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Sonntag, 25. September 2022

Debussy, Claude - Orchestral Works

Perfekter französischer Teint


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine DVD, die nur zum Hören geeignet ist, verfehlt meines Erachtens die Intention des Mediums DVD. Denn wer eine DVD erwirbt, will zumeist auch 'sehen', sonst griffe er zur CD. Die mehrkanal Technik nützt niemandem, der sie aufgrund mangelnder technischer Vorraussetzungen, nicht nutzen kann. Es gibt sonst keine klangliche Qualitätsverbesserung.
Das kleine aber feine Lippe-Detmolder Unternehmen Musikproduktion Dabringhaus und Grimm hat vom 2. bis 4. Mai 2002 das Orchester der Beethovenhalle Bonn mit einem französischen Programm aufgenommen. Ausschließlich Werke der Meister Claude Debussy und Maurice Ravel sind zu hören. Leider glänzt der Produzent mit seiner Programmauswahl auch nicht gerade mit Individualität. Über 70 Aufnahmen zählt der Bielefelder Katalog vom bekannten ‘Prélude à l’après-midi d’un faune’ und Ravels ‘la Valse’ ist immerhin gute 50 (!) mal gelistet. Wer greift da zum Orchester der Beethovenhalle Bonn?

Und doch soll für die Rheinländer unter der Leitung von GMD Marc Soustrot (Jahrgang 1949) hier eine Lanze gebrochen werden, denn das Klangbild der Aufnahme ist scharf und die Musik fließt wunderbar. Dazu empfindet der Hörer eine große Portion Spannung, die unweigerlich hineinkomponiert ist, in diese Musik, die aber auch von den Musikern als solche erfasst und weitertransportiert wird. Insbesondere gibt das Orchester Debussys ‘Le Martyre de Saint Sébastien’ - dieses symphonische Fragment in vier Sätzen nach dem Mysterienspiel Gabriele d’Annunzios’ - sehr dämonisch und gelungen wieder. André Caplet dirigierte die Uraufführung 1912 und stand Debussy für die Instrumentierung der Komposition zur Seite. Er besorgte auch die Zusammenstellung der sinfonischen Fragmente für den Konzertsaal.

Sehr schöne Stücke sind Ravels ‘Ma Mère l’oye - Cenq pièces enfantines’, die Teils typisch expressionistisch-pentatonisch, teils mit anregenden instrumentalen Klangeffekten überraschen. Marc Soustrot vermag das alles sehr gefällig zu bündeln und mit der nötigen ‘chinesischen Jonglierlaune’ zu verkaufen. Das gefällt.
In ‘La Valse’ gärt es bekanntlich und es klingt wie ein beschwipster Wiener, der in den Matsch gefallen ist und von seiner ‘Liebsten’ träumt.... Da fehlt mir ein bisschen die dirigentische Energie eines Herbert von Karajan oder die eines Simon Rattle. Aber trotzdem: Respekt, Respekt vor den Musikern, denn es ist teuflisch schwierig zu spielen.

Ergänzend darf angefügt werden, dass sich das audiophile Aufnahmeverfahren des Labels bestens bewährt. Die Klänge gelangen wirklich naturgetreu und unverfälscht ans Ohr des Hörers. Das Booklet ist ebenfalls sehr ordentlich (D/E/F). Das ist doch dann wirklich ein Grund zum Zugreifen bei dieser Platte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 




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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Debussy, Claude: Orchestral Works

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
MDG
1
01.04.2002
64:36
2002
2002
Medium:
EAN:
BestellNr.:
DVD
0760623109923
MDG 937 1099-5

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Debussy, Claude
Ravel, Maurice


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Dirigent(en):Soustrot, Marc
Orchester/Ensemble:Orchester der Beethovenhalle Bonn


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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