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Freitag, 25. September 2020

Kubelik, Rafael - Complete Masterpieces

Rafael Kubelík: Eine Box für Entdecker


Label/Verlag: Membran
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Auf zehn CDs bringt Membran frühe Aufnahmen des tschechischen Dirigenten Rafael Kubelík heraus, die besonders wegen der Solisten Solomon und Ida Haendel unendlich eindrucksvoll sind.

Das Wunderbare an Budget-CD-Boxen, die weitgehend mit rechtefreien historischen Aufnahmen gefüllt sind, ist, dass man großartige Dinge entdecken kann. So auch im Fall dieser ‚Complete Masterpieces‘-Ausgabe von Membran, deren zehn CDs dem Dirigenten Rafael Kubelík (1914-1996) gewidmet sind. Da findet sich z.B. Brahms‘ Klavierkonzert Nr. 1 d-Moll mit dem Solisten Solomon, 1952 mit dem Philharmonia Orchestra aufgenommen. Die Wiedergabe ist so majestätisch, poetisch und überwältigend, dass ich beim Anhören wirklich weiche Knie bekam und dachte: Das Stück kann man nicht schöner spielen als hier! Besonders das 'Adagio' ist himmlisch schön.

Einen ähnlichen Überwältigungseffekt erlebte ich mit der 1948er Aufnahme von Max Bruchs Violinkonzert g-Moll, ebenfalls mit dem Philharmonia Orchestra und Solistin Ida Haendel. Dieser passionierte Ton, diese singenden Portamenti, diese schier explosive Energie der Geigerin (die David Garrett offiziell als seine Lehrerin angibt): Das ist wirklich atemberaubend. Für mich waren speziell diese beiden Aufnahmen Kostbarkeiten für die einsame Insel.

In beiden Fällen ist die Aufnahmequalität hervorragend, was auch für die wunderbar entspannte Einspielung von Dvořáks Sinfonie Nr. 9 (‚Aus der neuen Welt‘) gilt, die 1951 mit dem Chicago Symphony Orchestra in Topform entstand. Sie ist weniger aggressiv-drängend als etwa die neue Aufnahme mit Andris Nelsons (BR Klassik), die ich parallel gehört habe; aber gerade dieses Ruhige und Souveräne Kubelíks machte auf mich beim wiederholten Anhören den bleibenderen Eindruck. Gleiches gilt – um nur ein anderes Highlights zu nennen – für Smetanas 'Mein Vaterland' mit dem Chicago Symphonie Orchestra, diesmal von 1952.

Wo genau diese Aufnahmen herkommen, wird in der CD-Box ohne Booklet nicht erklärt. Ich hätte mir da mehr Infos gewünscht. Denn nicht alle Aufnahmen sind von so hervorragender Klangqualität, wie die gerade erwähnten. Mahlers Fünfte Sinfonie mit dem Concertgebouw Orkest Amsterdam aus dem Jahr 1951 hat beispielsweise ein derart starkes Hintergrundrauschen, dass die Aufnahme nicht konkurrenzfähig ist – u.a. gegenüber Kubelíks eigenen späteren Aufnahmen der Symphonie.

Was einen in der Intense-Media-Überraschungskiste am meisten interessiert, hängt selbstredend vom persönlichen Geschmack ab. Es gibt auch eine Erste Symphonie von Mahler mit den Wiener Philharmonikern (1954), zwei Symphonien von Bohuslav Martinů und der Tschechischen Philharmonie (1948/50), die auch Janáčeks 'Sinfonietta' spielen (1955), man kann sich an Schönbergs 'Fünf Orchesterstücken' und Mussorgskys 'Bildern einer Ausstellung' erfreuen (Chicago Symphony Orchestra, 1951), an Mozarts ‚Prager‘ Symphonie und Ouvertüren mit dem Philharmonia Orchestra (1952) und, und, und. Manches ist recht merkwürdig remastert, beispielsweise die Mozart-Ouvertüren, die einen seltsamen Echo-Effekt haben, der besonders in den Pausen auffällt ('Don Giovanni'). Aber das ist letztlich überhörbar, weil das Holzbläserspiel und der elegante Gesamtklang doch eindrucksvoll genug sind, um solche technischen Mängel zu verzeihen.

