> > > Brahms, Johannes: Klaviertrios Nr. 1-3
Samstag, 28. Mai 2022

Brahms, Johannes - Klaviertrios Nr. 1-3

Gemächlich und klangvoll


Label/Verlag: Supraphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Smetana Trio legt gemeinsam mit Gastmusikern eine Aufnahme mit den Klaviertrios von Johannes Brahms vor, die mitunter eine Spur zu gemächlich erscheint.

Mit dieser bei Supraphon erschienenen Doppel-CD hat das mit Jitka Čechová (Klavier), Hana Kotková (Violine) und Jan Páleníček (Violoncello) besetzte Smetana Trio gemeinsam mit den Gastmusikern Přemysl Vojta (Horn) und Ludmila Peterková (Klarinette) eine weitere Gesamtaufnahme der Klaviertrios von Johannes Brahms vorgelegt. Exemplarisch für die Eigenarten der Interpretation ist bereits die Annäherung an das Trio H-Dur op. 8, das hier in der revidierten Fassung von 1889 eingespielt wurde: Die Musiker nehmen das Tempo im Kopfsatz eher gemächlich, wodurch sie zwar Zeit zur Formung der Phrasen gewinnen; im Gegenzug dazu reizen sie allerdings die Möglichkeiten der dynamischen Gestaltung nicht aus und folgen der Tendenz, Kontraste auf weiträumige Abschnitte zu verteilen, um damit Entwicklungsbögen zu unterstreichen, so dass die Lautstärkeunterschiede recht verhalten ausfallen. Dennoch gibt es auch viele beachtliche Details: Die rhythmischen Elemente im Scherzo sind präzise und – bei den Forte-Einsätzen – im Sinne sich fortpflanzender Impulse gesetzt, wogegen der Mittelteil eine sinnliche Eleganz verstrahlt. Darüber hinaus überzeugt der langsame Satz durch abgeklärte Ruhe und fahle Farbgebungen.

Auch der Kopfsatz des Horntrios Es-Dur op. 40 (1865) will nicht so recht in Fahrt kommen. Přemysl bläst mit rundem und weichem Ton, verzichtet dabei aber auch auf die Rauheiten, die seinem Part eingeschrieben sind. Hinzu kommt die manchmal unglückliche Balance zwischen den beiden Melodieinstrumenten, denn das Horn wirkt gegenüber der Violine oft eine Spur zu laut und bestimmt daher auch den Gesamtklang des Werkes. Darüber hinaus vermisst man hier auch das Herausarbeiten von Vorhalten: Phrasen- oder harmoniebedingte Akzentuierungen fehlen vor allem im langsamen Satz, der an einigen Stellen geradezu danach verlangt, wodurch das melodische Geschehen manchmal zu wenig profiliert erscheint. Demgegenüber bildet das Klarinettentrio a-Moll op. 114 auch aufgrund seiner perfekten Balance und den klanglich geschickt ausgesponnenen Dialogen zwischen Peterková und Páleníček einen der Höhepunkte der CD. Besonders gelungen ist der reflexiv wirkende Beginn des Kopfsatzes, der ruhig anhebt und erst allmählich ins stringente Tempo hineinfindet.

Das Klaviertrio c-Moll op. 101 besticht vor allem im Kopfsatz durch einen aggressiveren Zugang und wartet zudem mit größeren Kontrasten als das frühe H-Dur-Trio auf. Im Gegensatz zu diesem Beginn erhält der langsame Satz eine ganz andere Färbung und überzeugt durch eine vorwiegend ruhige Gestaltung mit eingestreuten Phasen drängenderer Bewegung. Dass schließlich die Wiedergabe des Klaviertrios C-Dur op. 87 recht dicht und kompakt wirkt, liegt daran, dass die Musiker – vor allem im Kopfsatz, aber auch in einem aufgrund der Emphase überhitzt wirkenden Finale – die dramatischen Momente der Musik unter Rückgriff auf ein recht exzessiven Vibrato gestalten. Darüber hinaus wirkt das Geschehen an Stellen wie der Kopfsatzdurchführung wiederum nicht ideal ausbalanciert. Klangvoll und schön in Bezug auf die Modellierung der Spannungs- und Entspannungsprozesse erweist sich allerdings der Mittelteil des Scherzos, dessen Rahmenteile prägnant dargeboten werden und gegen Ende auf den Eindruck zunehmender Flüchtigkeit zielen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Brahms, Johannes: Klaviertrios Nr. 1-3

