> > > Duo Miho & Masumi Hio spielt: Werke von Strawinsky, Hindemith & Ravel
Samstag, 25. September 2021

Duo Miho & Masumi Hio spielt - Werke von Strawinsky, Hindemith & Ravel

Unausgeglichen


Label/Verlag: Odradek
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Klavierduo Miho und Masumi Hio bringt die Zeitgenossen Ravel und Strawinsky zusammen und interpretiert deren Orchesterwerke auf dem Klavier.

Rhythmisch und energiegeladen – das wären die Adjektive, die man als erstes nennen würde, wenn man Gemeinsamkeiten von Ravels 'Rapsodie espagnole' und Strawinskys 'Sacre du Printemps' suchen müsste. Klar unterschieden werden muss hier jedoch der Grund dieser Energie: die farbenfrohen Spannungsbögen bei Ravel und die brutale Archaik bei Strawinsky. Die offenkundigen Gegensätze versucht das Klavierduo Miho und Masumi Hio in der Version für Klavier vierhändig zu verbinden. Hinzu kommt Hindemiths Sonate für Klavier vierhändig.

Dabei lassen sich starke qualitative Unterschiede in den Interpretationen dieser Werke finden. Strawinskys 'Sacre du Printemps' enttäuscht hier, was leider nicht nur an der reduzierten Version liegen kann. Es fehlen nämlich nicht nur die vielen Klangfarben, die das überdurchschnittlich stark besetzte Orchester zustande bringen würde, sondern auch die Energie der Aufführenden. Auch ein Klavier kann laut und brachial sein, nur wurde von dieser Möglichkeit nur sehr selten Gebrauch gemacht. Es fragt sich, warum das Klavierduo zu dieser Art von Interpretation griff. So könnte man denken, dass viel Wert auf das Aufzeigen der zugrundeliegenden Struktur des Werkes gelegt werden sollte. Angesichts der Tatsache, dass Kenner der Orchesterversion oft das Gefühl haben, dass einige Töne und Akkorde bis hin zu ganzen Takten gleichsam verschluckt werden (z.B. in dem bekannten 'Tanz der jungen Mädchen'), zieht dieses Argument im vorliegenden Zusammenhang nicht.

Ravel-Deutung überzeugt

Ganz anders verhält es sich bei Ravels 'Rapsodie espagnole'. Das Klavier passt wunderbar zu diesem Werk und steht der Orchesterversion in nichts nach. Die Interpreten fangen dabei den impressionistischen Gestus mit ihrem Spiel sehr gut ein; neben dem akzentuierten Vortrag der rhythmischen Tänze, besonders der 'Feria', kommen die Interpreten auch gut mit Klangteppichen wie im 'Prélude' zurecht. Das Ergebnis klingt farbenfroh und entfernt sich von der statisch wirkenden Strukturanalyse, der man bei 'Le Sacre du Printemps' ausgesetzt ist.

Für dieses Stück lohnt es sich also, die CD zu kaufen. Auch Hindemiths Sonate für Klavier vierhändig könnte für einen Freund von Klaviermusik interessant sein, da dieses Werk nur selten aufgenommen wurde. Hier kann man aber auch auf Hindemiths eigene Einspielung zurückgreifen, wenn man über die in die Jahre gekommene Audioqualität hinwegsehen mag.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Robert Puzik,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Duo Miho & Masumi Hio spielt: Werke von Strawinsky, Hindemith & Ravel

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Odradek
1
27.02.2015
Medium:
EAN:

