> > > Sciarrino, Salvatore: Quartetto Nr. 7 & 8
Mittwoch, 16. Oktober 2019

Sciarrino, Salvatore - Quartetto Nr. 7 & 8

Zarte Klangerkundungen


Label/Verlag: Kairos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Quartetto Prometeo legt eine hervorragende Einspielung von Salvatore Sciarrinos Streichquartetten vor.

Mit den Werken für Streichquartett setzt das österreichische Label Kairos seine Reihe mit Werken des italienischen Komponisten Salvatore Sciarrino fort. Die eingespielten Werke zerfallen in drei Teile: Da sind zunächst die 'Sei quartetti brevi', die sechs kurzen Quartette, die zwischen 1967 und 1992 entstanden sind und sich als zyklisches Werk in sechs Teilen präsentieren, dessen Einzelteile über ein Vierteljahrhundert hinweg entstanden sind und Einblicke in die Stilistik dieser Jahre gibt. Faszinierend ist, wie man hier – einem Blick in aufgedeckte archäologische Schichten gleich – den Stand der musikalischen Sprache Sciarrinos in Momentaufnahmen beobachten kann: Der eigenwillige Umgang mit Flageolett- und Geräuschklangfarben, resultierend in einer meist in den höchsten Registern verweilenden, vollkommen basslosen Musik, verbunden mit einem Tasten an der Grenze des Hörbaren, das die musikalischen Ereignisse über weite Strecken hinweg bestimmt, unterscheidet die Arbeit des Komponisten von der anderer Zeitgenossen. Jedes der Stücke befasst sich, vereinfacht gesagt, mit einer bestimmten Klangidee, die im Verlauf allmählich erweitert und – durch Anwendung kanonischer und kontrapunktischer Techniken – verdichtet wird. Hieraus resultieren relativ kurze, poetische Gebilde, die vor allem durch die schillernden Farbverläufe gekennzeichnet sind.

Der Vergleich dieser sechs Stücke mit Sciarrinos jüngsten Werken der Gattung Streichquartett – dem 'Quartetto N. 7' von 1999 und dem 'Quartetto N. 8' aus dem Jahr 2008 – ist sehr aufschlussreich, weil er verdeutlicht, dass die musikalische Sprache des Italieners seit Ende der Neunzigerjahre gefälliger geworden ist sowie sich stärker in den Bereich konventioneller Tonproduktion verlagert hat: Zwar bleiben die Grundbestandteile gleich, doch nähert sich die Struktur des Satzes den Werken für Vokalensemble an, die seit dieser Zeit entstanden sind. Gleichzeitig wird die vormalige Kürze durch weiter ausholende Verläufe ersetzt, was dazu führt, dass das jüngste Werk so lange dauert wie die 'Sei quartetti brevi' in ihrer Gesamtheit. Die Reduktion der Ausdrucksmittel bleibt jedoch – hierin Sciarrinos übrigen Werken vergleichbar – gewahrt: Gestisch anmutende Tonhöhenbewegungen, die oftmals an rhetorische Figuren des Barock erinnern, führen die Streicher im Unisono zusammen, zarte Flageolettschichten und leise Geräuschelemente bilden einen Gegensatz hierzu oder stellen eine Verbindung zwischen unterschiedlichen Ereignissen her, so dass aus einstimmigen Verläufen immer wieder eine Vielschichtigkeit entsteht.

Erfrischend ist der Umstand, dass hier einmal nicht das Arditti Quartet zu hören ist, sondern dass man die Interpretation dem italienischen Quartetto Prometeo anvertraut hat. Das Ensemble zeigt sich mit den Erfordernissen der Werke bestens vertraut: Die Musiker tasten das dynamische Spektrum der Partituren extrem gut aus, formen die leisen und kaum hörbaren Elemente zu stringenten Abläufen und nutzen die immer wieder aufblitzenden lauten Attacken als Impulse für die Fortentwicklung der klanglichen Bildungen. Gerade bei ihrer Wiedergabe der beiden jüngeren Werken entfalten sie zudem klanglich und artikulatorisch eine frappierende Sprachnähe, die den Gedanken an die Nähe zu Sciarrinos Vokalmusik geradezu provoziert. Dass sich die CD auf die Streichquartette beschränkt und dadurch eine Spielzeit von nur 46 Minuten aufweist, bürgt einerseits für ihre musikalische Geschlossenheit; doch hätte man sich durchaus auch eine Ergänzung des Eingespielten durch die kurzen Streicherduos vorstellen können, zumal diese gewisse musikalische Bezüge zu den 'Sei quartetti brevi' aufweisen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Sciarrino, Salvatore: Quartetto Nr. 7 & 8

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Kairos
1
15.02.2013
Medium:
EAN:

CD
9120010281822


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Kairos

KAIROS, das 1999 von Barbara Fränzen und Peter Oswald gegründete Label mit Sitz in Wien, widmet sich ausschließlich der Veröffentlichung von Werken Neuer Musik. Neben Werk- und Künstlerauswahl sind höchste Ansprüche in der Tontechnik und eine moderne Verpackung, unterstützt durch die Covergestaltung des österreichischen Malers Jakob Gasteiger, wesentlicher Bestandteil des Gesamtkonzepts.
KAIROS ist der erfüllte, der gelingende Augenblick. Mit diesem Wort benannte die griechische Antike die glückliche Übereinstimmung des Hier mit dem Jetzt, den günstigen Moment, der schicksalhaft entgegentritt und entschieden genutzt werden will.
KAIROS will jene erfüllte Zeit, die wir ?Musik? nennen, aufbewahren. Was musikalisch an der Zeit ist, heutigem Hören neue Räume und Erfahrungen öffnet, soll in Interpretationen, die den günstigen Moment ergriffen haben, für unsere Hörer gebannt werden.
Der Augenblick, und wäre er noch so schön, verweilt nicht. Aber er kann wiederkehren, und obwohl wir dann nicht mehr die selben sind, kann er uns erneut ergreifen und verwandeln. In diesem Sinn will KAIROS die Musik der Gegenwart, die unendlichen Abenteuer des Hörens, die sie bietet, der Zeitgenossenschaft zurückschenken. Damit die Gunst des Moments nicht ungenutzt vorüberzieht.
KAIROS will die Musik der Gegenwart wieder zu Musik für die Gegenwart machen. Dabei gehen wir in der Auswahl der Komponisten und ihrer Stücke keine Kompromisse ein: nur Musik, an deren Kraft und Fortbestehen wir glauben, die herausfordernde ästhetische Positionen einnimmt und neue Wege des Klangempfindens erschließt, soll in einer auf das individuelle Werk abgestimmten Aufnahmequalität präsentiert werden. Ausführliche, informative Booklets mit lesbaren Werkkommentaren und Beiträgen von Schriftstellern, die den Komponisten wahlverwandt sind, sollen nicht nur Musikkenner ansprechen sondern auch all jene neugierig machen, die neue künstlerische Entwicklungen unserer Zeit erleben wollen.
Die einzelne CD wird so zu einer Art Gesamtkunstwerk, ausgestattet mit einem Booklet, dessen Texte sich dem Nicht-Sagbaren der Musik auf essayistische, analytische und literarische Weise annähern, und in einer gleichermaßen kunstvollen wie praktikablen Box, deren Cover von dem österreichischen Künstler Jakob Gasteiger gestaltet sind. KAIROS: Musik als Wegbegleitung für den Aufbruch in neue Zeitalter.


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