Offensichtlich sind alle Aufnahmen entstanden, kurz nachdem Kubelík die Tschechoslowakei 1948 verlassen hatte und als junger Dirigent ohne eigenes Orchester durch die Welt tourte, und lange bevor er 1961 Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks wurde. Die hier enthaltenen Aufnahmen der Mahler-Symphonien Nr. 1 und 5 sind also auch Zeugnis einer früheren Beschäftigung mit dem Komponisten, bevor der berühmte Gesamtzyklus in den 60er Jahren in München entstand. Überhaupt hat Kubelík ja viele der Werke in dieser Box später nochmals aufgenommen, speziell das tschechische Repertoire (Dvořák, Janáček etc.). Ich wage aber zu bezweifeln, dass er später nochmal Solisten vom Kaliber eines Solomon oder einer Ida Haendel gefunden hat. Wie gesagt, deren Einspielungen in dieser Sammlung sind Einsame-Insel-Aufnahmen, die allein schon die Anschaffung der Budget-Box rechtfertigen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Kubelik, Rafael: Complete Masterpieces

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Membran
10
22.02.2013
565:15
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4053796000385
600038


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"Musik ist meine Heimat . Der tschechische Dirigent Rafael Kubelík gilt als einer der größten Dirigenten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Diese Zusammenstellung enthält herausragende Aufnahmen aus den Jahren 1948 bis 1959 mit Orchestern, die in seiner künstlerischen Arbeit jener Jahre eine besondere Rolle gespielt haben: die Tschechische Philharmonie, das Chicago Symphony Orchestra sowie die Wiener Philharmoniker, das Philharmonia Orchestra und das Royal Philharmonic Orchestra. Kubelik war in der Musik seiner Heimat fest verwurzelt und die Komponisten der böhmisch-mährischen Tradition wie Janá ek, Smetana, Dvorak, Martinu lagen ihm besonders am Herzen. Zu hören sind u.a. Smetanas Zyklus 'Mein Vaterland', in dem sich das tschechische Nationalgefühl konzentriert wie in keinem anderen Musikwerk, und Dvo áks Sinfonie 'Aus der neuen Welt'. Kubelik war ein großer Verehrer Gustav Mahlers und ein Pionier der Mahler-Interpretation. In einem Interview sagte er: 'Mahler ist ein Komponist, wenigstens für mich, der das stärkste Herz vielleicht unter den Komponisten hat', so Kubelik in einem Interview. Die vorliegenden frühen Tondokumente belegen eindrucksvoll, dass er zu Recht als einer der ganz großen Mahler-Interpreten in die Musikgeschichte eingegangen ist. Kubelík war auch ein engagierter Streiter für die musikalische Avantgarde seiner Zeit: 'Man kann nicht Beethoven lieben, wenn man nicht weiß, dass es im 20. Jahrhundert Hindemith gibt, und wir können Bach nicht ganz verstehen, wenn wir keine Musik von Schönberg kennen', lautete seine Überzeugung. Kompositionen von Schönberg und Hindemith stehen in dieser Kompilation neben Werken von Brahms, Mendelssohn, Mussorgsky, Bartók und Bruch. "


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Membran

Die Hamburger Vertriebs- und Entertainment Gruppe

Membran, ursprünglich als Tonträger-Einzelhandelskette mit über 30 Shops 1968 gegründet, ist ein internationaler etablierter und Industrie-unabhängiger Musikvertrieb. 2010 richtet Membran seine Strategien neu aus und expandiert zur Membran Entertainment Gruppe.

Ansässig in der Medienstadt Hamburg, konnte Membran seit der Gründung 1968 seine Services beständig ausbauen: Vom Musikvertrieb mit A&R Management, Konzeption und Produktion über das Lizenz- und Rechte-Management von Musik- und Filmtiteln, über Buchverlag und Buchhandel, zum Digitalvertrieb und als Vertriebspartner vieler internationaler Labels: der independent Vertrieb ist mit seinen Katalogen und Produktionen weltweit tätig.

Über 40 Mitarbeiter entwickeln ständig neue Medienprodukte, Einzel und Sammel-Editionen aus einem mittlerweile über 10.000 Artikel umfassenden aktiven Katalog. Für die Auswertung über die gesamte Bandbreite an Medienformaten kann das Unternehmen auf einen Lizenz- und Rechte Pool mit über 250.000 Titeln zurückgreifen.

Produkte und Kataloge eigener sowie renommierter Label wie Ars Musici, NCA, Nuova Era, Documents, Classico, Motema oder Must Have Jazz erreichen die Endkunden weltweit direkt oder über internationale Handelspartner.

Die Labels aus dem Hause Membran bieten Produktionen in allen Musikrichtungen und Preisklassen. Man findet Jazz, Klassik, Pop, Rock, HipHop und Schlager und ein breites Spektrum an Genre-Kopplungen sowie ausgesuchte Buchprodukte und Sammel-Editionen.

Vor allem spezialisiert ist Membran im Klassikbereich und hat mit Labels wie NCA - New Classical Adventure und Nuova Era in diesem Segment eine führende Rolle. Es werden hochwertige und seltene Werke geboten, und neue Talente etabliert.

Für ihre Produktionen wurde die Membran Gruppe bereits mehrfach ausgezeichnet. So erhielten sie zweimal den LEOPOLD  Medienpreis des Verbandes deutscher Musikschulen und für Beethovens Streichquartette, eingespielt von dem Leipziger Gewandhaus-Quartett, den Jahrespreis 2004 beim Preis der deutschen Schallplattenkritik, wo sie mit weiteren Titeln die Bestenliste erreichten.


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