> > > Hvorostovsky, Dmitri singt: Lieder von Tschaikowski, Mussorgski & Taneyev
Donnerstag, 28. Oktober 2021

Hvorostovsky, Dmitri singt - Lieder von Tschaikowski, Mussorgski & Taneyev

Keine Idylle


Label/Verlag: Ondine
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dmitrij Hvorostovskij setzt sich mit seinem noblen Bariton überzeugend für russische Romanzen ein.

‚In this moonlit night‘ heißt eine neue Platte des Baritons Dmitrij Hvorostovskij. Das klingt nach Idylle, und in der Tat erzählt das gleichnamige Lied Tschaikowskys von des Nachts eingestandener Liebe. Doch in diesem Lied mündet die Nacht in einen Tag voller Sorge und Melancholie, und auch die übrigen Lieder des Zyklus op. 73 auf Texte von Daniel Rathaus handeln von unglücklicher Liebe.

Auch das restliche Programm ist eigentlich nicht besonders idyllisch. Einige ausgewählte Lieder Sergej Tanejews haben tendenziell düstere Texte, und die 'Lieder und Tänze des Todes' von Modest Mussorgsky kommen noch finsterer daher.

Auf jeden Fall aber legt Dmitrij Hvorostovskij hier ein spannendes Programm vor. Einen ganzen Zyklus (sechs Lieder) von Tschaikowsky hört man nur selten, meist werden nur einzelne Lieder ausgewählt. Mussorgskys 'Lieder und Tänze des Todes' sind in der originalen Klavierfassung seltener aufgeführt als in verschiedenen Orchesterfassungen, und Sergej Tanejews Lieder hört man sonst eigentlich überhaupt nicht. Gerade sie sind dabei eine positive Überraschung und stehen den Schöpfungen seines Lehrers Tschaikowsky nicht nach. In ihnen ist nicht nur der Gesangspart, sondern auch der Klavierpart anspruchsvoll, teilweise sehr virtuos gestaltet. Hvorostovskijs langjähriger Begleiter Ivari Ilja bewährt sich hier vorzüglich.

Und natürlich ist Dmitrij Hvorostovskijs makellose, kultiviert wirkende Stimme ebenso ein Genuss. Wie in Schuberts 'Der Tod und das Mädchen' spielt der Sänger auch im Wiegenlied aus Mussorgskys 'Liedern und Tänzen des Todes' den Tod, der sein Opfer mit sanften Worten in den Schlaf singen will. In diesem Fall kämpft dagegen die Mutter des Opfers. Hvorostovskij lullt Mutter und Kind mit wunderbar weicher, gleichzeitig aber auch unerbittlich-entschlossen wirkender Stimme ein – eine äußerst überzeugende Leistung. Nicht ganz so schmeichlerisch tritt der Tod in den anderen Liedern auf, zumindest nicht im abschließenden 'Feldmarschall'. Hvorostovskij zu lauschen ist jedoch, wenngleich das Wort in diesem Zusammenhang fast schon makaber wirkt, auch hier ein ‚Vergnügen‘, denn der Bariton findet stets den passenden Ausdruck.

Technisch ist die Aufnahme gut gelungen, das Klavier ist etwas weiter in den Vordergrund gerückt als in manch anderen Lied-Programmen und wird dadurch zum wirklich gleichwertigen Partner der Stimme. Im Beiheft sind die Texte der Lieder nur auf russisch (jedoch nicht in kyrillischer Schrift) und englisch enthalten, das Mitlesen lohnt sich dennoch, denn die Texte zu verstehen ist in diesem Repertoire entscheidend, besonders wohl bei Mussorgsky. Der Begleittext enthält mit der Angabe, Tanejew habe zehn Symphonien geschrieben, zwar eine Fehlinformation (es sind tatsächlich nur vier) ist ansonsten aber erhellend.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Hvorostovsky, Dmitri singt: Lieder von Tschaikowski, Mussorgski & Taneyev

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Ondine
1
04.02.2013
Medium:
EAN:

CD
761195121627


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Ondine

The roots of Ondine date back to 1985 when founder Reijo Kiilunen released the very first Ondine album under the auspices of the renowned Finnish Kuhmo Chamber Music Festival. The label's initial mission was to produce one live album at the Festival each season. The fourth album, however, featured Einojuhani Rautavaara's opera Thomas (ODE 704-2), raising major international attention and opening the ground for overseas distribution. Kiilunen, who was running the Festival's concert agency and had begun the recording activity part-time, soon decided to devote himself fully to the development of this new business, producing and editing the first 50 releases himself. Since 2009 the company has been a part of the Naxos Group.

Today Ondine's extensive catalogue includes nearly 600 recordings of artists and ensembles such as conductor and pianist Christoph Eschenbach, conductors Vladimir Ashkenazy, Vasily Petrenko, Mikhail Pletnev, Esa-Pekka Salonen, Hannu Lintu, Jukka-Pekka Saraste, Sakari Oramo, Leif Segerstam and John Storgårds, orchestras such as The Philadelphia Orchestra, Orchestre de Paris, London Sinfonietta, Bavarian Radio Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Russian National Orchestra, Czech Philharmonic, Finnish Radio Symphony Orchestra, Helsinki Philharmonic and Tampere Philharmonic, sopranos Soile Isokoski and Karita Mattila, baritone Dmitri Hvorostovsky and Gerald Finley, violinist Christian Tetzlaff, violist David Aaron Carpenter, cellist Truls Mørk and pianist Olli Mustonen.

The label has also had a long and fruitful association with Finnish composers Einojuhani Rautavaara, Magnus Lindberg and Kaija Saariaho, having recorded the premieres of many of their works and garnering many awards along the way.


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