> > > Ensemble L'Ornamento spielt: Werke von Telemann, Händel & Fasch
Dienstag, 20. Oktober 2020

Ensemble L'Ornamento spielt - Werke von Telemann, Händel & Fasch

Geschmack und Raffinesse


Label/Verlag: ARS Produktion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das junge Ensemble L’Ornamento präsentiert deutsche Barockmusik des 18. Jahrhunderts in absolut stilsicherer sowie inspirierter Interpretation und gelungener Mischung.

Innovationsfreude und Ideenreichtum prägen die vorliegende Aufnahme des vierköpfigen Alte-Musik-Ensembles L’Ornamento. Deutsche Barockmusik des 18. Jahrhunderts präsentiert sich beim Debütalbum von L’Ornamento in abwechslungsreicher Form – nicht nur in kompositorischer, sondern vor allem auch in interpretatorischer Hinsicht. Die Programmzusammenstellung mit den deutschen Komponisten Händel, Telemann und Fasch zeigt sich als besonders ergiebig für die ‚vom Ensemble L’Ornamento verfochtene Orientierung an abwechslungsreichen Originalbesetzungen‘, wie es im Beiheft heißt.

Die hohe Produktionsdichte, insbesondere bei Georg Philipp Telemann, und die verschiedenartigen, oft seltenen Besetzungen bei Fasch lassen viel Raum für reizvolle Klangkombinationen. Ein großer Fokus von L’Ornamento liegt spürbar in der Klang- und Farbgestaltung der Musik des 18. Jahrhunderts. Bewundernswert an dieser Einspielung, die 2012 in der Kirche Nuglar-St. Pantaleon in Dorneck in der Schweiz entstand, ist die hervorragend aufeinander abgestimmte Kombination von Blockflöte und Violine. Am Beispiel von Händels Triosonate F-Dur HWV 389 und Telemanns Triosonate a-Moll TWV 42:a4 bezeugt das Ensemble mit Juliane Heutjer an der Flöte, und ihrer Schwester Katharina, Violine, seine langjährige Erfahrung im gemeinsamen Musizieren – das Ensemble spielt bereits seit den Jugendtagen der Musiker zusammen.

Eine besondere Hervorhebung verdient das empfindsame Spiel Katharina Heutjers in Händels Violinsonate HWV 371. Hier zeigt sich das Klangbild der barocken Violine in Begleitung des sensiblen Continuo-Spiels sehr beweglich und mit individuellem Charakter. Dieses herausragende Klangbild – einer der großen Pluspunkte dieser Aufnahme – steht leicht im Gegensatz zur eher blassen Klangfärbung in Telemanns Triosonate für zwei Blockflöten TWV 42:F7. Hier wirkt die Interpretation der beiden Heutjer-Schwestern leider stellenweise ein wenig unpräzise, insbesondere beim artikulatorisch zu wenig differenzierten Schluss des 'Affettuoso'.

Das Ensemble zeichnet sich nicht nur durch äußerst sensible Klangverschmelzungen aus, sondern auch durch den angemessenen, wohl dosierten Einsatz der barocken Verzierungskunst, die gerade bei den deutschen Komponisten wie Händel und Telemann viel Spielraum findet. Die Verzierungen der Melodieinstrumente sind durchweg schlicht, gut durchdacht und angemessen vermittelt. Triller, Intervallauszierungen und Mordente dienen hier nicht nur als kunstvolle Ausgestaltung der Melodie, sondern gleichsam als rhetorisches Mittel und Ausdrucksintensivierung. An wenigen Stellen wäre mehr Verzierung wünschenswert, so unter anderem im Blockflötenpart von Telemanns Triosonate für Blockflöte, Diskantgambe und B. c. g-Moll TWV 42:g9, dabei vor allem im ersten Satz 'Soave ma non adagio'.

Raffiniert ist die Rekonstruktion der Violinstimme durch den Cembalisten des Ensembles, Sebastian Wienand, in Faschs Concerto für Oboe, Violine, Fagott und B. c. (in der einzigen erhaltenen Abschrift fehlt die Violinstimme). Ähnlich geschickt und musikalisch überzeugend ist auch das Arrangement von Händels Rinaldo-Arie 'Vo’ far guerra'. Hier sticht das virtuose und selbstbewusste Spiel Wienands beeindruckend hervor.

Dem Ensemble L’Ornamento gelingt damit eine äußerst geschmackvolle Zugabe zu dieser lebendigen, inspirierten und interpretatorisch überzeugenden Aufnahme. Seltsamerweise erweckt die gegenwärtige Musikpraxis nach wie vor den Eindruck, dass viele Kammerkonzerte des Barock mit besetzungstechnisch abwechslungsreichem Repertoire (besonders der ansonsten vielgespielten deutschen Komponisten) oft ein Nischendasein in schlecht besuchten Kirchen oder als Randprogramm von Alte-Musik-Festivals führen. Der Repertoirewert dieser Aufnahme ist deshalb sehr hoch einzuschätzen, gibt es doch leider immer noch zu wenige Einspielungen, die einen solchen Besetzungsreichtum aufweisen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Marion  Beyer Kritik von Marion Beyer,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Ensemble L'Ornamento spielt: Werke von Telemann, Händel & Fasch

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ARS Produktion
1
01.03.2013
Medium:
EAN:

