> > > Händel, Georg Friedrich: Deidamia
Donnerstag, 28. Oktober 2021

Händel, Georg Friedrich - Deidamia

Erotik und Tiefsinn


Label/Verlag: Opus Arte
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Witzig-ironische aber auch tiefsinnige Produktion der letzten Händeloper mit einer exzellenten Sängercrew.

'Deidamia' ist die letzte große Oper Georg Friedrich Händels, 1741 in London aufgeführt und damals ein großer Flopp. Vielleicht hatte das Londoner Publikum einfach genug tragische Frauengestalten gesehen und wollte nun etwas anderes. Die Geschichte handelt von der skyrischen Königstochter Deidamia, die sich in den jungen Achill verliebt hat. Achill hält sich auf der griechischen Insel versteckt, weil er nicht in den Kampf der Griechen gegen Troja mitziehen möchte. Damit er wirklich nicht entdeckt wird, hat er sich als Frau verkleidet, und nur Deidamia und Licomede, der König von Skyros, kennen sein Geheimnis. Eines Tages kommt Odysseus auf die Insel. Sein Auftrag: Er soll Achill finden und ihn zum Kampf gegen Troja motivieren. Über Irrungen und Wirrungen, komödiantische, tragische Szenen und Demaskierungen endet die Oper damit, dass Achill einwilligt, die Insel zu verlassen und Deidamia allein zurückzulassen. Sie teilt damit Odysseus Schicksal, der sich nach seiner fernen Penelope sehnt, und Händel hat für beide ein bedrückend schönes Schlussduett komponiert.

David Alden lässt die Handlung in einer Szenerie von Paul Steinberg spielen, der eine phantasievolle Mischung aus Pop-Art, griechisch-archaisierenden Kostümen und Möblierung aus den Sechzigern auf die Bühne stellt. Darin entwickelt sich witzig-ironisch, manchmal mit skurril-britischem Humor, teilweise auch bedrohlich, wenn beispielsweise die Griechen die Insel verkabeln und belagern, und immer wieder, vor allem gegen Ende der Oper, auch mit großem Ernst die Handlung.

Die Besetzung für diese selten aufgeführte Oper ist durchweg ausgezeichnet. Deidamia verwandelt sich, ähnlich wie Alcina, von einer unbekümmerten, verliebten jungen Frau im Laufe der Handlung zur dramatischen Heldin. Sally Matthews kann mit ihrer vollen, klaren, farbenreichen und flexiblen Sopranstimme diesen Wandel von der kokettierend-erotischen jungen Frau zur großen dramatischen Leidensgeste überzeugend darstellen. Olga Pasichnyk singt und spielt mit großer Leidenschaft Achill. Die wahnwitzigen Koloraturen, die ihre Partie verlangt, werden grandios gestaltet, und allein die Tatsache, dass eine Frau einen Mann singt, der sich als Frau verkleidet, sorgt natürlich für Heiterkeit. Veronica Cangemi bringt in die Rolle der Nerea, einer Freundin von Deidamia, Leichtigkeit und Erotik, und Silvia Tro Santafé meistert die schwere Partie des Odysseus brillant. Nur Umberto Chiummo legt die Rolle des Königs Licomede dann doch etwas zu eindimensional an.

Ivor Bolton dirigiert das Concerto Köln knackig und schneidig – zu Beginn der Aufführung noch mit etwas unnötigem Druck, aber dann zunehmend frei und unglaublich frisch. Auch das notwendige Pathos in den großen Arien von Deidamia gelingt ihm gut. Die Aufnahmetechnik ist hervorragend, der Klang ist plastisch und der Bildregie (Joost Honselaar) gelingt es, die Aufführung so abzufilmen, dass man trotz der vielen Einzelbilder ein Gefühl für die ganze Bühne behält. Die DVD enthält darüber hinaus eine interessante Dokumentation über die Produktion, die 2012 an der Niederländischen Oper lief. Für Händel-Fans eine echte Empfehlung, für Fans des bewährten Gespanns Bolton-Alden ein Muss!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Händel, Georg Friedrich: Deidamia

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Opus Arte
1
19.11.2012
Medium:
EAN:

DVD
809478010883


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