> > > Mendelssohn Bartholdy, Felix: Oratorien: Paulus, Elias, Christus
Samstag, 7. Dezember 2019

Mendelssohn Bartholdy, Felix - Oratorien: Paulus, Elias, Christus

Frieders Felix


Label/Verlag: Carus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mendelssohns Oratorien unter der Leitung von Frieder Bernius: große Musik als Zeugnis großer interpretatorischer Reife.

Die unter den Händen von Frieder Bernius in den letzten Jahrzehnten entstandene Gesamteinspielung des geistlichen Chorwerks Felix Mendelssohn Bartholdys wurde zu Recht als Großtat gefeiert. 2012 erschien das sukzessive in Einzelfolgen veröffentlichte Projekt als 10-CD-Box. Als einziges nicht darin enthalten waren die zwei Oratorien 'Paulus' op. 36 und 'Elias' op. 70 sowie der Fragment gebliebene 'Christus' op. 97. Ein Jahr später werden diese nun in einer gut ausgestatteten 4-CD-Box nachgereicht. Das Booklet enthält ausführliche Einführungstexte des Mendelssohn-Spezialisten R. Larry Todd, dazu die Libretti in deutscher und englischer Sprache, auf den vier schön gestalteten CD-Papphüllen finden sich detaillierte Angaben zu Stücken und Besetzung. Letztere kann sich hören lassen: Michael Volle gibt in beiden Oratorien den prophetischen Protagonisten, Werner Güra die männlichen Nebenfiguren. Im 'Paulus' versieht María Cristina Kiehr die Sopranpartie, im 'Elias' Letizia Scherrer, hinzu tritt Renée Morloc. Ebenso gut besetzt sind die weiteren Ensemble-Stücke. Die Rezitative im 'Christus'-Fragment versieht Christoph Prégardien. Durchweg vertreten ist der von Bernius gegründete Stuttgarter Kammerchor. Im 'Elias' spielt die Klassische Philharmonie Stuttgart, im 'Paulus' die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen.

'Zion streckt ihre Hände aus, doch da ist niemand, der sie tröstet'

Es gibt vieles an diesen Aufnahmen zu loben: die Klangkultur, die vokalen solistischen Leistungen, das Gespür für Klangfarben, die Ausgewogenheit in der Fokussierung auf sowohl polyphone Strukturen als auch kantable Linien, die Bündelung orchestraler und chorischer Kräfte zu einem strahlenden, gut durchhörbaren Ganzen, die Abgeklärtheit und zugleich Expressivität des Zugriffs, die Natürlichkeit der Ausführung, das transparente Klangbild. Schon zu Beginn des 'Elias' macht sich bemerkbar, dass Bernius weniger auf instrumentale Gespanntheit als auf Klarheit und wunderbar ausgehörte Farben setzt. Das im Anschluss an die Ouvertüre einsetzende 'Hilf Herr! ' klingt gleichwohl markerschütternd, wie überhaupt der erste Teil des Oratoriums, in dem alles organisch aufeinander folgt, die Stärken der Interpretation mustergültig herausstellt. Zwar wirkt die weniger stark besetzte Kammerphilharmonie Bremen im 'Paulus' auch weniger weich im Klang, dafür wendiger und agiler in der Phrasierung, während die Klassische Philharmonie Stuttgart den farbenreicheren und sinfonischeren Eindruck hinterlässt.

Dass Bernius zweimal auf modernem Instrumentarium bei historisierender Spielweise musizieren lässt, ist jedoch ein Umstand, in dem sich der hier im besten Sinne historistisch angereicherte Kompositionsstil Mendelssohns spiegelt. Vor allem im 'Elias' würde man aufgrund des spezifischen Streicherklanges zunächst kaum glauben, dass hier ein modernes Sinfonieorchester spielt. Der auf allen Ebenen musikalische Gestus im Geiste Händels und J. S. Bachs, getragen von Mendelssohns romantischer Sichtweise, gelangt so interpretatorisch perfekt zur Geltung. Über allen Zweifel erhaben ist der auf romantische Chormusik spezialisierte Kammerchor Stuttgart. Von den mit viel Wärme vorgetragenen Choralpartien über die notorisch aufgewühlte Volksmasse Israels bis zu den theatralischen Szenen mit einzelnen Stimmgruppen, hier wird bis ins kleinste Detail differenziert vorgegangen, einen derart abgerundeten, souveränen Chorklang hat man selten.

'Baal, erhöre uns!'

Das sängerische Profil Michael Volles erstreckt sich von Hagen-gleicher Schwere ('Greift die Propheten Baals […] und schlachtet sie daselbst! ') bis zu emotionaler Anrührung ('Ich habe genug'). Werner Güra hat es als unterstützender Jünger ein wenig leichter, doch auch seine Leistungen strotzen vor Vielfalt und deklamatorischer Klarheit; herausgegriffen an großen Momenten sei nur die Cavatine aus dem 'Paulus'. María Cristina Kiehr, Renée Morloc und Letizia Scherrer bewegen sich auf gleichem Niveau. Insgesamt lässt sich kaum etwas finden, das zu beanstanden wäre. Höchstens die 'Christus'-Fragmente weichen etwas ab, da die Mitglieder der Bamberger Symphoniker traditioneller vorgehen, vokal aber ändert sich vom hohen Niveau her nichts.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mendelssohn Bartholdy, Felix: Oratorien: Paulus, Elias, Christus

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Carus
4
01.03.2013
Medium:
EAN:

CD
4009350830219


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Carus

Der Name Carus steht weltweit als ein Synonym für höchsten Anspruch und Qualität auf dem Gebiet geistlicher Chormusik. Dies betrifft nicht nur unsere zuverlässigen Noteneditionen vieler zu Unrecht in Vergessenheit geratener Werke. Es ist uns ein besonderes Anliegen, gerade diese Werke - oft als Weltersteinspielungen - auch in exemplarischen Interpretationen durch hochrangige Interpreten und Ensembles auf CD vorzulegen. Der weltweite Erfolg unseres Labels führte zur Erweiterung unseres Katalogs: Neben der Chormusik, die weiterhin den Schwerpunkt des Labels bildet, haben gerade in den letzten Jahren einige Aufnahmen barocker Instrumentalwerke internationale Beachtung gefunden. Unsere Zusammenarbeit mit erstklassigen Interpreten führte zu einer hohen Klangkultur, die mit der Verleihung vieler internationaler Preise honoriert wurde (Diapason d'Or, Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Gramophone - Editor's choice).


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