> > > Festliche Operngala für die Deutsche AIDS-Stiftung: Werke von Rossini, Verdi u.a.
Samstag, 22. Februar 2020

Festliche Operngala für die Deutsche AIDS-Stiftung - Werke von Rossini, Verdi u.a.

Der Zweck heiligt die Mittel


Label/Verlag: EuroArts
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die 18. Festliche Operngala schrammt im Format einer geschnittenen Bildkonserve ohne Moderation und wenigen vokalen Highlights bedrohlich an gepflegter Langeweile vorbei.

Die mittlerweile traditionsreiche Berliner Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung ging im November 2011 in die 18. Runde. Einst hatte Loriot diese Gala moderiert, doch schon vor dem Tod Loriots trat Max Raabe mit geistreichen und prägnant formulierten Moderationen in dessen Fußstapfen. Raabes Zwischentexte fehlen auf der bei Euro Arts erschienenen DVD dieser 18. Operngala leider gänzlich, nur im Schlussapplaus ahnt man etwas von Raabes Anwesenheit. Dieser Umstand schmerzt, denn vermutlich hätten eben diese Texte zur Unterhaltsamkeit der Operngala enorm beigetragen, die nun im Format einer geschnittenen Bildkonserve bedrohlich an gepflegter Langeweile vorbeischrammt. Von der Crème de la Crème der europäischen Opernstars, wie sie das Cover bewirbt, kann keine Rede sein. Mit Adrianne Pieczonka, Vivica Genaux, Alex Esposito und Simone Kermes sind zwar illustre Gäste gewonnen worden, die sich allerdings nur teilweise von ihrer besten Seite präsentieren; ergänzt wird das Ensemble von jungen Stimmen, die es noch zu entdecken gilt und die auch heute – zwei Jahre nach dieser Gala – noch immer nicht zur sogenannten Crème de la Crème zu zählen wären.

Das Programm dieser von Donald Runnicles sehr souverän dirigierten Gala hält neben den großen Dauerbrennern aus 'Tosca', 'Il Trovatore', 'Tannhäuser' und 'Aida' auch zwei Raritäten bereit: Die amerikanische Mezzosopranistin Vivica Genaux brennt mit einer Arie aus Giacomo Meyerbeers 'Emma di Resburgo' ein kleines aber gepflegtes Koloraturfeuerwerk ab, das deutlich in der Tradition eines Gioacchino Rossini steht. Ein Jahr zuvor hatte Genaux in dieser Oper in Wien Erfolge feiern können, nun wiederholt sie ein Bravourstück dieser Ausgrabung in Berlin.

Im berühmten Blumenduett aus Léo Delibes 'Lakmé' ist die Mezzosopranistin noch einmal zu erleben, diesmal mit Simone Kermes an ihrer Seite. Die gefeierte Leipziger Sopranistin scheint allerdings an diesem Abend nicht in bester Verfassung zu sein. Beide Damen singen ihre Partien zwar tadellos, aber die Stimmen wollen sich partout nicht in der Form mischen, wie es dieses Opernduett erfordern würde. So bleibt ein fader Beigeschmack, wenn Kermes ihre berühmten Höhenpiani ansteuert, leicht affektiert herumziseliert und sich auch nicht scheut, physisch auf Kuschelkurs mit der Kollegin zu treten. Die Show ist größer als das klangliche Ergebnis – schade.

Von anderem Holz ist da die kanadische Sopranistin Adrianne Pieczonka, die in Europa vor allem durch ihre Strauss- und Wagner-Interpretationen bekannt ist. In dieser Berliner Operngala zeigt sie sich von der agilen Seite mit der Arie der Elvira aus Giuseppe Verdis 'Ernani'. Freilich gerät das 'Ernani, involami! ' bei ihr nicht zum soubrettigen Koloraturen-Walzer, als den man es oft hört, sondern ist mit der Verve und dem Feuer einer wahren Diva ausgestattet. Pieczonka verbindet gekonnt italienischen Ziergesang mit der nötigen Dramatik der Partie. Sie verfügt über die notwendigen Spitzentöne, die Triller und die Treffsicherheit bei großen Sprüngen. Hier trifft Crème de la Crème einmal zu.

