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Sonntag, 20. Oktober 2019

Strauss, Richard - Salome

Kalte Wucht


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Luc Bondys 'Salome', eine Bearbeitung seiner Salzburger Inszenierung von 1992, überzeugt mit psychologischer Spannung, Daniel Harding und das Orchester der Scala musizieren Strauss' Partitur mit Wucht.

Sie will – er insgeheim auch, aber er darf nicht wollen. Luc Bondy arbeitete in seiner Inszenierung von Richard Strauss‘ 'Salome' an der Mailänder Scala 2007 den Konflikt zwischen Glaube und Trieb, Geist und Körper klug und werkdienlich heraus. Der Fokus liegt auf der Spannung zwischen Salome und Jochanaan. Der ist bei Falk Struckmann ein körperliches und stimmliches Kraftpaket und zugleich ungemein vielschichtig. Der Heldenbariton tönt viril, die Lust auf Salome nimmt man ihm ab. Die wiederum ist bei Nadja Michael nicht mehr Mädchen, sondern schon reifer, verführbar und verführerisch; ihre Gier ist somnambul, die Lüsternheit brutal. Mit ihrem scharfen, nicht immer ganz sauberen Sopran gestaltet sie diesen Gesang des Begehrens expressiv, emotional stimmig, abgründig.

Großartig ist das Spiel zwischen den beiden – wie sie einander anziehen und abstoßen! Salome rutscht hinunter zum Eingang des Schachts, in dem Jochanaan gefangen gehalten wird, später streut sie Blumen darüber wie auf ein Grab. Die Bühne (Erich Wonder) ist in Grautönen gehalten, mit wenigen Ausnahmen monochrom sind auch Susanne Raschigs Kostüme. Die TV-Regie (Emanuele Garofalo) filmt zuweilen zwischen Fensterschlitzen hindurch, als befinde man sich in einem Kriegsgebiet. Durch diese Palastruine ist der Todesengel, von dem Jochanaan singt, schon gerauscht (er wird wiederkommen). Endzeit liegt auf dem Geschehen, immer dunkler wird der Mond.

Die Choreographie lässt die Sphären einander annähern und durchdringen, wie ja auch Strauss die Motive zunehmend ineinander schlingt. Bondy findet eine klare, überzeugende Bühnensprache für die Ambivalenzen. Der Tanz der sieben Schleier wirkt hier einmal nicht wie ein Fremdkörper, Salome hat Herodes unter Kontrolle, er staunt geil und lässt sich einwickeln. Peter Bronder gibt ihn souverän als schrillen, gleichwohl gefährlichen Hysteriker. Iris Vermillion verströmt Eiseskälte als Herodias im Abendkleid, die fünf Juden verleihen der Kakophonie ihres Gesangs Klarheit, die weiteren Rollen sind solide besetzt.

Dirigent Daniel Harding treibt die Kontraste hart aneinander, das Orchester der Scala spielt kraftvoll und sehnig auf und hat hörbar Vergnügen an Drastik. Die Register sind transparent, die Bässe donnern. Energie und Kraft fegen hier allerdings über Zauber und Bestrickung und jenen wilhelminisch-orientalischen Schimmer hinweg, der von Strauss‘ Partitur ebenso ausgeht. Im Zusammenspiel mit Luc Bondys psychologisch spannungsvoller Deutung entfesselt das eine kalte Wucht, die dem 1905 uraufgeführten Einakter gut ansteht.

Interpretation:
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Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Strauss, Richard: Salome

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arthaus Musik
1
14.01.2013
Medium:
EAN:

DVD
807280732399


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Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


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