> > > Rachmaninoff, Sergei: All-Night Vigil op. 37
Donnerstag, 28. Oktober 2021

Rachmaninoff, Sergei - All-Night Vigil op. 37

Chorklassiker


Label/Verlag: Ondine
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Sergej Rachmaninoffs Ganznächtliche Vigil op. 37 in einer berückend schönen Aufnahme mit dem Lettischen Radiochor.

Die geistliche Chormusik nimmt im Schaffen Sergej Rachmaninoffs keinen sehr großen Raum ein, dennoch gehören mit der Chrysostomos-Liturgie op. 31 von 1910 und der Ganznächtlichen Vigil op. 37 aus dem Jahr 1915 zwei außerordentlich gewichtige und raumgreifende Werke in diesen Kreis – Werke, die der Komponist selbst zeitlebens schätzte, genauso, wie sein großes Poem für Soli, Chor und Orchester 'Die Glocken' op. 35 von 1913.

Die Vigil op. 37 stellt der Lettische Radiochor in einer neuen Einspielung vor, auf erfreulich hohem Niveau – was angesichts der bisherigen Produktionen des Ensembles alles andere als überraschend ist. Die Letten konfrontieren sich mit Rachmaninoffs hochinspirierter Auseinandersetzung mit dem ihm wohlvertrauten Erbe der geistlichen Musik russisch-orthodoxer Prägung. Auch wenn der Komponist kein religiöser Mensch im Sinne eines regelmäßigen Kirchgängers war, war ihm die spezielle Sphäre geistlicher Tradition doch vertraut, kannte er auch das klassische kirchenmusikalische Schaffen manches Vorgängers.

Seine fünfzehnteilige Komposition zeigt eine überaus individuelle Anverwandlung dieser Traditionen: Harmonisch, dynamisch, in der präzisen Ausformung der vokalen Linien ist es natürlich eindeutig Kunstmusik, aber doch solcher Art, dass sie jenen schlichten, gefassten Ton der musikalischen Grundlagen nie aus dem Blick verliert. All das hält Rachmaninoff in fein schwebender Balance, durchaus überwältigende klangliche Effekte in diese Szenerie integrierend, das Gesamtbild immer klug disponierend.

Das Werk fordert von den Bässen immer wieder tiefste Tiefen, es geht gar bis zum tiefen B hinab. Aber auch dieser Klangreiz wird nicht aus Gründen plakativer Wirkung beigesteuert, sondern zwingend aus dem Satz entfaltet. Rachmaninoffs Chorsatz insgesamt atmet über weite Strecken eine erstaunliche Leichtigkeit, wirkt eher schwebend und elegant denn mächtig und geballt – trotz Aufweitung bis zur Achtstimmigkeit.

Chorgesang von höchster Qualität

Der Lettische Radiochor ist ein hochprofessioneller Kammerchor, der mit wunderbar gerundeten Registern an diese Herausforderung geht. Die Stimmgruppen sind sehr homogen in ihrer Wirkung, die vokalen Linien werden elegant entfaltet, tolle Unisoni zeugen von den Qualitäten der Vokalisten. Natürlich gibt es Momente intensiver Kraftentfaltung – aber auch da wird die dynamische Kontrolle nicht aufgegeben, werden die Möglichkeiten immer präzis dosiert und überzeugend in die lineare Entwicklung integriert. Natürlich sind die Bässe besonders gefordert und sie lösen diese Herausforderung mehr als überzeugend: Mit wunderbarer Schwärze, dabei doch gerundet und angenehm in den Chorklang integriert. Auch der Choralt glänzt mit etlichen schönen Kantilenen.

Die Intonation ist makellos rein, auch in extrem geweiteter Lage nie gefährdet und insgesamt hocherfreulich. Es wird in den fünfzehn Sätzen ein intensiver Spannungsbogen zwischen lyrischer, mit leichter Hand entfalteter Schönheit und intensiven, energiereichen Impulsen gestaltet, der Rachmaninoff ästhetisch als Romantiker im allerbesten Sinn charakterisiert. Insgesamt erweist sich der Lettische Radiochor einmal mehr als hochpotentes Ensemble mit allen Möglichkeiten eines modernen Kammerchors. Edler Schönklang ist mindestens garantiert, oft ist sehr viel mehr zu erleben.

Sigvards Kļava lässt die Musik frei fließen, die Musik gewissermaßen aus sich selbst heraus entfaltend, durchaus angereichert mit fast fröhlichen Impulsen aus mancher Lobpreis-Passage oder Halleluja-Rufen. Und natürlich ist – trotz grundsätzlich sehr konzentrierter Haltung – ein bemerkenswert großes dynamisches Spektrum präsent.

Das Klangbild ist erfreulich konzentriert, wirkt zugleich groß und erhaben. Die Stimmen sind sehr gelungen balanciert, vor allem die Bässe sind angemessen präsent. Dazu wirkt der Diskant nie hart oder kristallin. Ein wirklich erfreulicher Befund. Im sehr überschaubaren Booklet werden Basisinformationen in englischer und finnischer Sprache geboten – da wäre etwas mehr inhaltliche Beigabe doch erfreulich gewesen.

Die von Sigvards Kļava umsichtig geleiteten Letten werden allen Erwartungen an eine niveauvolle Deutung dieses wunderbaren Chorwerks mühelos gerecht: Großer Klang, viel lyrische Schönheit, feines Differenzierungsvermögen und natürlich tiefschwarze Bässe prägen die Szene. Es ist eine auch klanglich sehr schöne, in der nicht gerade kurzen Diskografie des Stücks absolut konkurrenzfähige Produktion dieses Chorklassikers.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rachmaninoff, Sergei: All-Night Vigil op. 37

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Ondine
1
19.11.2012
Medium:
EAN:

SACD
761195120651


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Ondine

The roots of Ondine date back to 1985 when founder Reijo Kiilunen released the very first Ondine album under the auspices of the renowned Finnish Kuhmo Chamber Music Festival. The label's initial mission was to produce one live album at the Festival each season. The fourth album, however, featured Einojuhani Rautavaara's opera Thomas (ODE 704-2), raising major international attention and opening the ground for overseas distribution. Kiilunen, who was running the Festival's concert agency and had begun the recording activity part-time, soon decided to devote himself fully to the development of this new business, producing and editing the first 50 releases himself. Since 2009 the company has been a part of the Naxos Group.

Today Ondine's extensive catalogue includes nearly 600 recordings of artists and ensembles such as conductor and pianist Christoph Eschenbach, conductors Vladimir Ashkenazy, Vasily Petrenko, Mikhail Pletnev, Esa-Pekka Salonen, Hannu Lintu, Jukka-Pekka Saraste, Sakari Oramo, Leif Segerstam and John Storgårds, orchestras such as The Philadelphia Orchestra, Orchestre de Paris, London Sinfonietta, Bavarian Radio Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Russian National Orchestra, Czech Philharmonic, Finnish Radio Symphony Orchestra, Helsinki Philharmonic and Tampere Philharmonic, sopranos Soile Isokoski and Karita Mattila, baritone Dmitri Hvorostovsky and Gerald Finley, violinist Christian Tetzlaff, violist David Aaron Carpenter, cellist Truls Mørk and pianist Olli Mustonen.

The label has also had a long and fruitful association with Finnish composers Einojuhani Rautavaara, Magnus Lindberg and Kaija Saariaho, having recorded the premieres of many of their works and garnering many awards along the way.


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