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Supraphon
2
16.11.2012
Medium:
EAN:

CD
099925407223


Cover vergössern

Supraphon

Supraphon Music ist das bedeutendste tschechische Musiklabel und besitzt bereits eine lange Geschichte. Der Name "Supraphon" (der ursprünglich ein elektrisches Grammophon bezeichnete, das zu seiner Zeit als Wunderwerk der Technik galt) wurde erstmals 1932 als Warenzeichen registriert. In den Nachkriegsjahren erschien bei diesem Label ein Großteil der für den Export bestimmten Aufnahmen, und Supraphon machte sich in den dreißiger und vierziger Jahren besonders um die Verbreitung von Schallplatten mit tschechischer klassischer Musik verdient. Die künstlerische Leitung des Labels baute allmählich einen umfangreichen Titelkatalog auf, der das Werk von BedYich Smetana, Antonín Dvorák und Leos Janácek in breiter Dimension erfasst, aber auch andere große Meister der tschechischen und der internationalen Musikszene nicht vernachlässigt. An der Entstehung dieses bemerkenswerten Katalogs, auf den Supraphon heute stolz zurückblickt, waren bedeutende in- und ausländische Solisten, Kammermusikensembles, Orchester und Dirigenten beteiligt.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Supraphon:

  • Zur Kritik... Prachtvolle orchestrale Spätwerke: Tomáš Netopil und das Radio-Symphonieorchester Prag präsentieren fünf Werke aus der Feder ihres Landsmannes Bohuslav Martinů und können dabei vollauf überzeugen. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Ausflug ins tschechische Viola-Repertoire: Jitka Hosprová engagiert sich leidenschaftlich für drei tschechische Violakonzerte, die allerdings in ihrer Substanz nur teilweise gelungen sind. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Musikstadt Prag: Supraphon bringt eine Zusammenstellung aus verschiedensten Orchesterstücken mit Bezug zu Prag heraus. Weiter...
    (Anneke Link, )
blättern

Alle Kritiken von Supraphon...

Weitere CD-Besprechungen von Prof. Dr. Stefan Drees:

  • Zur Kritik... John Bull und andere: Im sechsten Teil seiner Gesamteinspielung des 'Fitzwilliam Virginal Book' kombiniert der Cembalist Pieter-Jan Belder Stücke von John Bull mit einzelnen Kompositionen unbekannterer Tonsetzer. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
  • Zur Kritik... Arbeit an klanglichen Feinheiten: Die zweite DVD der Reihe 'Lachenmann Perspektiven' widmet sich der Komposition 'Air'. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
  • Zur Kritik... Blick in die Interpretationswerkstatt: Eine neue DVD-Reihe vermittelt unschätzbare Einblicke in die musikalischen und technischen Problemstellungen von Helmut Lachenmanns Musik. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
blättern

Alle Kritiken von Prof. Dr. Stefan Drees...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Liebesgrüße aus Windsor: The Queen's Six können es im leichten und populären Repertoire: Eine feine Platte, frische Arrangements – ein schöner Streifzug. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Klassiker wiederaufgelegt: Ein konzertanter Livemitschnitt von Tschaikowskys 'Pique Dame' in idiomatischer Wiedergabe. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Sächsische Eigentümlichkeiten: Das Ensemble Polyharmonique und das Wrocław Baroque Orchestra mit der qualitätvollen Deutung einer Franz Xaver-Vesper von Johann David Heinichen und einem vernehmlichen Plädoyer für diesen Komponisten. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (5/2022) herunterladen (2400 KByte) Class aktuell (4/2021) herunterladen (7000 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich