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Montag, 25. Oktober 2021

Krieger, Johann Philipp - Musicalischer Seelen-Frieden

Besser geht's nicht


Label/Verlag: Carus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die fachkundige Gambistin und Ensembleleiterin Simone Eckert ist genau die Richtige, um die feinen Wechselbeziehungen zwischen religiösem Text und musikalischer Umsetzung in Kriegers Psalmvertonungen auszudeuten.

Dass die deutsche Barockmusik neben den großen Namen Schütz, Bach und Buxtehude noch ein ganzes Füllhorn an wunderbaren Komponisten bereithält, machen die vielen Neueinspielungen weitestgehend unbekannter Werke jedes Jahr aufs Neue deutlich. So kann auch die aktuelle CD von Dorothee Mields mit Simone Eckert und dem Ensemble Hamburger Ratsmusik mit vier Weltersteinspielungen aufwarten, die die sakrale Vokalmusik Johann Philipp Kriegers (1649-1725) für Solo-Sopran vorstellen. Die zwischen diesen Werken erklingenden reinen Instrumentalwerke haben schon ihre diskographische Würdigung erfahren, womit deutlich wird, dass geistliche Konzerte oder Kantaten meist etwas sperriger auf den Markt zu bringen sind als gefällig galante, italienisch anmutende Kammersonaten.

Die fachkundige Gambistin und Ensembleleiterin Simone Eckert ist genau die Richtige, um die feinen Wechselbeziehungen zwischen religiösem Text und seiner musikalischen Umsetzung auszudeuten. Wie ihr interessanter Booklettext zeigt, hat sie sich intensiv mit dem Schaffen Kriegers und dessen religiöser Weltanschauung beschäftigt, um es sowohl geistesgeschichtlich als auch musikhistorisch einordnen zu können. So schreibt sie, dass ‚Kriegers Geisteshaltung zwischen Gottvertrauen und Schicksalsergebenheit, zwischen Sprachwitz und ansatzweise dunklem Humor‘ zu verorten ist. Ferner zieht sie Verbindungen zwischen Kriegers Kompositionsstil, dem damals aktuellen italienischen Instrumentalstil von Carissimi und Legrenzi sowie den Kompositionen der norddeutschen Kirchenmusiker Buxtehude, Thunder und Weckmann.

Von Kriegers knapp 2150 Kantaten sind leider nur 80 erhalten, die dennoch bisher eher ein Schattendasein fristen. Dies dürfte sich nun aber Dank Eckerts und Mields Bemühungen ändern, setzen sich doch mit ihnen zwei der renommiertesten deutschen Barockmusikerinnen unserer Zeit für ihn ein. Dorothee Mields‘ hell glitzernder Sopran, der mit Leichtigkeit die anspruchsvollen Koloraturen interpretieren kann, schwebt überirdisch schön über dem Instrumentalsatz. Gleichzeitig versteht es Dorothee Mields wie kaum eine andere, musikalische Schönheit mit Sinn und Inhalt zu füllen, was sowohl an ihrer perfekt verständlichen Aussprache als auch an ihrer variablen Tongebung liegt. Sie weiß ihr Timbre mit wenigen klug gesetzten Akzenten dem jeweiligen Ausdrucksgehalt des Texts anzupassen. Gleichzeitig ist ihr Gesang von großer Natürlichkeit, die es dem Hörer leicht macht, sich für Kriegers Musik zu begeistern.

Die beiden Violinisten der Ratsmusik, Christoph Heidemann und Gabriele Steinfeld, bilden ein perfekt aufeinander eingespieltes Doppel, das in den Vertonungen der Psalmen 31, 68, 65 und 134 ein prächtiges Duo bildet. Michael Fuerst (Cembalo, Orgel) versteht es virtuos, die Basso-continuo-Stimmen kunstvoll auszuschmücken. In den Instrumentalsonaten ist jede Stimme mühelos herauszuhören, so dass auch Ulrich Wedemeiers Theorbenspiel makellos zur Geltung kommt. Insgesamt bilden die fünf Instrumentalisten der Ratsmusik ein vollendet miteinander musizierendes Ensemble, dessen Spielfreude sich unwillkürlich auf den Hörer überträgt. Die CD ist ein absolutes Highlight dieses Jahres, dem möglichst viele Hörer zu wünschen sind.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Krieger, Johann Philipp: Musicalischer Seelen-Frieden

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Carus
1
01.02.2013
Medium:
EAN:

CD
4009350833722


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Carus

Der Name Carus steht weltweit als ein Synonym für höchsten Anspruch und Qualität auf dem Gebiet geistlicher Chormusik. Dies betrifft nicht nur unsere zuverlässigen Noteneditionen vieler zu Unrecht in Vergessenheit geratener Werke. Es ist uns ein besonderes Anliegen, gerade diese Werke - oft als Weltersteinspielungen - auch in exemplarischen Interpretationen durch hochrangige Interpreten und Ensembles auf CD vorzulegen. Der weltweite Erfolg unseres Labels führte zur Erweiterung unseres Katalogs: Neben der Chormusik, die weiterhin den Schwerpunkt des Labels bildet, haben gerade in den letzten Jahren einige Aufnahmen barocker Instrumentalwerke internationale Beachtung gefunden. Unsere Zusammenarbeit mit erstklassigen Interpreten führte zu einer hohen Klangkultur, die mit der Verleihung vieler internationaler Preise honoriert wurde (Diapason d'Or, Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Gramophone - Editor's choice).


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