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Donnerstag, 18. Januar 2018

Beethoven, Ludwig van - Klaviersonaten Nr. 22-28

Vergleichsmomente


Label/Verlag: EuroArts
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine DVD-Reihe widmet sich Daniel Barenboims Interpretationen der Klaviersonaten von Ludwig van Beethoven aus den Jahren 1983/84. Das lädt zum Vergleich mit seinen jüngeren Beethoven-Deutungen ein.

Ein großer Saal, prunkvoll ausgestattet. Vor einem Fenster steht ein Steinway-Flügel. Der Musiker, der an ihm sitzt, beginnt leise zu spielen. Es ist Ludwig van Beethovens ‚Mondscheinsonate‘, die Sonate Nr. 14. Zunächst erkennt man nicht, wer da spielt, so weit ist die Kamera vom Geschehen entfernt. Dann steigert sich die Dramatik der Musik. Gleichzeitig wird herangezoomt. Somit gerät der Pianist und Dirigent Daniel Barenboim ins Visier der Kamera.

Das Label EuroArts widmet dem Künstler eine Serie, deren letzter Teil jüngst erschien. Man sieht darin Daniel Barenboim, auf dem Höhepunkt seiner pianistischen Karriere. Seine ruhmreiche Annäherung an Beethovens Sonaten liegt dabei schon über 20 Jahre zurück: 1960 glänzte er als Achtzehnjähriger in Tel Aviv mit der Interpretation der gesamten Klaviersonaten des Komponisten. Seitdem hat er sich immer wieder mit dem ‚Neuen Testament der Pianisten‘ auseinandergesetzt.

Die DVDs zeigen Barenboims Spiel in verschiedenen historischen Stätten in Wien. Zu der farbenreichen Musik Beethovens passen die prunkvollen Kulissen sehr gut. Allerdings wird damit Barenboims Spiel etwas Biederes verliehen. Die reizarme Regie und Kameraführung unterstreichen dies zusätzlich. Lange Totalen auf die Hände des Pianisten und fast vollständige minutenlange Verdunklung des Raumes können auf die Dauer langweilig werden. Interessanter wäre es, momentweise auch das Minenspiel Barenboims in den Mittelpunkt zu rücken. Das passiert an einigen Stellen, und ist jedes Mal aufschlussreich. Denn Barenboims musikalisches Empfinden drückt sich vor allem auf seinem Gesicht aus: Mal schnellen die Augenbrauen in die Höhe, mal furcht sich die Stirn. Das alles passiert in Reaktion auf die Musik und ist spannend zu verfolgen.

Vergleicht man die Interpretation Barenboims mit seinen jüngeren Einspielungen, wird deutlich, dass der ‚späte‘ Barenboim doch mehr Dirigent als Pianist geworden ist. Zwar spielte er damals vieles langsamer und bedächtiger, dafür aber technisch präziser und bewusster. Das wird vor allem in der ‚Appassionata‘, der Sonate Nr. 23, deutlich: Der ‚mittlere‘ Barenboim scheint hier besser im Training zu sein, das Zusammenspiel von rechter und linker Hand ist genauer als zum Beispiel in seiner Einspielung aus dem Jahr 2009. Dort prescht der ‚späte‘ Barenboim zwar nur so über die Tasten, nimmt dafür aber technische Ungenauigkeiten in Kauf.

Die DVD-Reihe bietet eine gute Möglichkeit, einen Vergleich anzustellen und beide Abschnitte der künstlerischen Laufbahn Daniel Barenboims nebeneinander zu halten. Dabei kann man feststellen, dass sich neben den technischen Unterschieden in der Idee der Interpretation nicht viel geändert hat. Barenboim ist sich treu geblieben.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Klaviersonaten Nr. 22-28

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
EuroArts
1
04.02.2013
EAN:

880242665089


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EuroArts

Das renommierte Qualitätslabel EuroArts vertreibt neben dem umfangreichen EuroArts-Katalog auch die Label "Idéale Audience", "Juxtapositions" und das Musik-Label "BBC Legends". Von 2007 bis 2009 veröffentlichte das Unternehmen auch Programme unter dem Label "Medici Arts".

Eine intensive und langjährige Partnerschaft verbindet EuroArts mit den Berliner Philharmonikern - die jährlichen Aufzeichnungen der Europa-, Waldbühnen- und Silvester-Konzerte sind erfolgreiche und international etablierte Musikprojekte.

Die regelmäßigen Konzertaufzeichnungen beim Verbier Festival und dem Lucerne Festival haben für das Unternehmen seit Jahren eine ebenso große Bedeutung wie die enge Zusammenarbeit mit den Dirigenten Claudio Abbado, Riccardo Chailly, Sir Simon Rattle und Pierre Boulez.

Neben nahezu allen großen Dirigenten sind im Katalog auch viele weltbekannte Künstler vertreten: erwähnt seien nur Plácido Domingo, Waltraud Meier, Anna Netrebko, Renée Fleming, Anne-Sophie Mutter, Gidon Kremer, Lang Lang, Martha Argerich, Alfred Brendel, Evgeny Kissin, Yuja Wang, Piotr Anderszewski und Hélène Grimaud.

EuroArts unterhält eine eigene TV- und Film-Produktion, die neben zahlreichen Konzert-Aufzeichnungen auch hochwertige Musik-Dokumentarfilme realisiert. Die "Classic Archive"-Programme und die Reihe "Introducing" unterstreicht das Engagement von EuroArts im Education Bereich.


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