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Sonntag, 20. Oktober 2019

Mozart, Wolfgang Amadeus - Sonaten für Klavier & Violine

Schwer zu überbieten


Label/Verlag: Ondine
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mozart in Vollendung: Christian Tetzlaff und Lars Vogt interpretieren drei seiner Sonaten für Klavier und Violine ungemein klug und subtil.

Das ist Mozart in Vollendung – Christian Tetzlaff und Lars Vogt haben drei seiner Sonaten für Klavier und Violine eingespielt. Das Ergebnis ist rundum gelungen (der einzige und denkbar äußerliche Kritikpunkt ist das etwas alberne Cover). Tetzlaffs sehnender, runder, immer auch ein wenig verhangener Geigenton harmoniert wunderbar mit Vogts noblem, klarem Anschlag. Apollinisch ist ihr Spiel und voller Gewandtheit, Geistesgegenwart und Gestaltungswillen. Wie es in der Coda des dritten Satzes der Sonate KV 379 G-Dur leichtfüßig und feingliedrig gemeinsam ins Piano geht; wie die Partner das Verhältnis von Innerlichkeit und Dramatik im zweiten Satz ausbalancieren, in dem besonders Tetzlaffs konturiertes Legatospiel einnimmt; wie sie die Phrasenschlüsse gestalten – das ist schwer zu überbieten an Feinheit, an schierer Klasse.

Vogt modelliert die kantable Oberstimme in der ersten Variation des dritten Satzes, im zweiten zeigt er seine beeindruckende Fingerfertigkeit, licht und präsent erklingt der filigrane Klavierpart im ersten Satz der Sonate KV 454; schade, dass sie die Durchführung, die Mozart in der Reprise nachholt, nicht wiederholen, gerne man hätte sie gleich noch einmal gehört. Die enharmonische Verwechslung im zweiten Satz tauchen sie in Zwielicht. Tetzlaff gestaltet die Melodie vor einem weiten Horizont. Die Plastizität der Läufe besticht, da ist nichts verhuscht. Nebenbei verdeutlicht ihr Spiel Mozarts stupende kompositorische Ökonomie. Balance und Klarheit des Klangbilds tragen ihren Teil zur Qualität bei.

Ein systematischer Zug, ein Zug ins Abstrakte ist der Sonate KV 526 zu eigen, die Mozart 1787 nach der 'Kleinen Nachtmusik' und vor dem Abschluss des 'Don Giovanni' komponierte. Vogts pianistische Geläufigkeit im ersten Satz ist voller Spannkraft, Triller wie Eiskristalle, seine Linke meistert die rollenden Aufgänge. Die Parallelläufe von Violine und Klavier im dritten Satz strahlen eine innere Ruhe aus. ‚Tiefster Ausdruck entsteht dadurch‘, so Tetzlaff im Beiheft, ‚dass man seine Gedanken ganz klar fasst und erkennt.‘ Das ist den Interpreten gelungen. Alles ist durchgestaltet, doch nie verkopft; da gibt es keinen Takt, der nicht in den großen Zusammenhang gestellt und zugleich im Augenblick zum Leuchten gebracht würde. Ungemein subtil ist ihre Mozart-Interpretation. Ob ihr beseeltes Dialogisieren in der Durchführung des ersten Satzes oder die Art, wie sie die Synkopen zwischen den Stimmen in der fünften Variation von KV 379 gestalten – es macht alles immer Sinn. Mit einem Wort: perfekt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mozart, Wolfgang Amadeus: Sonaten für Klavier & Violine

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Ondine
1
05.11.2012
Medium:
EAN:

CD
761195120422


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Ondine

The roots of Ondine date back to 1985 when founder Reijo Kiilunen released the very first Ondine album under the auspices of the renowned Finnish Kuhmo Chamber Music Festival. The label's initial mission was to produce one live album at the Festival each season. The fourth album, however, featured Einojuhani Rautavaara's opera Thomas (ODE 704-2), raising major international attention and opening the ground for overseas distribution. Kiilunen, who was running the Festival's concert agency and had begun the recording activity part-time, soon decided to devote himself fully to the development of this new business, producing and editing the first 50 releases himself. Since 2009 the company has been a part of the Naxos Group.

Today Ondine's extensive catalogue includes nearly 600 recordings of artists and ensembles such as conductor and pianist Christoph Eschenbach, conductors Vladimir Ashkenazy, Vasily Petrenko, Mikhail Pletnev, Esa-Pekka Salonen, Hannu Lintu, Jukka-Pekka Saraste, Sakari Oramo, Leif Segerstam and John Storgårds, orchestras such as The Philadelphia Orchestra, Orchestre de Paris, London Sinfonietta, Bavarian Radio Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Russian National Orchestra, Czech Philharmonic, Finnish Radio Symphony Orchestra, Helsinki Philharmonic and Tampere Philharmonic, sopranos Soile Isokoski and Karita Mattila, baritone Dmitri Hvorostovsky and Gerald Finley, violinist Christian Tetzlaff, violist David Aaron Carpenter, cellist Truls Mørk and pianist Olli Mustonen.

The label has also had a long and fruitful association with Finnish composers Einojuhani Rautavaara, Magnus Lindberg and Kaija Saariaho, having recorded the premieres of many of their works and garnering many awards along the way.


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