> > > Svarovsky, Leos dirigiert: Werke von Tschaikowski & Prokofieff
Samstag, 25. September 2021

Svarovsky, Leos dirigiert - Werke von Tschaikowski & Prokofieff

Kleine Werke für kleine Orchester


Label/Verlag: Arco Diva
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dass Tschaikowsky und Prokofjew orchestral auch mal kleiner konnten, zeigt das Czech Chamber Philharmonic Orchestra unter Leos Svarovsky. Dabei glückt nicht alles so, wie man sich das wünschte.

Tschaikowsky ist neben seinen Balletten und Klavierwerken vor allem  für seine Sinfonien bekannt. In seinem Schaffen finden sich aber auch einige Glanzstücke der Kammermusik, etwa das erste Streichquartett. Das Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice spielt hier den zweiten Satz in der Version für Streichorchester. Die größere Klangfülle kommt dem Hauptthema zugute; die gesangliche Melodie kann hier mit viel Fläche unterlegt werden, was dem Streichquartett nicht möglich gewesen wäre. Im zweiten Thema scheint das Orchester dagegen fehl am Platz. Die Umspielungen in der Melodie wirken lieblos und gestelzt, da sich die Musiker hier auf eine Version einigen mussten, wogegen die Solisten eines Streichquartetts hier ihre persönliche Note hätten einbringen können. Die Elegie zu Ehren von Iwan Samarin ist ein weiteres Stück für Streichorchester. Auch hier wird das Hauptthema ausdrucksvoll vorgetragen, im unruhigen Mittelstück dagegen haben die Musiker mit einigen Ungenauigkeiten zu kämpfen, was das Tempo angeht. Es gelingt ihnen jedoch rechtzeitig, sich zu fangen und das Stück zu einem schönen Ende zu führen.

Solist und Orchester im Einklang

Ein Highlight auf dieser CD sind hingegen die Rokoko-Variationen für Violoncello und Orchester von Peter Tschaikowsky, bei denen der Cellist Jirí Bárta brilliert. Das Hauptthema spielt er gesanglich und ausdrucksstark, bewahrt jedoch im ganzen Stück auch eine vornehme, dem ‚alten Stil‘ angemessene Leichtigkeit. Das Orchester passt sich in Lautstärke und Tempo dem Solisten genau an, bleibt energiereich und präsent und drängt sich dabei gleichzeitig nicht in den Vordergrund. Bárta zeigt technische Versiertheit neben gefühlvollem Spiel und in den ruhigeren Variationen eine fast makellose Intonation in den hohen Lagen sowie  im Flageolett. Besonders beeindruckend sind die Oktavgriffe zum Schluss des Stückes. Dieses Niveau behält Bárta auch beim 'Pezzo capriccioso' für Violoncello und Orchester bei. Träumerisch und melancholisch spielt er seine Stimme aus und zeigt noch einmal seine technischen Fähigkeiten, allerdings mit leichten Schwächen bei schnellen Oktavsprüngen in die hohe Lage. Das Orchester kommt dabei manchmal jedoch nicht schnell genug hinterher.

Prokofjew hat mit seiner Sinfonietta ein Werk für ein kleines klassisches Orchester geschrieben. Hier zeigt das tschechische Orchester sein Können: Makellos im Zusammenspiel schaffen die Musiker, dem Werk viel Leben einzuhauchen. Das gelingt gleich zu Beginn mit einem locker leicht vorgetragenen ersten Satz. In ihren Phrasierungen und in ihrer Dynamik scheint die Melodie Wellen zu schlagen und gleicht einem Bach, dessen lebhaftes Fließen von nichts gestört werden möchte. Wuchtig und massig erklingt dagegen der vierte Satz und lebt auch hier von den gut ausgearbeiteten Dynamikunterschieden. Der letzte Satz ist hingegen wieder wie der erste Satz gehalten, wechselt sich dabei aber mit langsamen Passagen ab, die von den Musikern herrlich breit, wie eine entspannende, das sonst fröhliche Vorwärtsdrängen unterbrechende Pause gedeutet werden.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Robert Puzik,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Svarovsky, Leos dirigiert: Werke von Tschaikowski & Prokofieff

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arco Diva
1
05.12.2012
Medium:
EAN:

CD
8594029811454


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Arco Diva

Seit seinen Anfängen im Jahr 1998 gehört Arco Diva aus Prag zu den bedeutendsten unabhängigen Produzenten klassischer Musik in Tschechien und Mitteleuropa, die sich nach den politischen Umwälzungen 1989 etablierten.

Der Katalog des Labels umfasst mehr als hundert Titel; viele davon wurden auch außerhalb Tschechiens ausgezeichnet. Arco Diva legt pro Jahr etwa 12 neue Produktionen vor, sehr oft in Kooperation mit Institutionen wie dem tschechischen Rundfunk, dem internationalen Festival ?Prager Frühling? usw. Das Label ist stets auf der MIDEM in Cannes vertreten und exportiert nach Übersee incl. Asien (Japan, China, Südkorea).

Der Schwerpunkt der Produktionen liegt vorwiegend, aber nicht ausschließlich, auf Werken tschechischer und mittel- bzw. osteuropäischer Komponisten. Das Label sucht ständig nach neuen, vielversprechenden Interpreten und versucht, junge Künstler zu promoten. Besonders bedeutende Aufnahmen sind das Oratorium ?Svata Ludmilla? von Dvorák (als SACD in Kooperation mit dem ?Prager Frühling? erschienen), das Oratorium ?Judas Maccabäus? von Sylvie Borodová und andere mit dem Radiosymphonieorchester Prag, dem Prager Symphonieorchester, dem philharmonischen Orchester Brno, dem Prager Kammerorchester, Prague Philharmonia usw. Zum Kreis der Künstler zählen die Quattro Group, Gabriela Benackova, Stefan Margita, Katerina Englichova, Martin Kasi, Martina Bacova, dem tschechischen Knabenchor Boni pueri, dem Quattro Orchester, Wihan Quartet, ArteMiss Trio, Puella Trio und Komponisten wie Sylvie Bodorova, Lubos Fiser, Zdenek Lukas, Otmar Macha.

Technisch arbeitet das Label in der hochauflösenden 24 bit/96 KHz-Technik, wobei auch Dienstaufträge für andere Label wie Praga Digital übernommen werden. Arco Diva ist ein Pionier bezüglich des Digitalvertriebs in Tschechien und repräsentiert dort die Firma The Orchard.


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