> > > Andrae, Volkmar: Klavierkonzert in D Vol. 2
Donnerstag, 28. Oktober 2021

Andrae, Volkmar - Klavierkonzert in D Vol. 2

Neue Schätze


Label/Verlag: Guild
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Auch die zweite Folge mit Orchesterwerken des schweizerischen Komponisten und Dirigenten Volkmar Andreae, die Guild nun herausgebracht hat, präsentiert schöne, interessante und handwerklich tadellose Werke, die man auch im Konzertsaal gerne hören würde.

Die Wiederbelebung des Schaffens Volkmar Andreaes ist eine der wichtigsten Aufgaben, die die Schweizer Tonträgerindustrie in den letzten Jahren zur Neuverortung der Schweizer Musik auf der musikalischen Landkarte beitragen konnte. Volkmar Andreae (1879–1962) war nicht nur bedeutender Dirigent, der sich intensiv etwa für Bruckner, Busoni, Reger und Mahler einsetzte – er war auch ein profilierter Komponist, der auf ganz eigene Weise den Weg vom späten 19. Jahrhundert ins 20. Jahrhundert vollzog.

Andreaes Klavierkonzert D-Dur aus dem Jahre 1898 ist in gewisser Weise Richard Strauss‘ berühmter 'Burleske' vergleichbar – auch hier vermischen sich Vergangenheit und Gegenwart zu einem äußerst attraktiven Werk, dem es aber noch ein wenig an echter Eigenart mangelt. Das heißt nicht, dass es nicht voller Poesie, Kraft und überraschender Wendungen wäre. Ein musikalischer deutlicher Fortschritt ist das Konzertstück h-Moll für Klavier und Orchester von 1900, ein Werk von starkem eigenem Charakter, das deutlich häufigere Präsenz auf den Konzertpodien der Welt verdienen würde. Die Komposition, die sich ähnlich wie das Klavierkonzert irgendwo zwischen Schumann, Strauss, Bantock und frühem Szymanowski und Rachmaninoff verortet, ist von ausgesprochen sorgsamer Ausarbeitung, voller Phantasie und melodischem Reichtum. Der in Schottland tätige indische Pianist Fali Pavri und das Bournemouth Symphony Orchestra unter Leitung von Marc Andreae erfüllen beide Konzertkompositionen mit Leuchtkraft und farbigem Reichtum, nur im Finale des Konzerts wirken die Streicher zwischenzeitlich ein wenig blass – was aber den Gesamteindruck kaum trübt.

In einer ganz anderen Welt bewegen wir uns mit dem Violinkonzert f-Moll op. 40 (1935). Hier haben wir Musik, die eindeutig nach dem Ersten Weltkrieg entstand, Musik, die sich am Rande der Tonalität bewegt, Musik, die Hindemith und anderen Zeitgenossen nicht fern steht. Andreaes Klangtexturen haben sich substanziell verändert, konzentrieren sich jetzt auf Wesentliches. Die Komposition lässt sich mit Bartók oder anderen Zeitgenossen vergleichen. Es muss nicht immer Hindemith sein – Andreaes Violinkonzert würde auch internationalen Solisten gut zu Gesicht stehen. Ein solcher Solist kann hier mit Christian Altenburger aufgeboten werden, der die Musik offenkundig versteht und liebt. Gelegentlich mag einem die Solovioline etwas dünn klingen, was aber dem musikalischen Erleben insgesamt entspricht – eine unangemessene Fokussierung auf den Solopart unterbleibt zugunsten eines ausgesprochen ausgewogenen Gesamtklangs. Allerdings hätte Altenburger dem Solopart etwas mehr Attacke angedeihen lassen können; ein wenig scheint seine Interpretation mit angezogener Handbremse zu erfolgen – noch mehr Energie hätte dem Werk wohl kaum geschadet. Vergleichbares lässt sich bei der Rhapsodie op. 32 (1919-20) für Violine und Orchester nicht sagen. Hier scheint sich Altenburger wohler oder sicher zu fühlen, hier fließt das musikalische Geflecht natürlicher und emotional intensiver.

Die Produktion ist, wie in der Reihe schon fast zu erwarten, rundum erfreulich – auch die Bookletgestaltung ergänzt die Einspielungen zu einem in nahezu jeder Hinsicht erfreulichen Gesamteindruck.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Andrae, Volkmar: Klavierkonzert in D Vol. 2

Label:
Anzahl Medien:
Guild
1
Medium:
EAN:

CD
795754739428


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Guild

Guild entstand in den frühen Achtzigerjahren auf Initiative des berühmten englischen Chorleiters Barry Rose, der den St Paul's Cathedral Choir in London leitete. Der Name hat nichts mit der nahe gelegenen Londoner Guild Hall zu tun, sondern kommt von Barry Roses erstem Chor, dem Guildford Cathedral Choir. Das frühere Logo (ein grosses G) entstand indem Barry Rose kurzerhand eine Teetasse umstülpte und mit einem Bleistift ihrem Rand bis zum Henkel entlang fuhr. Seit 2002 hat die Firma als Guild GmbH ihren Sitz in der Schweiz, in Ramsen bei Stein am Rhein.
Bei den Aufnahmen arbeiten wir mit Fachleuten zusammen, die für grosse internationale Firmen und unabhängige kleinere und grössere Labels tätig sind. Unsere Programmschwerpunkte sind Welt-Erstaufnahmen, vergessene Werke bekannter Meister, noch nicht entdeckte Komponisten und Schweizer Musiker sowie historische Aufnahmen, etwa die Toscanini Legacy und Mitschnitte der Metropolitan Opera New York.
Wir arbeiten intensiv mit der Zentralbibliothek in Zürich und mit der Allgemeinen Musikgesellschaft Zürich zusammen, produzieren CDs mit Chören wie dem Salisbury Cathedral Choir und den Chören der Cambridge und Oxford University - und als Steckenpferd pflegen wir die grossen englischen und amerikanischen Unterhaltungsorchester mit ihren Light-Music-Hits der Dreissiger- bis Fünfzigerjahre.


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