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Samstag, 25. September 2021

Adams, John - A Portrait and a Concert of American Music

Portrait des Komponisten John Adams


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Gerade in solch krisenbeladenen Zeiten, wie wir sie im Moment erleben, rücken Kunstwerke, die mittelbaren oder unmittelbaren Bezug zum politischen Weltgeschehen haben, vermehrt ins Bewusstsein und erhalten dadurch neue Aktualität - zum Beispiel die Werke des amerikanischen Komponisten John Adams. So hat seine Oper 'Death of Klinghoffer' von 1991 nach den Anschlägen vom elftem September neue Brisanz erhalten. Sie wurde zehn Jahre nach ihrem Entstehen erneut heftig diskutiert und schließlich als anti-amerikanisch geächtet. Denn dieses Werk handelt von der Entführung eines Schiffes durch palästinensische Terroristen, und mit der Thematisierung des israelisch-arabischen Konflikts hat John Adams hier wohl die Grenzen dessen erreicht, was in der Oper möglich ist.
Dies und mehr erfährt der Zuschauer im ersten Teil der vorliegenden DVD, der informativ in das Leben und Werk John Adams' einführt. Anhand der wichtigsten Werke des Komponisten wird der Weg nachgezeichnet, auf dem dieser seine persönliche Ausdrucksform für das Genre der Oper erarbeitet und gefunden hat - eine Form, in der aktuelle Probleme herausfordernd thematisiert werden. Bereits mit seiner ersten Oper, 'Nixon in China', die 1987 uraufgeführt wurde, verlieh er der Oper wieder die Fähigkeit zu provozieren.

Im Komponistenportrait kommt John Adams erfreulicherweise auch häufig selbst zu Wort. Dabei erfährt der Zuschauer zum Beispiel, dass Adams die Oper eigentlich hasst und sie selten besucht, obwohl er doch bei den Leuten vor allem durch seine Bühnenwerke bekannt ist. Aber der Akzent des Portraits liegt nicht allein auf der inhaltlichen Ausrichtung der Opern, sondern es wird zudem sehr anschaulich vermittelt, in welchen Schritten der Komponist seine persönliche Musiksprache entwickelt hat. Diese werden anhand von zahlreichen Musikbeispielen illustriert. Gleichzeitig wird auch ein sehr interessanter Bogen geschlagen zum zweiten Teil der DVD, einem Konzert amerikanischer Musik, das im Jahr 2000 im Théâtre du Châtelet live aufgenommen worden ist. Das Programm umfasst Werke von Steve Reich, John Adams und Conlon Nancarrow. Das Booklet charakterisiert diese Werkauswahl als ‘Zeitreise durch die amerikanische Musik der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.' Unter diesem Stichwort würde man üblicherweise wohl auch Werke von Charles Ives, John Cage oder anderen ‘Klassikern' der amerikanischen Musik erwarten.
Doch die Brücke, die vom Komponistenportrait geschlagen wird, macht verständlich, dass diese Auswahl nicht auf die amerikanische Musikgeschichte im allgemeinen bezogen ist, sondern unmittelbar auf John Adams. Denn zum Beispiel gehört gerade die repetitive Musik Steve Reichs - neben dem Minimalismus der Kunst - zu den prägendesten Erfahrungen, aus denen heraus Adams seinen Personalstil entwickelt hat.

Nicht nur die repetitive Musik der ‘Eight Lines', sondern auch die für Ensemble bearbeiteten ‘Studies for Player Piano' erfordern von den Musikern höchste Konzentration und Ausdauer. Mit sichtlicher Freude führt Jonathan Nott hier das kammermusikalisch besetzte Ensemble Intercontemporain durch die Klangwelt der häufig maschinenartigen, hämmernden Rhythmen, die dadurch auch für die Zuhörer zum Klangerlebnis wird.
Die Bilder aus dem Konzertsaal werden während des ersten Stückes in regelmäßigen Abständen durch Videoeinblendungen ergänzt - nach Art der Filme zur Minimal Music handelt es sich dabei immer um dieselbe belebte Straßenkreuzung im Zeitraffer. Das dritte Werk, ein Klarinettenkonzert von John Adams, ist eine Hommage an den Vater des Komponisten. Denn das Verhältnis Adams' zu seinem Vater und zur Musik ist bestimmt vom Klang der Klarinette. Im Solopart des Klarinettenkonzertes ist bei dieser Aufnahme Andre Trouttet mit einer gelungenen Interpretation zu hören. Das letzte Werk, die Kammersinfonie, vermischt die Eigentümlichkeit von Schoenbergs Kammersymphonie Nr. 9 mit den schrillen Klängen der Zeichentrick-Filmmusik. Hier gelingt es den Musikern, die beabsichtigte Emotionalität der abrupten Wechsel und der dynamischen Einbrüche spürbar zu machen.

Die DVD entstand in Zusammenarbeit von RM Associates und LGM, dem Théâtre Musical de Paris und Kinowelt Home Entertainment und ist bei ArtHaus erschienen. Der Ton des Portraits kann in PCM Stereo oder Dolby Digital 2.0 gehört werden, das Konzert in PCM Stereo, Dolby Digital 5.0 oder DTS 5.0. Das Komponistenportrait ist nicht synchronisiert, kann also nur auf englisch angehört werden. Es ist aber möglich, zwischen deutschen, englischen, französischen und spanischen Untertiteln zu wählen. Das dreisprachige Booklet (deutsch, englisch, französisch) enthält Informationen zu den aufgeführten Werken.
Das Ansehen und -hören dieser DVD ist ausgesprochen lohnend, vor allem für all jene, die sich für die spezifische Musiksprache von John Adams oder allgemein für amerikanische Musik interessieren.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Features:




Kritik von Katrin Paulsen,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Adams, John: A Portrait and a Concert of American Music

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Arthaus Musik
1
04.11.2002
134:00
2000
2002
Medium:
EAN:
BestellNr.:
DVD
4006680103228
100 322

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Adams, John


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Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


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