CD
855317003011


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Odradek

Odradek Records ist keine beliebige neue Plattenfirma. Es ist der erste Schritt eines größeren Projekts, welches es sich zur Aufgabe gemacht hat, klassische Musik neu zu produzieren und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wir sind der Meinung, daß die derzeitige Struktur der Musikwelt das wahre Wesen der Musik verkennt und ihr nicht die gebührende Bedeutung beimisst. Die Welt der klassischen Musik dreht sich im Wesentlichen um wenige, berühmte Namen, einige große Konzerthäuser und ein Repertoire, welchem - eingeschränkt durch die Fesseln der Popularität - wenig Spielraum gelassen wird. Nachwuchskünstler werden zumeist im musikfeindlichen Labyrinth der Wettbewerbe gefunden, wobei der große Erfolg dort nicht selten enger mit Extravaganz und Theatralik als mit der Genauigkeit und Feinheit der Interpretation verknüpft ist. Solch ein System, welches den Gesetzen der freien Marktwirtschaft ausgesetzt ist, zwingt die große Mehrheit der Künstler immense Summen für eine CD Aufnahme aufzubringen, deren Gewinn größtenteils wieder an die Plattenfirma zurückfließt. Dadurch bleibt vielen guten Musikern die Möglichkeit einer professionellen Aufnahme verwehrt. Solch ein System hat sich nicht nur schon weit von der Kunst entfernt, es ist ein System, das in sich selbst in einer großen Krise steckt.

Idealerweise sollte Musik, genau wie andere Primärgüter, nicht vom Markt abhängig sein. Uns ist klar, dass dies streng genommen eine utopische Vision ist. Aber gerade dieses Streben nach dem Unerreichbaren ist ein grundlegender Antrieb für die Dynamik unseres Projekts.

Odradek Records ist eine nicht an Profit orientierte Plattenfirma. Nach Deckung aller Produktions- und Vertriebskosten gehen alle Erlöse an den Künstler. Die zwei maßgebenden Kriterien zur Auswahl der Künstler sind einerseits höchste musikalische Qualität und andererseits die Attraktivität des vorgeschlagenen Programms. Wir wollen nicht ausschließen, sondern mit einbeziehen: Es ist nicht von Bedeutung ob jemand einen wichtigen Wettbewerb gewonnen oder schon in großen Konzerthallen gespielt hat. Ebenso interessieren uns weder Alter und Herkunft eines Künstlers, noch ob er bei einer großen Plattenfirma unter Vertrag ist. Das einzig relevante Kriterium ist die musikalische Qualität des Künstlers. Wir interessieren uns für Aufnahmen von Chopin und Co., genauso wie für Aufnahmen von Stücken von Berio, Scelsi, Copland, Carter, Webern, Schönberg, Ligeti, Kurtag, Ives u.v.a.

Odradek Records produziert nicht nur CDs. Wir sind überzeugt, daß Musik in ihrer Ganzheit erst im Konzert voll zur Geltung kommen kann. Aus diesem Grund organisieren wir regelmäßig Musikfestivals in verschiedenen Städten, um unsere CDs und die Musik zu fördern.

Zu guter Letzt noch ein Wort zu unserem Namen, den wir einer Kurzgeschichte von Kafka entliehen haben. Ebenso wie der Familienvater in Kafkas Geschichte, sind auch wir besorgt. Besorgt, dass Musik immer mehr ein ?Odradek? wird; ein undefinierbares und unverständliches Wesen, dessen Stimme künstlich klingt ? wie die Stimme eines Menschen ?ohne Lungen?; ein Wesen ohne Form, das auf beängstigende Weise all das kopiert was jemals lebendig war und von jenen, die über die notwendigen Instrumente der Macht und Kontrolle verfügen, in jede Form gepresst werden kann. Wir hoffen, dass das käfigähnliche Geländer, das den Mann in Kafkas Bildern umgibt, sich in ein Instrument verwandelt ? wir möchten unser Gefängnis in Freiheit verwandeln.

Wir möchten dazu beitragen, dass Musik wieder ausschließlich als Kunstwerk wahrgenommen und die ursprüngliche Funktion musikalischer Interpretation wiederhergestellt wird ? die einzige, die eine mögliche Zukunft eröffnet: ein Feld der Forschung.

Willkommen beim Projekt Odradek!


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