‚Der Überfall‘ zu finden. Der Musikwissenschaftler Horst-Dieter Radke erzählt auf spannende Weise und ohne Anspruch auf historische Wahrheit von einer Intrige, in die Hoffer unfreiwillig verwickelt wird und die mit seinem schwer nachvollziehbaren Wechsel von Wien nach Mainz zusammenhängt. So wird man unversehens in die Zeit versetzt, in der die Kompositionen entstanden und kann die CD vor dem Hintergrund dieses fiktiven, höfischen Geplänkels genießen. Eine ungewöhnliche, aber sehr unterhaltsame und kreative Idee.

In hervorragender Aufnahmequalität im Kammermusiksaal des Deutschlandfunks eingespielt, hat Michael Dücker, der schon an über einhundert CD-Produktionen mitgewirkt und mehrere Solo-CDs veröffentlicht hat, eine Referenzaufnahme für die Musik Wolfgang Adam Hoffers geschaffen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Hoffer, Wolfgang Adam: Lautenmusik

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
NCA - New Classical Adventure
1
28.03.2013
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
885150602560
60256


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"Wolfgang Adam Anton Hoffer ist eine Figur, um die sich viele Geschichten und Geheimnisse ranken und vergleichsweise wenig ist über sein Wirken bekannt. Seine Lautenkompositionen allerdings gehören zu den bedeutendsten des 18. Jahrhunderts. Eigentlich in Wien geboren, verlässt er dieses außerordentliche Musikzentrum in Richtung des Kurmainzischen Hofes, um dort eine Stelle als Kammerdiener und Lautenist anzutreten. Warum sich Hoffer von Wien nach Mainz abwerben ließ, ist nicht bekannt. In Wien war er Lehrer einer Prinzessin (möglicherweise sogar Maria Theresias), dazu k. k. Hof- Kriegskonzipist, das heißt, er war angesehen und hatte eine feste Besoldung. Zwar hat die Musikpflege am Kurmainzischen Hof in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts einige Fortschritte gemacht und näherten sich anderen Höfen wie zum Beispiel Mannheim an, aber vor allem mit Wien konnte Kurmainz trotzdem noch nicht mithalten. Der Grund für den Wechsel könnte eventuell allein in der Bestallung von 400 Gulden nebst einem Quartier auf der „Cantzley“ und dem Titel eines Kammerdieners bestanden haben. Hoffers Verpflichtung nach Mainz allerdings brach die bis dahin lange Jahre andauernde Vorherrschung des Trompetenchors und ihm gelang der Aufbau eines passablen kleinen Orchesters. Die Kompositionen Hoffers zeichnen sich durch einen sehr persönlichen Stil aus. Andere berühmte Komponisten wie z. B. Ernst Gottlieb Baron rühmten sich seiner Freundschaft, auch Silvius Leopold Weiss könnte seine Kompositionen gekannt haben. Wer Freude daran hat, der „gleichgültigen Schönen“ nachzulauschen, ist mit dieser Aufnahme auf jeden Fall gut beraten!"


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NCA - New Classical Adventure

20 Jahre NCA

Als im Jahre 1992 das Klassiklabel NCA ins Leben gerufen wurde, dachte niemand daran, dass man heute das 20-jährige Jubiläum feiern könnte. In zwei Jahrzehnten wurde ein Katalog geschaffen, der mehr als 150 Produktionen umfasst und zum Besten gehört, was die Klassik zu bieten hat.

NCA steht für neue Interpretationen bekannter Werke, steht für eine erfolgreiche Auseinandersetzung mit Musik in den verschiedensten, vielleicht auch ungewohnten Besetzungen, steht für auserlesene, oft zu Unrecht selten oder bisher noch nie eingespielte Werke in allen Stilistiken der klassischen Musik, was insgesamt zum Markenzeichen des Labels wurde und ist damit die ideale Ergänzung für den Plattenschrank eines Klassikliebhabers werden.Dabei ist selbstverständlich Grundvoraussetzung eine hohe künstlerische und technische Qualität der Einspielungen.

Bei NCA findet sich keine Trennung des Repertoires, sondern alle Einspielungen dienen gleichberechtigt dem einen Zweck, das Phänomen ?Musik? im Sinne eines Mosaiks ganzheitlich (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) entstehen zu lassen.

Viele Einspielungen aus sämtlichen Genres der klassischen Musik wurden von der Fachpresse hochgelobt und mit diversen Preisen ausgezeichnet. Viele berühmte und weltbekannte Künstler zeugen von der höchsten Qualität der Produktionen. Ein besonderes Augenmerk gilt der Förderung junger und aufstrebender Künstler, um ihnen ein Sprungbrett in die weite Welt der Klassik zu bieten.

Wenn Sie Lust auf klassische Abenteuer im besten Sinne des Wortes haben, dann sollten Sie sich NCA nicht entgehen lassen!

Klaus Feldmann
A&R Managing Director


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