Auch der Bassist Alex Esposito bringt einen Hauch großer Gesangskunst in die Deutsche Oper Berlin, wenn er die Arie 'Accusata di furto' aus Rossinis 'La gazza ladra' anstimmt. Esposito verfügt über einen kernigen, jugendlichen Bass, seine Höhe ist frei von Druck, die Koloraturen perlen mit Eleganz.

Mit Aidas 'O patria mia' präsentiert sich die junge Sopranistin Kristin Lewis, die im Beiheft äußerst mutig als Verdi-Spezialistin angepriesen wird. Das ist hoch gegriffen. Tatsächlich lässt Lewis mit einer ausnehmend schönen Sopranstimme und goldenem Timbre aufhorchen. Das mit Spannung erwartete Höhenpiano am Ende der Arie erfüllt sich. Allerdings springt Kristin Lewis hörbar zwischen den Registern. Auf einer runden und ruhigen Mittellage sitzt eine dünne und völlig anders timbrierte Höhe, die wie eine andre Stimme wirkt. Auch ihre Textbehandlung ist alles andere als vorbildlich. Dennoch lässt die Stimme einiges erhoffen, wenn sich die junge Sängerin Zeit lässt, große Partien wie Aida und Konsorten mit Sorgfalt und technischer Souveränität zu erarbeiten. Doch auch nun, 2013, hat sie nicht gerade die internationalen Bühnen mit Verdi-Partien erobert.

Da ist es eine regelrechte Erleichterung das fulminante 'O don fatale' aus Verdis 'Don Carlo' von der russischen Mezzosopranistin Anna Smirnova zu hören. Die Tiefe wirkt zwar etwas kehlig und auch Effekt des Brustregisters spart Frau Smirnova nicht, aber sie hat keinerlei Probleme, die Partie technisch und interpretatorisch zu bewältigen. Man versteht, warum sie von München bis New York als Eboli ein gern gesehener Gast ist.

Die Herrenriege führen die jungen Tenöre Antonio Poli, Teodor Ilincai und Francesco Demuro an. Poli begeistert mit einem sehr italienisch gesungenen und stilistisch unbekümmerten 'Ah! Lève-toi, soleil' aus Gounods 'Roméo et Juliette', aus dem man vor allem sein prachtvolles Stimmmaterial heraushören kann, während der Rumäne Teodor Ilincai mit Cavaradossis 'E lucevan le stelle' einen vokalen Grenzgang antritt. Der eher lyrisch grundierten Tenorstimme verlangt er mit seinem dramatischen Gestus einiges ab, aber es gelingt ihm beachtlich. Ähnliches gilt für Francesco Demuro, der in der Arie des Rodolfo aus Verdis 'Luisa Miller' vor allem im Cantabile überzeugen kann. Die Dramatik des Rezitativs produziert er mit enormem Druck und unglaubwürdiger Künstlichkeit, dann aber befreit sich die Stimme und eine gut ansprechende Höhe und kultivierte Phrasierung bricht sich Bahn.

Der Bariton Dalibor Jenis entledigt sich gleich zu Beginn mit Souveränität aber unruhiger Stimmführung der Arie des Luna aus Verdis 'Il Trovatore', während das Finale dem Fass den Boden ausschlägt: Simone Kermes und Francesco Demuro versuchen sich mehr schlecht als recht an 'Time to say Goodbye'. Nicht nur dass beide Solisten an ihren Handmikrofonen mit der Intonation zu kämpfen haben, sie wirken auch stilistisch vollkommen überfordert. Simone Kermes muss sich auch oft räuspern, was eventuell auf eine Indisposition hindeutet – man kann ja noch hoffen. Als sie aber noch vor Demuro spontan auf die Knie fällt und rehäugig zu ihm aufschaut, ist die Peinlichkeitsgrenze überschritten. Da stören dann noch nicht einmal mehr die übrigen Solisten, die allesamt als Backgroundchor den einstigen Hit mit Notenbuch in der Hand wenig überzeugend absingen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Regie:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Festliche Operngala für die Deutsche AIDS-Stiftung: Werke von Rossini, Verdi u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
EuroArts
1
19.11.2012
Medium:
EAN:

DVD
880242590091


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EuroArts

EuroArts Music International ist im Bereich audio-visueller Klassikproduktionen eine der weltweit führenden Produktions- und Distributionsfirmen. Das 1979 gegründete Unternehmen produziert jährlich 10-15 hochwertige Klassik-Programme – darunter Konzertaufzeichnungen in aller Welt sowie aufwändige Dokumentationen.

