> > > Willaert, Adrian: Musica Nova: Die Motetten
Dienstag, 19. Februar 2019

Willaert, Adrian - Musica Nova: Die Motetten

Größe ohne Prunk


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Singer Pur mit der niveauvollen Fortsetzung der erstmaligen Gesamteinspielung der Sammlung Musica Nova aus der Feder Adrian Willaerts: Nach den Madrigalen nun die Motetten.

Als Adrian Willaerts (ca. 1490-1562) ausgreifende Sammlung ‚Musica Nova‘ 1559 im Druck erschien, war der im heutigen Belgien geborene Tonsetzer seit langer Zeit ein allseits geachteter Kapellmeister am venezianischen Markusdom. Neu war die Musik vor allem insofern, als die 25 Madrigale und 27 Motetten der Sammlung der Öffentlichkeit zuvor unbekannt geblieben und einem erlesenen Publikum vorbehalten waren.

Nachdem das Vokalensemble Singer Pur vor einigen Jahren die Madrigale als ersten Teil einer erstmaligen Gesamteinspielung der ‚Musica Nova‘ vorgestellt hatte, bringt die aktuelle Produktion die vier- bis siebenstimmigen Motetten in ihrer Gesamtheit zu Gehör. Die sind fast sämtlich mehrteilig angelegt und damit in der Regel ausgreifend gebaut. Mit fast einer halben Stunde Dauer ist die siebenteilige Arbeit 'O admirabile commercium' die bei weitem längste der Sammlung. Textgrundlagen sind biblische Texte, Antiphonen oder marianische Dichtungen. Willaerts Stil in den weltlichen wie in den geistlichen Sätzen der ‚Musica Nova‘ ist ein perfektes Beispiel für eine edle, ausgewogene, sehr balancierte Satzkunst, die sich einer optimalen Textpräsentation und einer insgesamt harmonischen Klanggestalt verpflichtet weiß.

Der Ambitus auch der größeren Besetzungen greift nie extrem aus, vor allem der nicht in allen Kompositionen geforderte Diskant bewegt sich eher unspezifisch in mittleren Lagen. Ein ausgesprochen lyrischer Fluss bestimmt das Geschehen, der Satz ist sehr dicht, gelockerte Passagen oder reduzierte Stimmkonstellationen spielen beinahe keine Rolle. Willaert spannt ein streng linear konstruiertes Netz über erstaunlich weite Distanzen, fügt in diese Entwicklungen nur sehr wenige Zäsuren ein.

Insgesamt ist die Anlage der Motetten affektiv sehr verhalten, scheinen die Sätze noch ganz in einer kontrapunktischen Gewissheit zu ruhen. Es gibt in Willaerts Schaffen durchaus auch andere Ansätze, doch bilden die Kompositionen der Musica Nova in dieser Hinsicht doch einen sehr geschlossenen Zyklus. Gelegentlich kann das – im Zusammenhang der über dreieinhalb Stunden Gesamtspieldauer gehört – monochrom wirken, scheinen schärfer charakterisierte Details der Linienführung zu fehlen, die das dichte Geschehen verständlicher, fasslicher sein ließen.

Eminente sängerische Expertise

Wie schon auf der ebenso verdienstvollen Vorgängerproduktion erweist sich das Ensemble Singer Pur in seiner Grundformation als sehr ausgewogen und charakteristisch besetzt. Stilistisch sind diese Vokalisten hocherfahren, unterstreichen sie ihre in intensiver Auseinandersetzung erworbene Willaert-Affinität. Mit üppiger Klangschönheit werden auch die Herausforderungen der eher tiefen, verdichteten Lagen durch die plastische Zeichnung der Linien souverän bewältigt. Ebenso schlüssig wie bruchlos ergänzt werden die sechs Stammsänger durch die solistisch wie in verschiedenen Ensembles profilierten David Erler (Alt), Andreas Hirtreiter und Gerhard Hölzle (Tenor) sowie Michael Mantaj (Bass).

Die Tempi fließen: Selten galt das mehr als auf den drei Platten dieser Box. Dennoch wird mit der nötigen Ruhe und Konzentration für das Detail musiziert. Die Intonation ist sehr stabil, wirkt oft erlesen und gelingt fast ohne Irritationen. Sehr wenige stimmliche Konstellationen wirken nicht in perfekter Harmonie befindlich. Singer Pur lassen die Texte plastisch Gestalt gewinnen, ohne den unaufhörlich scheinenden Fluss des linearen Gewebes zu zergliedern. Damit folgen die Vokalisten der Musik, die in ihrer dichten Verwobenheit keinen aufregenden oder aufgeregten Zugriff goutierte.

Das Klangbild ist erwärmt und deutlich auf die Gesamtheit der jeweiligen Besetzung bezogen, wirkt dabei angemessen plastisch und klar in seiner strukturellen Dimension. Im sehr schön und nobel gestalteten Booklet überzeugt neben der feinen typografischen Note auch der kundige Einführungstext in zwei Sprachen.

Singer Pur führen ein höchst verdienstvolles Projekt auf sehr hohem, ausgewogenem Niveau zu Ende und schließen damit eine diskografische Lücke von erstaunlichem Ausmaß. Willaerts Motetten sind Kontrapunkt im absoluten Ebenmaß. Auch wenn es diesen Werken gelegentlich an plastischer Zuspitzung im Material, im Satz zu mangeln scheint, um aus der Tiefe der Musikgeschichte herauszuragen – ein bemerkenswert schönes Beispiel höchst versierter Satzkunst aus der Mitte des 16. Jahrhunderts sind sie in jedem Fall.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Willaert, Adrian: Musica Nova: Die Motetten

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
3
21.01.2013
EAN:

4260034868359


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OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


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