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Mittwoch, 20. Oktober 2021

Grabbe, Johann - Madrigals

Solitär


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Johann Grabbes Madrigale stehen als Sammlung von enormer Qualität im nur spärlich überlieferten Werk des Schütz-Zeitgenossen da: superb geboten vom Ensemble Weser-Renaissance unter Manfred Cordes' kundiger Leitung.

Wenn sich Manfred Cordes und sein Ensemble Weser-Renaissance auf ihrer aktuellen Platte Madrigalen aus der Feder Johann Grabbes (1585-1655) widmen, bewegen sie sich im Herzen dessen, was als Weserrenaissance bezeichnet wird – die üppige höfische Entfaltung von Kassel über Brake und Bückeburg bis Wolfenbüttel. Grabbe kam als Kapellknabe nach Brake, wurde dort, knapp zwanzigjährig, Kapellmeister und konnte mit einem Vertrag und finanzieller Absicherung seines Dienstherrn, Graf Simon VI. zur Lippe, 1607 für zwei Jahre zu einer musikalischen Bildungsreise aufbrechen. Grabbe wandte sich nach Venedig zu Giovanni Gabrieli, traf dort auf den Dänen Mogens Pedersøn und den gleichaltrigen Heinrich Schütz. Wie diese legte Grabbe seine kompositorische Probe in Gestalt einer Madrigalsammlung als Opus eins ab.

Der junge Meister steht dabei hörbar in der Tradition Gabrielis und agiert auf soliden kontrapunktischen Fundamenten. Doch zeigt eine sehr bewegte, gelegentlich sogar heikle Linienführung den individuellen Zugriff, ist auch die variantenreiche Harmonik mit etlichen überraschenden Wendungen und effektvoll platzierten Schlusswirkungen bemerkenswert. Insgesamt ist eine eigenständige künstlerische Handschrift erkennbar: Es sind praktisch keine formelhaften Gesten zu hören, den Charakter einer Abschlussarbeit als Schüler Gabrielis vermeidet Grabbe ebenso souverän wie Heinrich Schütz.

Eine enge Wortbindung sichert den Madrigalen intensive deutende Impulse – Grabbe erweist sich als Madrigalist von Graden. Überhaupt zeigt sich der junge Tonsetzer schon mit dieser Sammlung als eminente kompositorische Größe. Man kann es vor diesem Hintergrund nicht genug beklagen, dass wir mit dem Programm der vorliegenden Platte quasi das überlieferte Gesamtwerk des Komponisten vor uns haben – zu groß sind die Verheißungen des ersten Opus.

Stilexpertise und Klangsinn

Manfred Cordes hat für diese hochattraktive Musik einmal mehr ein ausgewogen klangschönes Vokalensemble formiert, in dem sich hohe stilistische Expertise und Erfahrung versammeln: Die Soprane Ulrike Hofbauer und Monika Mauch, der Altus David Erler, die Tenöre Bernd Oliver Fröhlich und Johannes Weiss sowie der Bass Kees Jan de Koning agieren beweglich, angemessen eloquent und überaus klangsensibel. Von den feinen Diskanten über charakteristische Mittelstimmen bis zu einer klar konturierten Vokalbasis wirkt das Ensemble harmonisch.

Dabei greifen die Vokalisten die feine, kleinteilige Anlage der Madrigale sehr gelungen auf und fügen dieses bewegte Geschehen in einen edlen, linear konsequent gebauten Grundduktus ein. Intonatorisch bleiben keine Wünsche offen. Das gilt auch für die begleitenden und in einigen originellen Sätzen hervortretenden Instrumente: Die zeigen sich gleichfalls elegant und nobel tönend, in strömender Linearität und mild ausgeformter tänzerischer Leichtigkeit gleichermaßen zu Hause.

In den rein instrumentalen Sätzen vermag das Klangbild vollends zu überzeugen. Auch die vokale Realisation ist nicht ohne Charme, doch zeigt sich hier ein gewisser Mangel an Präzision, sind kleinere Abstriche in der Plastizität hinzunehmen. Realisiert wurde die Aufnahme in Schloss Brake, am Wirkungsort Grabbes also. Doch scheint der Raum bei aller Authentizität das vokale Geschehen nicht unbedingt unterstützt zu haben, wirkt er auch im Nachklang gelegentlich etwas eng.

Manfred Cordes und seine potenten Mitstreiter widmen sich hochinteressanter Musik. Grabbe steht ausweislich seiner Madrigale zu Unrecht im Schatten Heinrich Schütz und anderer Zeitgenossen. Doch ist seine relative Unbekanntheit zu erklären – zu isoliert stehen seine Madrigale ohne überliefertes Reifewerk da. Cordes‘ Deutung setzt sehr überzeugend auf Delikatesse und geschmackvolle Dezenz.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Grabbe, Johann: Madrigals

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
20.12.2012
Medium:
EAN:

CD
761203766222


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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