SACD
4260052381366


Cover vergössern

Fasch, Johann Friedrich
 - Concerto für Oboe, Violine, Fagott und b.c. d-Moll FWV L:d6 - Poco Allegro
 - Concerto für Oboe, Violine, Fagott und b.c. d-Moll FWV L:d6 - Largo
 - Concerto für Oboe, Violine, Fagott und b.c. d-Moll FWV L:d6 - Allegro
Händel, Georg Friedrich
 - Triosonate für Blockflöte, Violine und b.c. F-Dur HWV 389 - Larghetto
 - Triosonate für Blockflöte, Violine und b.c. F-Dur HWV 389 - Allegro
 - Triosonate für Blockflöte, Violine und b.c. F-Dur HWV 389 - Adagio
 - Triosonate für Blockflöte, Violine und b.c. F-Dur HWV 389 - Allegro
 - Triosonate für Blockflöte, Violine und b.c. F-Dur HWV 389 - Allegro
 - Sonate für Violine und b.c. D-Dur HWV 371 - Affettuoso
 - Sonate für Violine und b.c. D-Dur HWV 371 - Allegro
 - Sonate für Violine und b.c. D-Dur HWV 371 - Larghetto
 - Sonate für Violine und b.c. D-Dur HWV 371 - Allegro


Cover vergössern

ARS Produktion

Das exquisite Klassiklabel ARS Produktion wurde 1987 von Annette Schumacher mit dem Ziel gegründet, jungen, aufstrebenden Künstlern und interessanten Programmen gleichermaßen eine individuelle musikalische Heimat und entsprechende Marktchancen, u.a. durch internationalen Vertrieb und Vermarktung zu geben. Die bei Paul Meisen ausgebildete Konzertflötistin hat sich damit nach langer aktiver Musikerlaufbahn einen geschäftlichen Traum erfüllt.
Für die hervorragende Aufnahmequalität der zahlreichen ARS Produktionen ist Manfred Schumacher, Tonmeister und Aufnahmeleiter, verantwortlich.
Spezifisch für das Label und die Haltung seiner Macher/in: stets wird u.a. den klanglichen Erfordernissen der jeweiligen Werke, Musikepochen und Instrumente in größtmöglicher Weise Rechnung getragen sowie im Übrigen die neueste, beste Technik eingesetzt.
Annette und Manfred Schumacher sind ?Überzeugungstäter?. Zwei Individualisten, die Kunst, Kommerz und Können geschickt vereinbaren.
?Die SACD - Super Audio CD kombiniert die Präzision der digitalen Reproduktion mit der Wärme des analogen Klanges. Das hat uns überzeugt.?


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag ARS Produktion:

  • Zur Kritik... Ausgefeiltes Zusammenspiel: Auch die zweite CD des Duos Semenenko/Firsova überzeugt auf ganzer Linie. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Zwischen Tradition und Moderne: Das Stefan Zweig Trio widmet sich mit Kraft und Sensibilität den Frühwerken zweier Komponisten, die zwischen Tradition und Moderne eine Brücke bauen. Weiter...
    (Silke Meier-Künzel, )
  • Zur Kritik... Ausdrucksstarke Querverbindungen: Der Cellist Friedrich Kleinhapl und der Wiener Concert Verein widmen sich Friedrich Gulda und Dimitri Schostakowitsch und schaffen eine qualitätsvolle Kombination dieser beiden Komponisten. Weiter...
    (Lorenz Adamer, )
blättern

Alle Kritiken von ARS Produktion...

Weitere CD-Besprechungen von Marion Beyer:

  • Zur Kritik... Inspiration und Prävention: Dieses Grundlagenwerk richtet sich an alle, die praktisch mit Musik zu tun haben. Trotz des breit adressierten Zielpublikums geht es in angemessener Weise in die Tiefe. Der Abschnitt mit praktischen Übungen könnte allerdings umfangreicher sein. Weiter...
    (Marion Beyer, )
  • Zur Kritik... Wiederbelebte Gattung der Opernfantasie: Die vorliegende Aufnahme ist ein schöner Beitrag zur immer mehr vergessen Gattung der Opernfantasie, deren Zweck als Erinnerung an Opern und ihre Melodien in Zeiten der ständigen Abrufbarkeit von Medien hinfällig ist. Weiter...
    (Marion Beyer, )
  • Zur Kritik... Mädchenhaftes Sein und Fühlen: Packende, mitreißende Interpretationen von Liedern Hugo Wolfs und Richard Strauss' und seltenes Repertoire mit Kompositionen von Ludwig Thuille sorgen für ein genussvolles, spannendes Hörerlebnis. Weiter...
    (Marion Beyer, )
blättern

Alle Kritiken von Marion Beyer...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Liebesidylle auf der Alm : Dario Salvi hält mit der CD-Premiere der Oper 'Jery und Bätely' ein überzeugendes Plädoyer für die vergessene Komponistin Ingeborg von Bronsart. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Nicht immer gefunden: Die Profil-Edition zu Rudolf Firkušný hätte mit noch etwas mehr Mühe zu einer echten Schatztruhe werden können. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Auf der Suche nach Tiefe: Die Emanzipation der Harfe ist der Finnin Kaija Saariaho in einem Solokonzert eindrucksvoll gelungen. Schwer widerstehen kann man auch ihrem Liederzyklus 'True Fire', in dem der Bariton Gerald Finley über das Ende der Zeit eindrücklich brilliert. Weiter...
    (Dr. Eckehard Pistrick, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2020) herunterladen (3612 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Anton Rubinstein: String Quartet No.6 op.47,3 in D minor - Adagio molto

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich