> > > Berg, Alban: Violin Concerto
Donnerstag, 6. Oktober 2022

Berg, Alban - Violin Concerto

Rebecca Hirsch als grossartige Solistin


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Berg-Violinkonzert ist das vierte wichtige Konzert mit dem Anfangsbuchstaben B nach denen der drei großen Vorgänger Beethoven – Bruch – Brahms für das wichtigste Streichinstrument. Alban Bergs ‚Konzert mit Vermächtnischarakter’, das der Wiener innerhalb wenigen Wochen im Jahr seines Todes 1935 aufs Papier warf, entstand ‚im Andenken eines Engels’. Dieser Engel war die soeben tragisch in jungen Jahren verstorbene Manon Gropius, Alma Mahler-Werfels Tochter aus ihrer Ehe mit dem Architekten Walter Gropius.

Die Solistin des Berg-Konzerts ist die hierzulande eher unbekannte Britin Rebecca Hirsch, die für Naxos und Dacapo-Records aufnimmt. Sie schickt sich an, zu einer gefragten Interpretin der Violinliteratur des 20.Jahrhunderts heranzureifen. Als Solistin gastiert sie regelmäßig in Europa, vornehmlich in den Musikzentren Großbritanniens, wo sie mit Orchestern wie dem Bournemouth Symphony Orchestra, der London Sinfonietta, dem Philharmonia-Orchestra, dem Ulster Orchestra, dem BBC Concert & BBC Philharmonic und den BBC Scottish Orchestras aufgetreten ist. Zwei ihrer Einspielungen wurden nominiert für die ‚Gramophone’s Best Record des Year Award’. Sie studierte bei Jaroslav Vanecek am Royal College of Music in London und gewann dort alle größeren Preise und Auszeichnungen, darunter 1984, ein Stipendium für Studien beim Tanglewood-Festival. Ihr Debut gab sie mit der London Sinfonietta in der Barbican-Hall. Poul Ruders und Bent Sørrensen widmeten ihr Violinkonzerte.

Hirsch fühlt sich hörbar wohl in ihrer Haut bei Berg, was die CD vom ersten Eindruck sympathisch macht. Denn Bergs fast halbstündiger ‚Brocken’ ist weder leicht durchhörbar, noch auf den ersten Kontakt hin einfach zu entschlüsseln. Kryptisches Ziehen, Flirren, Stöhnen, Pizzen kriecht allerorten aus diesem Märchenwald voll von Tönen. Rebecca Hirsch gelingt es, diese geheimnisvolle Lyrik des Schöpfers des Wozzek und der Lulu einzufangen; keine Frage, dass die Geigerin dabei über genügend klangliche wie technische Ressourcen verfügt. Wie von einem anderen Stern leuchten die Bachschen Choralzitate im zweiten Satz aus einer längst verflossenen Zeit herüber, mit der Berg aber noch in Kontakt zu stehen steht.
Die vorgelegte Platte wird hoffentlich dazu beitragen, den Bekanntheitsgrad der Interpretin in Deutschland zu heben, was sie durchaus verdient hätte. Wenn das nicht gelingt, liegt das wohl eher an Bergs Komposition, als an Rebecca Hirschs Talent. Trotzdem, wer sich einmal mit Alban Berg intensiver beschäftigt hat, den lässt es nicht mehr los. Ich liebe ihn und diese Aufnahme ist großartig.

Die Streicher des vorzüglichen Nederlands Radio Symphony Orchestra unter dem erfahrenen Esten Eri Klas spielen übrigens dazu noch die ‚Lyrische Suite’. Wenn das ‚Adagio Appassionato’ ausklingt, erlebt der Hörer unerhört ergreifende Momente. Mit auf der CD sind noch die ‚Drei Orchesterstücke op.6’.
Die Musizierhaltung auf dieser Platte ist purer Ausdruck von Gefühl... man könnte glauben, im Ewigen zu verharren. Ein faszinierendes Erlebnis von Melancholie, die so sehr in Bergs Werken verankert ist. Auch wenn Rezensenten-Kollegen schon zu einem abweichenden Urteil gelangten: Ich empfehle die Aufnahme. Booklet wie immer bei Naxos spärlich ausgestattet.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 




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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Berg, Alban: Violin Concerto

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Naxos
1
02.09.2002
64:44
1999
2002
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
0636943475522
8.554755

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Berg, Alban


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Dirigent(en):Klas, Eri
Orchester/Ensemble:Netherlands Radio Symphony Orchestra
Interpret(en):Hirsch, Rebecca (Violin)


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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