Renommierte, preisgekrönte Programme und Events haben EuroArts Music zu einem exzellenten internationalen Ruf verholfen. Eine intensive und langjährige Partnerschaft verbindet EuroArts Music mit führenden Klangkörpern wie den Berliner Philharmonikern, dem Mariinsky Theater Orchester, dem Lucerne Festival Orchestra, der Staatskapelle Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig und vielen anderen.

Die alljährlichen Aufzeichnungen des EUROPAKONZERTs, des Waldbühnen- und Silvester-Konzerts der Berliner Philharmoniker sind erfolgreiche und weltweit etablierte Musikprojekte von EuroArts Music. Im August 2005 produzierte und übertrug EuroArts Music live das weltweit beachtete Ramallah-Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim. Im Januar 2006 produzierte EuroArts Music die erste Klassik-Live-Übertragung von Peking nach Europa (u.a. mit Lang Lang). Die weltweit einmaligen Musik-TV-Formate 24hoursBach und 24hoursMozart wurden zu zwei international erfolgreichen Musikevents dieses Unternehmens.

In 2012 wurde ein kompletter Prokofiev-Zyklus mit sämtlichen Sinfonien und Klavierkonzerten aufgezeichnet.

Seit vielen Jahren verbindet EuroArts Music eine enge Zusammenarbeit mit herausragenden Künstlern wie Daniel Barenboim, Sir Simon Rattle, Valery Gergiev, Claudio Abbado, Martha Argerich, Yuja Wang und András Schiff sowie renommierten Regisseuren Bruno Monsaingeon, Frank Scheffer und Peter Rosen. Das Ergebnis sind Gesamtaufnahmen wie „The Beethoven Symphonies“ (Abbado/Berliner Philharmoniker) und preisgekrönte Dokumentationen wie Claudio Abbado – Hearing the Silence“ oder „Multiple Identities – Encounters with Daniel Barenboim“. 2006 wurde die EuroArts Music Produktion „Knowledge is the Beginning“ mit dem International Emmy Award (Arts Programming) ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm wurde 2007 mit weiteren Preisen geehrt, darunter der FIPA D'OR Grand Prize 2007 (Kategorie „Performing Arts”) sowie als „Best Arts Documentary„ bei dem renommierten 2007 Banff World Television Festival.

Innovation und Qualität bildeten von Anfang an die Grundpfeiler der Firma. Zahlreiche internationale Auszeichnungen bestätigen dies, darunter:

Oscar® für die Koproduktion von „Journey of Hope”

Grammy Award für „Kurt Weill’s: Rise and Fall of the City of Mahagonny”

Emmy Award und ECHO Klassik für „Knowledge is the Beginning”

2 weitere ECHOs für „A Surprise in Texas” (ECHO Klassik) und

„Django Reinhardt- Three-fingered Lighnting” (ECHO Jazz)

Peabody Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

National Education Award (USA) für „Sir Peter Ustinov: Celebrating Haydn”

 

Sowie folgende Nominierungen:

 

Emmy Award für „Robbie Robertson”

Rocky und Grammy Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

 

Der Katalog von EuroArts Music umfasst rund 1.800 Musikprogramme, darunter gehören neben EuroArts Eigenproduktionen auch Programme von zahlreichen unabhängigen Produktionsfirmen.
Das in Berlin ansässige Unternehmen vertreibt seine Programme weltweit selbst. EuroArts Music gehört auch im Vertrieb von audio-visuellen Musikproduktionen (TV und DVD/Blu-ray) zu den weltweit führenden Distributoren.

Viele eigene Produktionen werden weltweit auf dem eigenen Label EuroArts als DVD und Blu-ray, sowie als digitales Produkt vermarktet.

Seit 2016 werden die physischen Produkte durch Warner Music vertrieben.


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