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Mittwoch, 21. August 2019

Lasso, Orlando di - Hymnen

Gebrauchsmusik mit Ewigkeitswert


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Wunderbare Hymnen von Orlando di Lasso in einer rundum gelungenen Interpretation durch das Münchner Vokalensemble Singphoniker.

Orlando di Lasso war ganz ohne Zweifel ein universell gebildeter und interessierter Renaissancekünstler und blieb doch seinem bayerischen Wirkungskreis eng verbunden. Als sich im Nachgang des Konzils von Trient die Notwendigkeit ergab, einen Zyklus von Hymnen zu komponieren, der die Münchner Praxis an den römischen Ritus anpassen sollte, schuf di Lasso in den Jahren 1580/81 eine solche Sammlung für die gottesdienstliche Praxis seines Dienstherrn, Herzog Wilhelms V. Er verwendete dafür die weit verbreitete Alternatim-Praxis, die den steten Wechsel von einstimmigen Grundlagen und elaborierter Polyphonie als Basis hatte, dabei aber auch mit durchgehender Mehrstimmigkeit kontrastiert wurde. Lasso wäre nicht der große Meister, als der er heute zu Recht bewundert wird, nähme er sich nicht auch hier souverän den Raum, textdeutend aktiv zu werden. Auch insofern sind seine Hymnen als Zeugnis reifer Künstlerschaft anzusehen.

Echte Könner

Die profilierten Singphoniker, in München beheimatet wie Orlando di Lasso, wenden sich diesem kostbaren Repertoire mit üppigen Qualitäten zu: Trotz eines geschlossenen und harmonischen Ensembleklangs fallen sehr präsente Einzelstimmen ins Gewicht, lassen sich voller Lebendigkeit und Eigenständigkeit hören, formen eine überaus plastische Registrierung aus und zeichnen das polyphone Geschehen in bemerkenswerter Klarheit. In der gelegentlich geforderten Sechsstimmigkeit erreichen die Vokalisten eine fast schon prachtvoll zu nennende klangliche Größe. Obwohl neben den Bässen Christian Schmidt und Michael Mantaj auch die Tenöre Henning Jensen und Daniel Schreiber sowie Gerhard Hölzle als Gast zu überzeugen wissen, verdient der Countertenor Markus Geitner doch eine besondere Erwähnung: Seine feine, leichte, durchaus mit einer gewissen Schärfe ausgestattete Stimme krönt den Ensembleklang mit leuchtender Klarheit und fügt sich auch in die subtil ausgehörte Einstimmigkeit geglückt ein.

Die Intonation des Ensembles ist schlicht perfekt zu nennen: Die Sänger agieren harmonisch, ausgewogen, ohne den leisesten Anflug von Druck. Auch artikulatorisch treffen die Singphoniker di Lassos Ton präzise, erweisen sie sich als Kenner seines kompositorischen Idioms: In harmonisch gebaute, weit ausgreifende Bögen integrieren sie eine fein dosierte Beweglichkeit. Und sie deuten auch das bei di Lasso waltende schlichte, sinnlich zugängliche, kontrapunktisch gelockerte Moment gekonnt.

Das Klangbild balanciert das Verhältnis von Konzentration und Größe gelungen aus, die Staffelung ist vorzüglich, die Positionierung im Raum weiß zu überzeugen. Im zweisprachigen, angemessen fotografierten Booklet gibt es einen zwar überaus kundigen, leider aber viel zu knapp gehaltenen Text von Bernhold Schmid.

Insgesamt zeigen die Singphoniker auf ihrer neuesten Produktion eine vorbildliche Ensembleleistung: Zu hören ist ein reifer, hochdifferenzierter Klang, der das strukturstarke, elaborierte Element wunderbar mit der affektiven, wortdeutenden, klangsinnlichen Sphäre ausbalanciert, die bei di Lasso immer klarer Raum gewinnt. Diese Platte ist ein deutlicher Höhepunkt in der jüngeren Diskografie des Ensembles.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Lasso, Orlando di: Hymnen

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
20.11.2012
Medium:
EAN:

CD
761203775125


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Lasso, Orlando di
 - Audi, benigne conditor a 5 -
 - In festo Nativitatis Christi hymnus - Christe redemptor amnium a 5
 - Vexilla regis prodeunt a 6 -
 - In octavis Paschae hymnus - Ad coenam agni providi a 4
 - O salutaris hostia a 5 -
 - In festo Purificationis deiparae virginis hymnus - Ave maris stella a 4
 - Jesu, nostra redemptio a 6 -
 - In festo pentecostes hymnus - Veni creator spiritus a 5
 - Veni creator spiritus a 6 -
 - In Epiphania Domini hymnus - Hostis Herodes impie a 5
 - Jesu, corona virginum a 6 -
 - In adventu Domini hymnus - Conditor alme siderum a 5


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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